Zusammenfassung

  • Ein Gastbeitrag bei Internet Society Pulse vom 22. September nennt für den August-Crawl von IPv6Matrix 54,27 % Dual-Stack-Hosts. Sein Latenzvergleich stammt dagegen aus der Messung vom Mai.
  • In der inzwischen öffentlich verfügbaren August-Zeile der API liegen die mittleren Pings bei rund 343,1 ms für IPv4 und 93,1 ms für IPv6. Bei 324.957 von 2.504.699 paarweise gemessenen Hosts war IPv6 tatsächlich niedriger: 12,97 %.
  • Ein arithmetischer Mittelwert ist weder die Mehrheitsmeinung der Host-Paare noch ein Versprechen für jeden Anschluss. Auch die Erreichbarkeitsquoten haben andere Nenner.

Wer aus dem Datensatz nur „93 Millisekunden“ übernimmt, formuliert unversehens mehr, als die Messung hergibt. IPv6Matrix veröffentlicht für den 3. August die Summe der Antwortzeiten beider Protokolle und die Zahl erfolgreich angepingter Dual-Stack-Hosts. Division ergibt einen IPv6-Mittelwert von ungefähr 93,1 ms und einen IPv4-Mittelwert von ungefähr 343,1 ms. Dieselbe API nennt aber auch faster: Laut Projektdokumentation zählt dieses Feld Hosts, bei denen die IPv6-Antwort kürzer als die IPv4-Antwort war. Es sind 324.957 von 2.504.699, also 12,97 %.

Der Unterschied ist mathematisch möglich, ohne dass eine der Angaben falsch sein muss. Sehr lange IPv4-Antworten in einem Teil der Stichprobe treiben dessen Summe nach oben, während die Anzahl der einzelnen Vergleiche zugunsten von IPv6 gering bleibt. Die veröffentlichte Zusammenfassung enthält weder den Median noch die Verteilung der Differenzen pro Host; auch Gleichstände lassen sich daraus nicht im Einzelnen klassifizieren. Deshalb sind die übrigen 87,03 % nicht automatisch nachgewiesene IPv4-Siege. Haltbar sind zwei getrennte Sätze: Im August war der gemessene IPv6-Mittelwert niedriger; nur bei dem als faster ausgewiesenen Anteil lag IPv6 im jeweiligen Paar vorn.

Hinzu kommt eine zeitliche Nahtstelle. Olivier Crépin-Leblond schreibt im September als Gastautor bei Internet Society Pulse über 2.897.950 Dual-Stack-Hosts unter 5.340.321 im August, gerundet 54,27 %. Für die Leistungswerte übernimmt er jedoch den Stand vom Mai: 333,0 ms für IPv4 und 93,8 ms für IPv6. Der ausführliche Bericht der britischen Internet-Society-Sektion legt seine Stände offen: Hostzahlen aus August, Ping und Erreichbarkeit aus Mai, Domain-Dienste aus März. Schon die Mai-Tabelle wies nur 308.646 von 2.529.441 Host-Paaren, 12,20 %, als IPv6-schneller aus und beschrieb den Einfluss langer Ausreißer auf den Mittelwert.

Mittlerweile liefert die offizielle API auch für Ping und Erreichbarkeit Zeilen mit Datum 3. August. Wann sie freigeschaltet wurden, geht aus der untersuchten Antwort nicht hervor. Daraus lässt sich kein Vorwurf ableiten, der Bericht habe bei seiner Veröffentlichung verfügbare Daten verschwiegen. Wohl aber müssen heutige Leser zwischen dem eingefrorenen Berichtsstand und einer inzwischen weitergeführten Datenreihe unterscheiden. Ein Aktualisierungsdatum des Artikels ersetzt nicht das Datum jedes verwendeten Messwerts.

Auch „Erreichbarkeit“ bezeichnet keine zweite Abstimmung derselben Paare. Die August-Reihe zählt 3.855.760 Antworten bei 4.338.714 IPv4-Dienst-Hosts, 88,87 %, und 1.547.097 bei 1.618.920 IPv6-Dienst-Hosts, 95,56 %. Das sind protokollspezifische Grundgesamtheiten. IPv6Matrix beginnt bei DNS-Einträgen der Majestic-Million-Domains und erfasst zugehörige Web-, Mail-, Zeit- und Nameserver-Hosts. Es handelt sich weder um ein nach Nutzerverkehr gewichtetes Bild noch um den Nachweis, wie eine bestimmte Anwendung beim Kunden abschneidet.

Eine Zahl, die in Vergabeunterlagen, Netzrichtlinien oder Produktversprechen wandert, braucht daher einen Belegzettel: Crawl-Datum, beobachtete Einheit, Nenner, Felddefinition, beide Mittelwerte und Anteil der günstigen Host-Paare sowie die Angabe, ob ein fester Bericht oder die laufende API zitiert wird. Das ist eine redaktionelle Forderung von Daniel Kade, keine von Internet Society oder IPv6Matrix beschlossene Regel. Dual-Stack wächst in dieser Reihe; daraus folgt keine allgemeingültige Geschwindigkeitsgarantie.

Quellen