Zusammenfassung

  • Viele Detailangaben in RFC 1432 stammten aus einem über Gopher und Telnet erreichten Katalogserver der Library of Congress; damit war die Herkunft eines Datensatzes belegt, nicht Bestand oder Lieferung.
  • Gedruckte Bücher, eine ausschließlich online verfügbare Erstausgabe, monatlich freigegebene Kapitel und noch ungesehene Neuerscheinungen standen nebeneinander, während veränderliche Preise und Kontaktwege ausdrücklich markiert wurden.
  • Historisch belastbar bleibt die Liste, wenn Datensatz, Zugriffspfad, Serverantwort, empfangenes Objekt, Ausgabe, Angebot und Zustellung jeweils mit Zeit und Verantwortlichem erhalten bleiben.

Ein Dokument, das seine eigene Alterung mitlieferte

John S. Quartermans Recent Internet Books erschien zunächst im Dezember 1992 in Matrix News und wurde im März 1993 als RFC 1432 veröffentlicht. Neun oder zehn Internetbücher waren binnen ungefähr eines Jahres aufgetaucht. Einige waren noch gar nicht erschienen; andere reichten bis 1984 zurück.

Die Übersicht wirkte wie eine kleine Marktaufnahme. Sie verzeichnete Autor, Seiten, Preis, Zielgruppe, Gattung und den Anteil anderer Netze. Doch sie ließ Fragezeichen stehen. Sie nannte angekündigte, noch nicht gesehene Bücher. Ihre Gruppen sollten ausdrücklich nur illustrieren, nicht endgültig klassifizieren, weil mehrere Werke in mehrere Kategorien passten.

Damit trug das Dokument seine Versionsgrenze bereits im Inhalt. Eine Zeile konnte korrekt melden, dass ein Buch geplant und nicht geprüft war. Eine Preisangabe konnte bei der Veröffentlichung stimmen und später veralten. Dauerhaft war nicht jeder Feldwert, sondern die Aussage: Zu diesem Zeitpunkt wusste der Verfasser dies aus diesen Quellen und kennzeichnete diese Unsicherheit.

Der Katalogserver war kein Lagerhaus

Quarterman legte die Herkunft zahlreicher bibliografischer Details offen. Sie kamen vom Katalogserver der Library of Congress, unterstützt durch Digital Research Associates und über das Internet mit Gopher und Telnet abgefragt.

Diese Provenienz stärkte den Datensatz und begrenzte ihn zugleich. Die Bibliothek verantwortete ihre Katalogbeschreibung. Der Server verantwortete eine Antwort. Protokoll und Netz transportierten die Sitzung. Verlage bestimmten Ausgaben und Preise. Händler kannten ihren Bestand. FTP-Betreiber verwalteten Dateien und Pfade. Der Redakteur ordnete die Aussagen an, ohne ihre Zuständigkeiten zu übernehmen.

Ein Katalogtreffer belegte deshalb weder ein ausleihbares Exemplar noch Verkaufsbestand. Eine Verlagsadresse war kein Liefernachweis. Ein FTP-Ort musste nicht den vollständigen Text enthalten. Die gemeinsame Seite erzeugte Orientierung; sie erzeugte keine gemeinsame Verwahrung.

Auch Quartermans historischer Begriff „Matrix“ warnte vor falscher Einheit. Er umfasste weltweit E-Mail austauschende Netze wie FidoNet, UUCP, BITNET, USENET und das Internet. Die Bibliografie war auf das Internet ausgerichtet, einige Bücher behandelten aber mehr. Nähe in einer Tabelle war keine gemeinsame Betriebsführung.

Aus einer präzisen Adresse folgt noch kein präzises Objekt

Endete ein Eintrag mit domain.name:path/name, erklärte RFC 1432 den Versuch: per FTP verbinden, als anonymous anmelden, die eigene E-Mail-Adresse als Passwort verwenden und den Rest als Verzeichnis oder Datei ausprobieren. local@domain bezeichnete eine Adresse für Nachfragen.

Die Notation machte einen Weg reproduzierbar. Sie garantierte sein Ende nicht. Ein Host konnte antworten, obwohl der Pfad verschwunden war. Eine Datei konnte Werbung oder Inhaltsverzeichnis statt Buch sein. Sie konnte zu einer anderen Ausgabe gehören. Eine E-Mail konnte zugestellt und unbeantwortet bleiben. Eine Bestellung konnte angenommen werden, ohne dass ein Exemplar versandt wurde.

RFC 1175 hatte 1990 bereits Online- und Druckmaterialien, Nachschlagewerke und multimediale Lernmittel als repräsentativen Einstieg zusammengestellt. Sie gab Beschaffungswege an und warnte, dass FTP-Befehle je nach System angepasst werden müssten. Beschreibung, Versuchsanleitung und erfolgreicher Bezug waren auch dort getrennte Leistungen.

Werk, Ausgabe, Datei und Exemplar

Die Beispiele in RFC 1432 zerlegen das scheinbar einfache Wort „verfügbar“. The Internet Companion wurde über anonymes FTP mit zwei Kapiteln pro Monat bereitgestellt. Die erste Ausgabe von Zen and the Art of the Internet existierte ausschließlich online auf mehreren FTP-Servern; die zweite Ausgabe war erweitert, aktualisiert und gedruckt. Andere Netzverweise führten zu Anzeigen oder Inhaltsangaben.

Ein Werk konnte also bekannt sein, während eine bestimmte Ausgabe noch ausstand. Kapitel konnten abrufbar sein, ohne dass die vollständige Ausgabe vorlag. Eine Druckausgabe konnte bestellt werden, während die Onlineausgabe eine andere Fassung bildete. Ein physisches Exemplar konnte angeboten, aber noch nicht geliefert sein.

Eine ISBN stützt die Identität einer Ausgabe, bestätigt jedoch nicht die Bytes einer heruntergeladenen Datei. Ein Hash bindet eine erhaltene Bitfolge, entscheidet aber nicht allein über deren editorischen oder rechtlichen Status. Eine aktuelle Händlerantwort stützt ein Angebot, nicht den Endpreis einschließlich Versand und nicht die Zustellung.

Diese Unterschiede sind keine nachträgliche Modellierung. RFC 1432 selbst unterschied Erstausgabe und zweite Ausgabe, Online und Druck, laufende Kapitelfreigabe, angekündigte Veröffentlichung und fehlende persönliche Prüfung.

Der Änderungshinweis war das Gültigkeitsmodell

Quarterman warnte ausdrücklich, Preise, E-Mail-Adressen, Telefon- und Faxnummern sowie Postanschriften könnten sich ändern. Rabatte könnten den Zahlbetrag senken, Versand oder Kauf außerhalb der Vereinigten Staaten ihn erhöhen. Fehler, Änderungen und Ergänzungen sollten per E-Mail gemeldet werden.

Diese Warnung ist kein unverbindlicher Nachsatz. Sie beschreibt verschiedene Halbwertszeiten. Autor, Titel und ISBN einer bestimmten Ausgabe können relativ stabil sein. Preis, Kontakt, Serverpfad und Erscheinungsstatus können schnell kippen. Eine Tabellenzeile synchronisiert diese Zeitachsen nicht.

Würde man eine historische RFC bei jeder Preisänderung überschreiben, vernichtete man die damalige Beobachtung. Ein alter Preis mit Datum ist Evidenz; derselbe Preis ohne Zeitbezug wird zur irreführenden Gegenwartsbehauptung.

RFC 1402 formulierte das Grundproblem in drei Schritten: von einer Information wissen, ihre Bedeutung beurteilen und sie so indexieren, dass sie auffindbar wird. Netzwerkinformation sei selten statisch; sie bewege sich, wachse, ändere sich und sterbe. Viele Einträge seien Zeiger auf die endgültige Information.

Ein Zeiger verkleinert den Suchraum. Er übernimmt nicht die Hoheit über das Ziel. Daher kann ein historischer Eintrag korrekt bleiben, obwohl sein ehemaliger Zugriffspfad heute nicht mehr funktioniert.

Mehr Werkzeuge verteilten die Übergaben

Im März 1994 beschrieb RFC 1580 bereits Gopher, World-Wide Web, WAIS, Archie, WHOIS, X.500, Netfind und weitere Datei- und Maildienste. Das Wachstum der Ressourcen war für gewöhnliche Nutzer kaum einzuholen.

Die Werkzeuge bearbeiteten verschiedene Abschnitte. Gopher und Web halfen beim Navigieren, WAIS beim Durchsuchen von Datenbanken, Archie beim Auffinden von Dateien und Programmen. Andere Dienste suchten Personen, Rechner und Adressen. Lokaler Client, entfernter Client und E-Mail-Zugang boten nicht dieselben Fähigkeiten.

Vernetzte Server konnten wie eine einheitliche Oberfläche erscheinen. Darunter blieben Beschreibung, Speicherung, Verkauf und Auslieferung getrennt. Diese Verteilung erlaubte Wachstum ohne zentrales Regal. Sie verhinderte zugleich, dass ein Sucherfolg Besitz beweisen konnte.

Eine Evidenzkette ohne Sprung

Ein gefundener Katalogsatz belegt, dass ein Katalog das Werk zum Beobachtungszeitpunkt beschrieb. Ein notierter Pfad belegt einen vorgeschlagenen Weg. Eine Serverantwort belegt eine Antwort zu einem Zeitpunkt. Eine Übertragung belegt empfangene Bytes. Titelblatt, Ausgabevermerk, ISBN und gegebenenfalls ein gesicherter Hash stützen die Objektidentität. Eine Verkäuferbestätigung stützt ein Angebot. Erst die Zustellung belegt den Erhalt.

Oberflächen verkürzen diese Kette gern auf „gefunden“, „online“ oder „verfügbar“. Jedes Wort kann in seinem System richtig und im nächsten falsch sein.

RFC 1432 behauptete nicht, alle Pfade, Dateien und Käufe geprüft zu haben. Sie tat etwas ihrem Format Angemessenes: Sie hielt Herkunft, Ungewissheit, Publikationszustand und Zugriffsnotation fest und benannte veränderliche Felder. Das Netz fand das Buch als bibliografische Tatsache. Das Regal blieb bei anderen Akteuren und unter anderen Uhren.

Quellen