Zusammenfassung
- Vorschlag 2026-03 ergänzt einen direkten Verweis auf das Auditverfahren und einen neuen Abschnitt zur Schließung von LIRs. Gleichzeitig soll die bisherige Passage zu gutgläubiger Nutzung und Nichtverlängerung entfallen.
- Bei RIPE 93 sagte Registration-Services-Leiter Marco Schmidt, bestehende Verfahren erfassten bereits die IPv6-Compliance. Version 1.0 erklärt noch nicht, wie die bisherige Verlängerungsbedingung darin weitergilt.
Regeln aufzuräumen klingt nach Satzpflege. Im IPv6-Entwurf des RIPE NCC soll ausgerechnet der Satz verschwinden, der erklärt, wann eine Lizenz nicht verlängert werden kann.
Die geltende Ziffer 4.1 sagt: RIPE NCC verlängert Lizenzen im Allgemeinen, wenn ein Ressourcenhalter ernsthaft und in gutem Glauben versucht, die Bedingungen seiner Zuteilung einzuhalten. Der Text behält sich eine Nichtverlängerung vor, wenn die Adressen nicht wie vorgesehen genutzt werden oder der Halter Verpflichtungen bösgläubig verletzt. Vorschlag 2026-03 streicht diesen Absatz.
Marco Schmidt leitet die Registration Services des RIPE NCC. Bei RIPE 93 erklärte er, dass gerade die Regeln für den Zeitraum nach einer Zuteilung seit Jahren kaum überarbeitet wurden. Die Ergänzungen orientieren sich an der IPv4-Politik: Abschnitt 9 verweist direkt auf die Audit-Aktivität; Abschnitt 10 nennt Gründe, ein LIR zu schließen — offene Zahlungen, eine längere Zeit ohne Kontakt oder wiederholte Verstöße gegen die Politik. Nach einer Schließung übernimmt RIPE NCC laut Entwurf die Verantwortung für die Adressressourcen.
Schmidts Begründung: IPv6 fällt schon heute unter Audit- und Compliance-Verfahren, doch Mitglieder wunderten sich bei einer Prüfung, weil der direkte Weg in der Politik fehlte. In der Arbeitsgruppenliste sagte er, die Begriffe Lizenz, „good faith“ und „bad faith“ hätten die Lage eher verwirrt. Für eine kommende Fassung erwog er einen ausdrücklichen Verweis auf das Verfahren zur Schließung und Deregistrierung.
Die bestehenden Dokumente enthalten tatsächlich Durchsetzungswege. Das RIPE-NCC-Auditverfahren beschreibt Compliance-Prüfungen und nennt Folgen bei bestimmten Fällen von fehlender Kooperation oder falschen Angaben. Der LIR-Vertrag verweist außerdem auf Verfahren zur Suspendierung und Deregistrierung. Offen bleibt die engere Frage: Gilt die fehlende Nutzung wie vorgesehen weiterhin eigenständig als Grund, eine Lizenz nicht zu verlängern? Version 1.0 stellt diese Verbindung nicht ausdrücklich her.
Die Kommentare zeigen, warum ein Verweis allein nicht genügt. Denis Walker sieht in der Streichung den Verlust einer ausdrücklichen Durchsetzungsklausel und fordert eine entsprechende Ergänzung für IPv4. Leo Vegoda unterstützt das Ziel, fragt aber nach einer Definition von „längerer Zeit“, dem Geltungsbereich für LIRs außerhalb der RIPE-Region und der Bedeutung, wenn RIPE NCC Ressourcen eines geschlossenen LIR übernimmt. Das sind offene Fragen zum Entwurf, keine beschlossenen Ergebnisse.
Am 31. Oktober lief die Diskussionsphase noch bis zum 17. November. Eine klare Zuordnung der gestrichenen Nichtnutzungsbedingung zu einem geltenden Verfahren würde zeigen, ob die Regel nur an einen anderen Ort wandert oder sich der politische Maßstab ändert.
Quellen: Transkript der RIPE-93-Sitzung Address Policy · Vorschlag 2026-03 · offizielle Arbeitsgruppendiskussion · RIPE NCC Audit Activity · Verfahren zur Schließung · LIR Account Agreement
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