Zusammenfassung
- Das erste NSFNET-Backbone verband Forschende mit fünf nationalen Supercomputerzentren; RFC 1009 beschrieb zusätzlich das Ziel, wissenschaftliche Ressourcen und eine größere Forschungsgemeinschaft zu vernetzen.
- Ein späterer Bundesbericht sagt, dass E-Mail, Fernzugriff und Dateiübertragung bald den Verkehr dominierten. Im Juli 1988 waren sieben regionale Hochschulnetze an das T1-Backbone angeschlossen.
Fünf Zentren begründeten die erste Verbindung
Der Ausgangspunkt war nicht abstrakt: Leistungsfähige Rechenmaschinen waren teuer und standen nur an wenigen Orten. 1985–86 wählte NSF Zentren in San Diego, Illinois, Cornell, Pittsburgh und Princeton aus. Ein späterer technischer Bundesbericht nennt diese fünf Standorte und beschreibt NSFNET als Backbone, über das Forschende ihre Rechner aus der Ferne erreichen konnten.
So ließ sich ein knapper Forschungsressourcentyp über den Standort hinaus nutzen. Das Netz musste die Maschinen nicht vervielfachen, um mehr Forschenden Zugang zu geben. Doch dieselbe Verbindung, die zu einem entfernten Rechner führt, kann auch andere Arbeit zwischen den Einrichtungen tragen.
RFC 1009 vom Juni 1987 beschreibt NSF als Aufbau einer Internet-Erweiterung für nationale Supercomputerzentren und weitere wissenschaftliche Ressourcen. Zugleich sollte sie einem großen Teil der Forschungsgemeinschaft Netzwerkkapazität bieten. Das zeitgenössische Dokument formuliert Zweck und Gateway-Anforderungen; es misst nicht den tatsächlichen Verkehr.
Der Verkehr folgte nicht nur dem Programmziel
NISTIR 4734, ein technischer Bundesbericht von 1992, formuliert den entscheidenden Befund: NSFNET sei als Verbindung zu den Supercomputerzentren beworben worden, doch bald hätten allgemeine Dienste den Verkehr dominiert. Genannt werden E-Mail, Fernzugriff und Dateiübertragung. So beschreibt es der Bericht. Der angeführte Abschnitt enthält keine Messzeit, keine Paketstatistik nach Anwendung und keine Anteile. Genauere Aussagen über die Größe der einzelnen Dienste wären damit nicht belegt.
Die Trennung zwischen Investitionsgrund und beobachteter Nutzung ist wichtig. Die Zentren benennen die knappe Ressource, die das Programm erschließen sollte. Mail, Fernsitzungen und Dateien zeigen, dass dasselbe Backbone auch alltägliche Zusammenarbeit zwischen Institutionen unterstützte. Das eine widerlegt das andere nicht; die Infrastruktur leistete mehr, als die Liste der Zielmaschinen allein erkennen lässt.
Der NSF-Jahresbericht von 1986 zeigt eine frühere Planungsphase. Seine Karte „Supercomputer network“ stellt die Zentren neben regionale Netze; der Text beschreibt diese Netze als künftige Bestandteile des Backbones. Die Karte belegt einen Architekturentwurf, nicht den Betrieb jeder eingezeichneten Verbindung im Jahr 1986. Auch die Lücke zwischen Planung und Betrieb gehört in eine Infrastrukturgeschichte.
Mehr Verkehr, ein anderes Netz
Laut NISTIR 4734 stieg der Datenverkehr rasch auf 200 Millionen Pakete pro Monat. 1988 wurde das erste Backbone außer Betrieb genommen und durch ein neues ersetzt. Bis Juli waren sieben regionale Hochschul-Forschungsnetze hinzugekommen; die Geschwindigkeit war von 56 kbit/s auf 1,544 Mbit/s, also T1, gestiegen.
RFC 1074 vom Oktober 1988 dokumentiert das SPF-basierte Interior-Gateway-Protokoll des neuen NSFNET-Backbones und beschreibt permanente T1-Verbindungen. Zusammen zeigen die Quellen einen Maßstabswechsel: Aus einer Route zu nationalen Rechenressourcen wurde ein Backbone, das regionale Forschungsnetze verband. Sie belegen weder, dass E-Mail oder Dateiübertragung allein die Erneuerung auslösten, noch wie Kapazität nach Anwendung verteilt wurde.
Die Pointe lautet nicht, NSF habe die falschen Ziele gewählt. Die fünf Zentren gaben dem Bau eine klare Begründung. Aufschlussreicher ist, dass eine gemeinsam genutzte Infrastruktur auch durch Verkehr an Wert gewinnt, der außerhalb ihres sichtbarsten ursprünglichen Zwecks liegt. Planung muss deshalb den Fernzugriff auf teure Rechenressourcen ebenso erfassen wie die alltäglichen Dienste, mit denen Forschende über Institutionsgrenzen hinweg arbeiten.
Quellen: NSF, Annual Report 1986; Braden und Postel, RFC 1009, Requirements for Internet Gateways (1987); Rekhter, RFC 1074, NSFNET Backbone SPF based Interior Gateway Protocol (1988); NISTIR 4734, Foundations of a Security Policy for Use of the National Research and Educational Network (1992).
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