Zusammenfassung

  • Das Internet Architecture Board (IAB) hat den ICANN-Vorstand am 15. Oktober aufgefordert, sechs Schutzregeln vor der Gründung des vorgeschlagenen Root Server System (RSS) Governance Council zu klären.
  • Das Modell vom Februar reserviert 12 der 24 stimmberechtigten Sitze für die Root Server Operators. Das IAB fordert breitere Gruppen, gleich gewichtete Gruppenstimmen und unabhängige Prüfung vor Beginn der ersten Phase; beschlossen ist davon noch nichts.

Die neue Liaison-Stellungnahme des IAB ergänzt einen Entwurf, der bereits öffentlich kommentiert wurde. Der Datensatz im IETF Datatracker hält fest, dass das IAB seine Stellungnahme am 15. Oktober „zur Information“ an den ICANN-Vorstand sandte. Das ist kein Beschluss des Vorstands und kein Bericht über einen Ausfall der Root-Server. Das IAB warnt, die geplante Struktur könne den Root Server Operators (RSOs) dauerhafte Finanzierung und faktisch gesicherte Betriebsfortführung ermöglichen, ohne sie wirksam zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist die Einschätzung des IAB; das Schreiben belegt weder Fehlverhalten noch eine Vereinnahmung.

Das IAB nennt sechs Änderungen vor der Gründung des Rats. Es verlangt erstens formelle Sitze für weitere Gruppen, darunter ALAC, IETF/IAB, GAC, die GNSO-Gruppen, regionale Internet-Registries, Zivilgesellschaft und Endnutzer. Zweitens sollen die RSO-, TLD- und „anderen“ Gruppen gleiches Stimmgewicht erhalten. Drittens soll eine Organisation nicht in mehreren Gruppen abstimmen können.

Hinzu kommen ein unabhängiges, externes Berufungsverfahren zu Ernennung, Abberufung und Leistungsaussetzung von Betreibern; ein Kontrollmechanismus für den Rat nach dem Vorbild der Empowered Community gegenüber dem ICANN-Vorstand; sowie vor der Gründung ein konkreter, verbindlicher und diversifizierter Finanzierungsplan gegen den Einfluss einzelner Geldgeber.

Das Funktionsmodell sieht zunächst eine andere Aufteilung vor. Der Rat hätte 24 Stimmen: zwölf von den einzelnen RSOs ernannte Vertreter, sechs aus den gTLD- und sechs aus den ccTLD-Registries. Drei Verbindungen von IETF, IANA und Root Zone Maintainer dürften ohne Stimmrecht teilnehmen. Das Modell nennt als Ziel ein Gleichgewicht zwischen zwölf RSO-Stimmen und zwölf Stimmen der Nicht-RSO-Teilnehmergruppen. In dieser Vorlage halten die Betreiber damit die Hälfte der Stimmen; daraus allein folgt keine Vereinnahmung.

Das IAB möchte eine dritte, breitere Gruppe mit demselben Gewicht wie die Betreiber- und TLD-Gruppen hinzufügen. Nach dem aktuellen Modell muss eine Community eine direkte operative Abhängigkeit vom RSS und genügend Organisation nachweisen, um Vertreter auszuwählen, bevor sie Teilnehmerstatus erhält. Andere Interessierte können öffentlich Stellung nehmen und später eine Anerkennung beantragen, wenn sie die Kriterien erfüllen. Das IETF ist bereits als nicht stimmberechtigte Liaison vorgesehen. Das IAB-Schreiben legt nicht fest, wer zusätzliche Gruppen ernennt, wie viele Sitze jede erhält oder wie die Kategorie „andere“ eingegrenzt würde.

Eine Gruppe zu beteiligen und ihr Stimmrecht zu geben, sind zwei getrennte Entscheidungen.

Der Streit betrifft auch den Zeitplan. Das Modell ist gestaffelt. In der Initiation würden Rat und Sekretariat aufgebaut; die Befugnisse blieben auf Organisation, Transparenz und Vorbereitung beschränkt. Spätere Phasen würden Regeln, Berufungen und Rechenschaftsmechanismen ausarbeiten. In der Reaktion auf öffentliche Kommentare verschiebt das Modell Abstimmungs- und Quorumsregeln in Initiation und Establishment; unabhängige Überprüfung und Finanzierungsgrenzen sind für Establishment vorgesehen. Das IAB will einige dieser Bedingungen bereits vor der Gründung verbindlich machen.

Es befürchtet, dass Korrekturen schwieriger werden, sobald die Struktur besteht.

Die RSSAC058-Kriterien verlangen, dass die Funktionsbeschreibung angemessene Entscheidungsmechanismen benennt, darunter Beteiligung und Abstimmungsschwellen. Kriterium C1 schreibt keine Stimmanteile für einzelne Gruppen vor. Das IAB beruft sich darauf, um die 50-prozentige RSO-Beteiligung zu kritisieren; die Gleichgewichtung dreier Gruppen ist seine Auslegung und sein Vorschlag, keine Vorgabe von RSSAC058.

In der Vorschau vom 13. Oktober sagte ICANN-Vorstandsvorsitzende Tripti Sinha, der Vorstand werde das Modell weiter beraten und die Mitarbeitenden würden Umsetzung, Zeitplan und mögliche Schutzregeln vorstellen. Der Sitzungskalender führte die reguläre Sitzung am 18. Oktober zum Zeitpunkt der Prüfung noch als bevorstehend. In den geprüften öffentlichen Unterlagen fand sich weder ein Beschluss zur Annahme des Modells noch eine öffentliche Antwort auf das IAB-Schreiben. Das Konsultationsverfahren dokumentiert die frühere Runde; es macht die neue Liaison-Stellungnahme nicht zu einem Konsens.

Quellen