Summary

  • Leo Vegodas Vorschlag RIPE 2006-07 hob das IPv4-Assignment-Window einer neuen lokalen Internet-Registry sechs Monate nach ihrer ersten Zuteilung automatisch von null auf /21. Das Fenster begrenzt die Größe einer einzelnen Zuweisung ohne vorherige RIPE-NCC-Prüfung; es ist kein zusätzliches /21-Adresspaket.
  • In 1.100 geprüften Vorgängen zu Anfragen bis /21 brauchten 673 keine Korrespondenz und 214 nur einen Austausch. Nach einer Debatte über mögliche Fehler zulasten von Kunden wurde der Vorschlag im April 2007 angenommen; die Protokolle von RIPE 55 führen ihn im Oktober als umgesetzt.

Die Warteschlange hatte einen Preis

Eine neue lokale Internet-Registry konnte Adressen verwalten, aber bei einer einzelnen Zuweisung zunächst nicht selbst das letzte Wort sprechen. Ihr Assignment Window stand bei null. Nach der RIPE-Definition bezeichnet dieses Fenster die größte einzelne Zuweisung, die ein LIR ohne vorherige Zustimmung des RIPE NCC vornehmen darf. Null bedeutete: Der Schreibtisch des NCC blieb im Spiel, auch wenn die Anfrage winzig war. Das ist eine merkwürdige Art, jemanden zur Selbstständigkeit anzulernen.

Vegoda legte mit RIPE 2006-07 einen überprüfbaren Vorschlag vor. Sechs Monate nach der ersten Zuteilung sollte das Fenster automatisch /21 erreichen, also höchstens 2.048 IPv4-Adressen je eigenständig entschiedener Zuweisung. Die korrespondierende Obergrenze für Sub-Allokationen lag bei /20. Wer /21 für eine weitere Zuteilung von 2.048 Adressen hält, verwechselt eine Entscheidungskompetenz mit einem Bestand.

Das Argument kam nicht aus einer hübschen Metapher, sondern aus dem Posteingang. Das RIPE NCC untersuchte 1.100 Genehmigungsvorgänge für Anfragen bis /21 zwischen Juli und September 2006. Bei 673 kam es zu keinem Nachrichtenaustausch, bei 214 zu einem. Zusammen waren das rund 80 Prozent. Etwa 15 Prozent benötigten zwei oder drei Austausche, vier Prozent eine ausführliche Diskussion. Die Zahlen sprechen für eine Menge routinemäßiger Prüfarbeit; sie sagen nicht, dass die Anträge fehlerfrei waren. Ein Vorgang konnte zudem Gespräche über andere Themen enthalten.

In der Diskussion bei RIPE 53 brachte Gert Doering die weniger bequeme Seite auf den Tisch: Schulung erreicht nicht zwangsläufig die Mitarbeiter, die später entscheiden, und schlechte Adressverwaltung kann den Kunden eines jungen LIR schaden. Vegoda räumte ein, dass viele falsche Zuweisungen mühsame Korrekturen nach sich ziehen könnten. Der Vorsitz schickte die Debatte zurück auf die Mailingliste und wollte zusätzliche Zahlen zum Aufwand der Zweitprüfung. Die Warteschlange war also zugleich Bremse und Fangnetz; niemand konnte belegen, dass sie beides gleich gut erledigte.

Das Vorschlagsarchiv nennt den 18. April 2007 als Annahmedatum. Die Protokolle von RIPE 55 führen den Vorschlag im Oktober als umgesetzt. Der Unterschied für ein LIR war nüchtern und erheblich: Bei üblichen Zuweisungen lag die erste Entscheidung nach Ablauf der Frist vor Ort. Für einen Kunden konnte genau diese nüchterne Änderung bedeuten, dass eine Adresse nicht erst auf dem zweiten Schreibtisch warten musste.

Originalquellen von RIPE