Summary

  • Die erste Fassung von LAC-2016-1 verlangte für einen IPv4-Betreiber bei einem Verbindungsstreit mit einem reinen IPv6-Netz den Umstieg auf Dual Stack. Die zweite Fassung machte daraus eine Empfehlung. Im Mai 2016 wurde der Vorschlag aufgegeben.
  • Nicolás Antoniello hielt der Pflicht am 8. Januar entgegen, dass die Schlichtung solcher Streitigkeiten nicht zu den eigentlichen Aufgaben einer regionalen Internet-Registrierungsstelle gehöre.

Ein Wort sollte aus einer Adressverwaltung eine Instanz für Netztechnik machen: „muss“. Im ersten Entwurf von LAC-2016-1 sollte ein Betreiber, der nur IPv4 anbietet, bei einem Streit mit einem reinen IPv6-Netz zur Dual-Stack-Umrüstung verpflichtet werden. Die Absicht war nachvollziehbar: mehr IPv6, weniger Umwege über NAT64. Doch zwischen der Vergabe von Nummern und dem Umbau eines fremden Netzes liegt eine ziemlich lange Leitung.

Nicolás Antoniello kannte beide Seiten dieser Leitung. In einem Gespräch mit LACNIC von 2017 erinnerte er sich an seine Arbeit im Betriebszentrum des uruguayischen Providers ANTEL. Von 2009 bis 2015 moderierte oder ko-moderierte er das öffentliche LACNIC-Politikforum. Er half auch Menschen bei ihren ersten Richtlinienentwürfen. Als LAC-2016-1 Anfang 2016 auf die Liste kam, war seine Amtszeit als Moderator vorbei. Seine Erfahrung mit Betrieb und Verfahren blieb.

In seiner Antwort vom 8. Januar trennte er Ziel und Zuständigkeit. Der Wunsch, Verbindungsprobleme zu lösen, genüge nicht, um einem Regional Internet Registry die Schlichtung aufzutragen. LACNIC könne einen Carrier kaum zu Dual Stack, NAT64 oder einer anderen technischen Lösung zwingen. Er widersprach dem Text in dieser Form. Die Betreffzeile der Mail trägt noch „2015-6“ aus dem alten Faden; die darin zitierte Ankündigung bezeichnet den Vorschlag ausdrücklich als LAC-2016-1.

Der offizielle Versionsverlauf liefert die nächste Szene. Die am 29. Februar geänderte zweite Fassung riet dem IPv4-Betreiber zur Entwicklung Richtung IPv6. Aus dem verpflichtenden Upgrade wurde eine Empfehlung. Nach der Debatte auf LACNIC 25 erhielt der Vorschlag am 4. Mai den Status „aufgegeben“. In den Unterlagen stehen Einwand, Änderung und Ende; sie schreiben die Änderung keiner einzelnen Wortmeldung zu.

Antoniello hatte den Finger auf die Stelle gelegt, an der aus Verwaltung Macht wird. Eine Registrierungsstelle kann dokumentieren, wem Adressen zugeteilt sind. Ob und wie zwei Betreiber ihre Netze verbinden, entscheiden Menschen, die die Folgen im Betrieb tragen. Die erste Fassung wollte diesen Abstand mit einem „muss“ überbrücken. Die zweite setzte auf „sollte“. Auch dafür fand sich am Ende keine neue Richtlinie.