Zusammenfassung

  • Die PHAC beantwortete alle 81 Materialanfragen aus den Haushaltsjahren 2024–25 und 2025–26, dokumentierte aber nicht, ob Lieferungen innerhalb der vereinbarten Frist eintrafen.
  • Zum 31. März 2026 hatten nur 4 von 20 Gerätetypen ein Bestandsziel. Für keinen der 15 Typen sozialer Hilfsgüter gab es eine Bedarfsermittlung oder Zielmenge.

Eine Notfallreserve kann jede Anfrage beantworten und trotzdem offenlassen, worauf sie vorbereitet ist. Die Public Health Agency of Canada (PHAC) reagierte in zwei Haushaltsjahren auf alle 81 Anfragen von Provinzen, Territorien und Bundesorganisationen nach Material aus dem National Emergency Strategic Stockpile. Der Jahresdurchschnitt lag bei rund fünf Millionen Artikeln. Der Bericht des Office of the Auditor General of Canada stellte jedoch fest: Die PHAC dokumentierte nicht, ob die Lieferungen die ausgehandelten Zeitvorgaben einhielten. Die Zahl der Antworten zählt bearbeitete Anfragen.

Sie sagt nicht, wie lange ein Krankenhaus auf die Lieferung wartete.

Der Vorrat soll Bedarfsspitzen überbrücken, wenn bundesstaatliche, territoriale oder föderale Bestände erschöpft oder nicht rasch verfügbar sind. Er enthält auch seltene Spezialmedikamente, die das Gesundheitssystem anderswo nur schwer beschaffen kann. Zum Bestand gehören Schutzausrüstung, Arzneimittel, medizinische Geräte und Hilfsgüter wie Feldbetten und Decken. Entscheidend ist nicht die Zahl der Kartons im Lager, sondern ob ein geeignetes Produkt funktionsfähig und rechtzeitig am richtigen Ort ist.

Die am 29. Oktober 2026 vorgelegte Prüfung zeigt Lücken schon bei der Frage, was überhaupt vorgehalten werden soll. Am 31. März hatte die PHAC für lediglich 4 von 20 Typen medizinischer Geräte einen Zielbestand festgelegt. Bei allen 15 Typen sozialer Hilfsgüter fehlten Bedarfsermittlung und Zielmenge. Für Arzneimittel gab es für alle 30 Typen Bewertungen und Ziele; 14 Bewertungen waren allerdings veraltet. Von zehn Typen persönlicher Schutzausrüstung (PPE) hatten fünf einen Zielwert.

Ein bestehender Zielwert ist nicht automatisch ein belastbarer. 2025 senkte die PHAC die Zielbestände für fünf als wesentlich eingestufte PPE-Produkte, um Kosten und Abfall zu reduzieren. Nach der COVID-19-Pandemie hatte die Behörde den Bedarf dafür nicht neu bewertet, obwohl Provinzen und Territorien Bedenken äußerten. Bei drei der fünf Zielwerte für wesentliche PPE und bei allen vier Zielwerten für Geräte lag der Bestand deutlich über der Marke. Von N95-Atemschutzmasken gab es 162,5 Millionen Stück bei einem Ziel von sechs Millionen. Bei Gesichtsschutzschilden waren es dagegen 1.200 Stück, obwohl das Ziel eine Million betrug.

Im selben Lager stehen zwei Extreme nebeneinander: 162,5 Millionen N95-Atemschutzmasken bei einem Ziel von sechs Millionen und 1.200 Gesichtsschutzschilde bei einem Ziel von einer Million. Ein Zielwert muss Szenario, Dauer, betroffene Bevölkerung, regionale Bestände und nächsten Prüftermin benennen. Erst dann zeigt die Zahl, welche Einsatzbereitschaft der Einkauf finanzieren soll.

Auch der Zustand des Bestands zählt. Am 31. März lagen etwa 84 Millionen abgelaufene Artikel im Vorrat; 97 Prozent davon waren PPE. Die Lagerung dieser abgelaufenen Schutzausrüstung kostete in den zwei vorangegangenen Jahren 6,3 Millionen kanadische Dollar. Im Haushaltsjahr 2025–26 schrieb die PHAC medizinische Produkte im Wert von 331 Millionen Dollar wegen Ablauf und Beschädigung ab. Der Bestandswert sank zwischen dem 1. April 2025 und dem 31. März 2026 von 1,27 Milliarden auf 1,07 Milliarden Dollar. Im selben Zeitraum gab die Behörde Material im Wert von 27 Millionen aus und kaufte Material für 163 Millionen.

Die Abschreibung von 331 Millionen umfasst Schäden ebenso wie abgelaufene Produkte.

Ein konkreter Verlust zeigt, wie Lagerarbeit aus einem vorhandenen Artikel einen unbrauchbaren macht. 2025 musste die PHAC Arzneimittel im Wert von mehr als 20 Millionen Dollar vernichten. Zu den Ursachen gehörten fehlende vorbeugende Wartung von Gefriergeräten, zu wenig Gefrierkapazität, unzureichende Temperaturüberwachung und nicht eingehaltene Verfahren zum Umpacken. Nach Angaben des Auditor General waren die Mängel bereits 2022 und 2023 festgestellt, aber vor dem Verlust nicht behoben worden. Ein digital erfasster Bestand schützt keine Medizin, wenn die Kühlkette nicht hält.

Die Prüfung beschreibt überwiegend den Stand bis zum 31. März 2026. Eine am 23. Oktober veröffentlichte Fortschrittsseite der PHAC berichtet über spätere Schritte: stabile Mittel, ein verbessertes Informationsportal für Bundes- und Provinzpartner und den im April genehmigten ersten Jahresplan, der alle Vorratskategorien abdeckt. Die Behörde erklärt außerdem, sie habe mit den Regierungspartnern ein Verfahren zur Priorisierung von Gefahren und zur Entwicklung von Szenarien aufgebaut. Diese Schritte schaffen Gremien und Abläufe. Sie belegen noch keine aktuellen Bestandsziele für jede Produktart.

Mehrere Fristen liegen in der Zukunft. Die PHAC will ihre Bereitschaftslage im Dezember 2026 mit den Partnern kommunizieren. Pandemie-Modellierung und nationale Ziele für medizinische Gegenmaßnahmen sind bis September 2027 vorgesehen. Außerdem beantragt die Behörde einen Order in Council mit Zieltermin Juni 2027, um Material auch außerhalb öffentlicher Gesundheitsnotlagen flexibler einsetzen zu können—etwa bei außergewöhnlichen Engpässen in Kanada oder internationalen humanitären Krisen. Die eigene Einsatzbereitschaft Kanadas soll Vorrang behalten.

Diese Befugnis legt fest, wer einen Bestand freigeben darf. Seit einem Order in Council vom November 2020 darf die PHAC Material an Provinzen und Territorien übertragen, verleasen oder verleihen, um das Management von Gesundheitsnotlagen zu unterstützen. Zum 31. März 2026 fehlte laut Auditor General die erweiterte Befugnis für Verteilungen außerhalb solcher Notlagen. Der Managementplan von 2024 hatte dafür ursprünglich Oktober desselben Jahres vorgesehen. Der Auditor General ordnet keine konkrete Abschreibung dieser Rechtslücke zu.

Eine zusätzliche Freigabemöglichkeit braucht deshalb einen Auslöser, eine geschützte Mindestmenge für nationale Notlagen, einen benannten Genehmiger und eine nachvollziehbare Buchung.

Die 81 bearbeiteten Anfragen bleiben ein beachtlicher Dienst. Sie betrafen alle vier Materialgruppen und mehrere Notlagen, darunter Arzneimittel im Zusammenhang mit Mpox und Hilfsgüter bei Waldbränden. Laut PHAC wurden bis zum 20. September 2026 außerdem 1,8 Millionen Atemschutzmasken und medizinische Masken über das Canadian Red Cross an besonders durch Waldbrandrauch und saisonale Grippe gefährdete Menschen verteilt. Das zeigt, dass die Reserve genutzt wird. Es beantwortet nicht, ob die nächste Anfrage den richtigen Artikel und eine rechtzeitige Lieferung erhält.

Die Bewertung würde sich durch aktuelle, szenariobasierte Zielmengen ändern, die mit den Vorräten der Provinzen und Territorien, Haltbarkeit und Zustand jeder Charge sowie den vereinbarten Lieferzeiten abgeglichen sind. Ohne diese Verbindung dokumentiert die Jahreszahl, was die PHAC nach einer Anfrage versandte. Sie belegt nicht, ob Kanada vorher den passenden Vorrat aufgebaut hatte.

Quellen