Zusammenfassung
- UnSuggester machte ab November 2006 aus unerwartet seltenem gemeinsamen Buchbesitz eine spielerische Gegenempfehlung.
- Im Mai 2008 erklärte Tim Spalding den auffälligen Fall Gaudy Night damit, dass sich die Werkreferenz während der Listenberechnung geändert hatte.
Ein Buchportal kann die Aufmerksamkeit seiner Leser leicht gewinnen: Es rät ihnen von einem Lieblingsbuch ab. LibraryThing gelang das im Mai 2008 mit Gaudy Night von Dorothy L. Sayers. Mehrere Mitglieder fanden den Roman auf ihren UnSuggester-Listen, obwohl sie ihn besaßen. Einige betonten ausdrücklich ihre Zuneigung.
Der Computer schien literarische Ansprüche entwickelt zu haben. Tim Spaldings Erklärung führte in einen wesentlich nüchterneren Raum: die Verwaltung der Werkdatensätze.
Der Empfehlungsdienst auf Gegenkurs
Am 12. November 2006 stellte LibraryThing UnSuggester vor. Das Verfahren nahm einen Titel, suchte dessen eingetragene Besitzer und betrachtete deren übrige Bücher. Es verglich, wie oft weitere Titel tatsächlich vorkamen und wie oft sie zu erwarten gewesen wären. Auffällige Seltenheit lieferte Stoff für die Gegenempfehlungen.
Daraus wurde ein unterhaltsames Spiel mit Büchern, die selten dieselben Regalbretter bewohnten. Die Grundlage waren die Sammlungen, die Mitglieder selbst katalogisierten.
Eine frisch eingetragene Bibliothek musste allerdings nicht sofort in einer frischen Antwort ankommen. In einem Beitrag vom Dezember 2006 erläuterte Spalding, dass die aufwendigen Berechnungen eine Weile zwischengespeichert wurden. Wer Bücher eintrug und gleich anschließend testete, konnte noch das Ergebnis einer älteren Rechnung sehen.
Ein Kriminalroman verschwindet beim Zählen
Die Ankündigung vom 26. Mai 2008 erweiterte das Angebot um persönliche Listen, darunter bis zu 500 Einträge in Your Unsuggester, sowie Erklärungen zur Grundlage der Empfehlungen. Die Mitglieder konnten dem Programm nun genauer beim Urteilen zusehen.
In der offiziellen Diskussion vermutete Spalding zunächst, dass zusammengeführte Katalogeinträge während einer langen Berechnung eine alte Werkreferenz zurückgelassen hätten. Am Abend des 27. Mai beschrieb er Gaudy Night ausdrücklich so: Die Werkkennung habe sich während der Zusammenstellung geändert; die Rechnung erwarte eine Menge und finde immer null.
Auf den Regalen lag der Roman weiterhin. In der Rechnung war er verschwunden. Eine Änderung der Buchverwaltung trat vor die Leser, als sei sie eine Erkenntnis über deren Geschmack.
Ablehnen hatte einen eigenen Zweck
Die Diskussion beschäftigte sich außerdem mit der neuen Möglichkeit, eine Empfehlung abzulehnen. Spalding erklärte am 28. Mai, das wirke sich auf die eigene Liste aus. Ein Leser konnte etwa ein geliehenes Buch längst gelesen haben und die Empfehlung deshalb vom Bildschirm räumen wollen.
Fehlender Katalogeintrag, veralteter Rechenstand und persönliches Aufräumen waren unterschiedliche Vorgänge. In einer Bücherliste konnten sie ähnlich aussehen.
UnSuggester war witzig genug, um Widerspruch hervorzurufen. Dieser Widerspruch machte die Verwaltungsarbeit hinter der Pointe sichtbar. Bei Gaudy Night saß der Verdächtige diesmal im Katalog.
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