Zusammenfassung

  • Izumi Okutani und Terence Zhang Yinghao stellten 2011 eine Bedingung für APNICs erste IPv4-Zuteilung an ein LIR infrage: Die bereits vom Vorlieferanten genutzten Adressen mussten innerhalb eines Jahres umnummeriert werden.
  • Der erste Entwurf bot bei 80 Prozent Auslastung eine Ausnahme. Nach der Debatte bei APNIC 31 verschwand die Umnummerierungsbedingung für Zuteilungen aus dem letzten /8 ganz.

Die gefährlichsten Formulare sind manchmal die, deren alte Logik einmal stimmte. APNIC verlangte von einem LIR bei seiner ersten eigenen Zuteilung, Adressen des bisherigen Upstream-Providers innerhalb eines Jahres zu verlassen. Früher konnte die Registry Ersatz in ausreichender Größe plus den Bedarf für das nächste Jahr ausgeben. Das LIR erhielt eigenen Raum, der Provider bekam seinen Block zurück. Als nur noch das letzte IPv4-/8 zu verteilen war, blieb der Rückgabeauftrag stehen. Der Ersatz schrumpfte auf ein einzelnes /22.

Izumi Okutani und Terence Zhang Yinghao beschrieben diesen Bruch in prop-094-v001. Okutani legte bei der APNIC-31-Debatte den Größenvergleich auf den Tisch: Ein vorhandenes /21 umfasst 2.048 IPv4-Adressen, ein neues /22 nur 1.024. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Statistik über alle Anträge. Dennoch macht es die Voraussetzung sichtbar, die die alte Regel stillschweigend traf: Der neue Block werde den alten vollständig ersetzen können.

Der Entwurf der beiden Autoren wollte das Problem zunächst mit einer Alternative lösen. Wer mindestens 80 Prozent des bisher vom Provider erhaltenen Raums nutzte, sollte die Pflicht zum Umnummerieren umgehen können. Randy Bush fragte im Saal, warum diese Pflicht überhaupt bestehen bleiben müsse. Mark Newton fragte nach der Zahl der LIRs, deren bisheriger Raum größer sei als der mögliche neue Block. Okutani sagte, eine solche Fallanalyse habe sie nicht gemacht. Die Debatte lieferte also eine genaue Diagnose, aber keine belastbare Betroffenenzahl.

Der Vorsitz bat um eine neue Fassung bis zum nächsten Morgen. Okutani brachte prop-094-v002 zurück: Für die erste Zuteilung aus dem letzten /8 sollte die Ein-Jahres-Pflicht entfallen. Die 80-Prozent-Prüfung stand nicht mehr im Text. Am 24. Februar 2011 stellte das Policy SIG Konsens fest; die Mitgliederversammlung bestätigte ihn. Laut APNICs Vorgang folgten die Zustimmung des Executive Council am 6. Mai und die Umsetzung am 9. Mai.

Das Wort „neu“ meinte hier die direkte Beziehung zur Registry. Ein solches LIR konnte schon lange Netze betreiben und Kunden bedienen. Wäre es gezwungen gewesen, seinen größeren bisherigen Block abzugeben, hätte die erste eigene Zuteilung womöglich den laufenden Betrieb gefährdet. Um zu zählen, wie oft die Änderung diesen Konflikt tatsächlich verhinderte, bräuchte man einzelne Antrags- und Umnummerierungsakten.