Zusammenfassung
- ICRC eröffnete am 19. Mai 1999 eine Website für den Kontakt zwischen Familienangehörigen und stellte in betroffenen Büros Computer samt Unterstützung bereit.
- Der Leitfaden von 2001 wies dem Büro im Zielland die Prüfung, den Ausdruck und die Verteilung elektronischer Familiennachrichten zu. Für aktive Nachforschungen war ein gesonderter Suchantrag nötig.
Der Empfänger brauchte keinen Eintrag auf der Website. Wer über das Family News Network eine Familiennachricht verschicken wollte, konnte sie auch an jemanden außerhalb der veröffentlichten Listen richten. Ein Büro übernahm den weiteren Weg. Für einen Internetdienst war das eine kluge Eigenschaft: Er erreichte mit seiner Arbeitsorganisation über die eigenen Nutzer hinaus.
Die Eröffnung ist in einem gemeinsamen Bericht vom 19. Mai 1999 dokumentiert. ICRC kündigte darin für denselben Tag eine besondere Website an, die während der Balkankrise getrennten Familien wieder Kontakt ermöglichen sollte. Jeder Rechner mit Internetzugang konnte sie aufrufen. In den ICRC-Büros in Albanien, Mazedonien, der Bundesrepublik Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina waren Computer mit Modems aufgestellt worden. Nationale Gesellschaften in den Aufnahmeländern von Flüchtlingen boten den Dienst ebenfalls an. Geschulte Mitarbeiter sollten bei der Bedienung helfen.
Damit hatte die weltweite Adresse örtliche Anlaufstellen. Menschen konnten Informationen hinterlassen, ohne einen eigenen Computer zu besitzen. Ein Angehöriger konnte später und in einem anderen Land danach suchen. Bei einer verstreuten Familie war schon ein gemeinsamer Ort für solche Angaben ein nützliches Stück Organisation.
Die Vorgeschichte begann mit Listen. ICRC-Mitarbeiter Olivier Dubois, Katharine Marshall und Siobhan Sparkes McNamara datierten die Veröffentlichung von Vermisstennamen im Netz in einem 2013 erschienenen Rückblick auf 1996. 1999 kam die Selbstregistrierung hinzu: Nutzer konnten einen gesuchten Angehörigen eintragen oder melden, dass sie selbst in Sicherheit waren.
Der Leitfaden vom Mai 2001 beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten genauer. Namen nachschlagen, den aktuellen Aufenthaltsort angeben, die eigene Adresse hinterlassen, damit die gesuchte Person ihrerseits Kontakt aufnehmen konnte. Beide Seiten durften suchen. Beide konnten auch eine Spur für die jeweils andere legen.
Bei elektronischen Familiennachrichten führte der Weg weiter. Das Büro oder die nationale Gesellschaft im Zielland sollte prüfen, ob der Inhalt ausschließlich Familienangelegenheiten betraf und keine politischen, militärischen oder diskriminierenden Angaben enthielt. Durch die direkte Eingabe im Web hatte das Büro im Herkunftsland keine Gelegenheit zur vorherigen Prüfung. Diese Aufgabe fiel deshalb der empfangenden Stelle zu. Anschließend sollte sie die Nachricht ausdrucken und verteilen. Das papierlose Büro musste sich hinten anstellen.
Zur Vorbereitung verlangte der Leitfaden Geräte, eine eigene E-Mail-Adresse für den Suchdienst, Schulung des Personals und öffentliche Hinweise auf das Angebot. Der Dienst brauchte einen betreuten Posteingang. Die veröffentlichten Registrierungsdaten konnten auf der Website eingesehen werden; die übermittelten Familiennachrichten selbst waren dort nicht lesbar.
Eine ICRC-Broschüre vom Januar 2003 schildert denselben Weg: vom Website-Nutzer zum Büro, dort Kontrolle und schließlich Zustellung. Sie nennt auch Hindernisse bei der Erreichbarkeit der Menschen: Logistik, Sicherheitsrisiken, behördliche Einschränkungen und die ständige Flucht vor neuen Gefahren. Eine E-Mail konnte ein unverändertes Büro erreichen, während der gesuchte Mensch erneut unterwegs war.
Schon die Ankündigung von 1999 hielt deshalb herkömmliche Familiennachrichten und Radiodurchsagen für Personen bereit, die den elektronischen Dienst nicht nutzen konnten. Für aktive Nachforschungen durch Mitarbeiter war zudem ein eigener Suchantrag erforderlich. Die Selbstregistrierung gab Angehörigen einen Ort, an dem sie selbst Informationen finden konnten.
Das Angebot verband Menschen mit unterschiedlichen Möglichkeiten. Der eine konnte einen Browser benutzen, der andere eine gedruckte Nachricht erhalten. Dazwischen lagen zuständige Büros, Mitarbeiter und Wege, die jemand tatsächlich zurücklegen musste. Die Internetverbindung war ein Teil dieser Strecke. Der Drucker hatte ebenfalls einen ziemlich guten Grund, dort zu stehen.
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