Zusammenfassung

  • Ein Glasfaseranschluss vor dem Haus sagt wenig darüber aus, ob ein Wettbewerber wirtschaftlich bis dorthin bauen kann. In Hull entscheidet der Zugang zu KCOMs Rohren und Masten auch daran, was bei einem beschädigten oder vollen Abschnitt geschieht.
  • Ofcom schlug im Dezember 2025 vor, KCOM in bestimmten Fällen zur Anpassung der Infrastruktur zu verpflichten und Kosten bis zu 2.725 Pfund je Kilometer Hauptrohr auf alle Infrastruktur-Nutzer umzulegen. Das ist ein Vorschlag, keine geltende Preisregel.
  • KCOM und alternative Netzbetreiber legten unterschiedliche Einschätzungen zu Prognosen, Reparaturen und Kostenteilung vor. Diese Beiträge liefern Betriebserfahrung und Eigeninteressen; die verbindliche Entscheidung liegt bei Ofcom und war am 10. Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht.

Der entscheidende Aufwand eines Netzes ist auf keiner Abdeckungskarte zu sehen. Ein geplanter Weg kann an einer blockierten Leitung, einem beschädigten Mast oder fehlender Kapazität enden. Dann muss der Wettbewerber entscheiden: Reparatur abwarten, selbst bauen, eine Umgehung planen oder das Gebiet aufgeben. Je später er die Kosten kennt, desto weniger taugt ein Zugangsrecht als Grundlage für eine Investitionsrechnung.

Die nächste Regulierungsrunde für Hull dreht sich daher nicht allein um den bereits erfolgten Glasfaserausbau. KCOM schloss den FTTP-Rollout 2019 ab. Das Unternehmen verfügt weiterhin über wichtige physische Infrastruktur, betreibt ein eigenes Netz und verkauft direkt an Privat- und Geschäftskunden. Ein Wettbewerber kann durch die Nutzung vorhandener Rohre und Masten Baukosten sparen. Der Vorteil entsteht aber nur, wenn er den Weg vorher untersuchen, notwendige Arbeiten planen und die Kostenspanne nachvollziehen kann.

Mehr Netze bedeuten noch keine freie Zufahrt

Seit 2021 sind alternative Anbieter in Hull gewachsen. MS3 bietet ein regionales Wholesale-Netz; CityFibre übernahm die Glasfaseranlagen von Connexin. Ofcom schätzte, dass im Januar 2025 rund 70 bis 79 Prozent der Standorte sowohl von KCOM als auch mindestens einem weiteren Netz erreicht wurden. In anderen von Ofcom ausgewerteten Anschlussdaten entfielen weiter etwa 71 bis 80 Prozent der Festnetz-Breitbandverbindungen auf KCOM. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Zeitpunkten und Messgrößen. Eine zweite Leitung vor Ort beweist weder einen tatsächlichen Anbieterwechsel noch eine wirtschaftliche Trasse für jeden Wettbewerber. [1]

Festnetzkommunikation besteht aus mehreren Ebenen: Rohre und Masten tragen Kabel; Netzbetreiber verkaufen Vorleistungen; Internetanbieter bündeln Anschluss, Preis und Kundenservice. Ein Anbieter kann im Endkundengeschäft konkurrieren und zugleich von der Infrastruktur eines anderen abhängen. Physical Infrastructure Access (PIA) soll einem Wettbewerber erlauben, eigene Leitungen in den Rohren, Schächten und an den Masten des etablierten Betreibers zu installieren und zu warten. Das spart Tiefbau, sofern Platz vorhanden ist und der Zugang planbar bleibt.

Ofcom berichtete, dass alternative Anbieter bis vor kurzem keinen Zugang zu KCOMs physischer Infrastruktur hatten und ihre Netze überwiegend selbst bauten. PIA könnte im Zeitraum 2026 bis 2031 wichtiger werden, hängt aber von der Verfügbarkeit ab. In Ofcoms Unterlagen gab es zum 28. November 2025 noch keine tatsächliche Nutzung des KCOM-Angebots; KCOM bearbeitete eine Onboarding-Anfrage eines alternativen Anbieters. Das ist kein aktueller Nutzungsstand für Oktober 2026. Es zeigt jedoch die Lücke zwischen einem veröffentlichten Angebot und einem Produkt, das Bauvorhaben tatsächlich trägt. [2]

Der Zugang zählt erst, wenn ein Abschnitt nicht nutzbar ist

Ofcom schlug im Dezember 2025 eine besondere PIA-Pflicht für KCOM in den Märkten für lokalen Netzzugang und Mietleitungen vor. Sie sollte Rohre, Schächte und Masten im gesamten Hull-Gebiet umfassen, ohne Beschränkung auf bestimmte Regionen oder Nutzungszwecke. Das Konzept behandelte auch defekte und ausgelastete Abschnitte: Wenn Wettbewerber die bestehende Infrastruktur dort nicht nutzen können, sollte KCOM in bestimmten Fällen Anpassungen vornehmen müssen. [3]

Das ist mehr als eine technische Nebenfrage. Ein Anbieter kalkuliert, bevor er die ganze Strecke öffnen kann. Muss er zuerst den vollständigen Bauplan einreichen, kann eine spätere Untersuchung den Entwurf entwerten. Fehlen klare Antwort- und Reparaturfristen, hängt der Bauzeitenplan vom Verfahren des Infrastrukturinhabers ab. Muss der Antragsteller jede unerwartete Arbeit selbst bezahlen, kann die Unsicherheit den erwarteten Kapitalbedarf so stark erhöhen, dass er die Strecke gar nicht erst prüft.

Ofcoms Vorschlag zur Kostenteilung setzt bei dieser Unsicherheit an. Nach Ofcoms Darstellung sah KCOMs bisheriges Angebot einen Schwellenwert von 700 Pfund je Kilometer Hauptrohr und eine hälftige Aufteilung der Kosten bis zu diesem Betrag vor. Ofcom schlug vor, dass KCOM Anpassungskosten bis zu 2.725 Pfund je Kilometer vollständig trägt und sie auf alle Nutzer der Infrastruktur umlegt. Mehrkosten oberhalb der Grenze sollte der antragstellende Betreiber tragen. Der Betrag lag in der Mitte zwischen KCOMs 700 Pfund und dem in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs geltenden Openreach-Schwellenwert von 4.750 Pfund.

Ofcom räumte ein, dass die Daten zur Häufigkeit und zu den Kosten der Anpassungen in Hull begrenzt waren, und bat um weitere Belege. [3]

Eine gemeinsame Umlage senkt das Risiko des Antragstellers vor der Untersuchung, verteilt die Kosten aber über weitere Nutzer. Eine direkte Rechnung hält die Ausgabe näher an dem Vorhaben, das sie auslöst, kann jedoch einen Bau verhindern, bevor die Strecke vermessen ist. Die vorgeschlagene Grenze sollte typische Arbeiten von besonders teuren Einzelfällen trennen. Anschlüsse bis zum einzelnen Haus und bestimmte Mastarbeiten sollten anders behandelt werden. Welche Regel tatsächlich gilt, entscheidet erst die endgültige Erklärung.

Interessen offenlegen, Entscheidung zuordnen

CityFibre kritisierte KCOMs 2025 veröffentlichtes Angebot. Das Unternehmen hielt Vorabgenehmigungen, Einschränkungen bei Untersuchungen und Notfallarbeiten, unklare Fristen, Prognosepflichten und die Kostenteilung für Hindernisse bei einer Nutzung in großem Maßstab. Zudem stellte es den Schutz vertraulicher Ausbaupläne infrage. Das sind Einwände eines Wettbewerbers, der sein eigenes Netz ausbauen will; sie dürfen nicht als Feststellung von Ofcom ausgegeben werden. [4]

KCOM setzte andere Schwerpunkte. Das Unternehmen sagte, die Versuche hätten geholfen, ein geeignetes lokales Produkt zu entwickeln. Manuelle, vereinfachte Abläufe seien für einen kleinen Markt angemessen; Prognosen erleichterten die Personal- und Investitionsplanung; eine hälftige Kostenteilung gebe Antragstellern einen Anreiz, effiziente Wege auszuwählen. Das sind KCOMs eigene Argumente als Betreiber der Anlagen, keine unabhängige Bewertung der Folgen für Wettbewerber und Kunden. [5]

Beide Seiten können Hinweise liefern, die Ofcom selbst nicht aus der Ferne gewinnen kann. KCOM kennt den Betrieb seiner Anlagen; Netzneulinge kennen die Auswirkungen von Wartezeit und Kosten auf ihre Investitionsentscheidung. Daraus folgt aber kein Mandat, im Namen aller Einwohner, Kunden oder nicht vertretenen Anbieter zu sprechen. Eine Konsultation eröffnet einen Kanal für Erfahrung, Widerspruch und Belege. Die Entscheidungsbefugnis geht damit nicht auf die aktivsten Teilnehmer über. Ofcom muss den Interessenkonflikt abwägen und die bindende Regel begründen.

Die Umsetzung lässt sich an Aufträgen messen

Am 10. Oktober 2026 stand auf Ofcoms Konsultationsseite weiterhin „Pending Statement“. Der Arbeitsplan der Behörde sah eine Veröffentlichung im Oktober vor; die neue Regelung soll am 1. November 2026 beginnen. Deshalb bleiben 2.725 Pfund ein Vorschlagswert aus dem Dezember 2025 und sind kein geltender Preis. [6]

Nach der Entscheidung zählt die vollständige Prozesskette: Darf ein Anbieter die Trasse vor der endgültigen Investitionsentscheidung untersuchen? Erhält er Informationen über freie Kapazität? Sind Reaktions- und Reparaturfristen verbindlich? Kann er sichere Arbeiten selbst übernehmen, wenn das effizienter ist? Gelten für Dritte ähnliche Abläufe wie für KCOMs eigene Bauvorhaben? Sind vertrauliche Pläne vor der Weitergabe an das konkurrierende Endkundengeschäft geschützt?

Die spätere Bilanz sollte angenommene PIA-Aufträge, die Zeit von der Prüfung bis zur Bereitstellung, den Anteil anpassungsbedürftiger Strecken, Kosten je Route, die Aufteilung zwischen KCOM- und Eigenleistung sowie tatsächlich aktive Retail-Anbieter enthalten. Ofcom hatte bereits eine größere Abdeckung durch alternative Netze festgestellt. Nun muss sich zeigen, ob die Zugangsregel nutzbare Trassen und zusätzliche Wahlmöglichkeiten hervorbringt.

Quellen

[1] Ofcom, Volume 2: Market Analysis · Ofcom-Konsultationsseite

[2] Ofcom, Volume 2: Market Analysis

[3] Ofcom, Volume 3: Remedies

[4] CityFibre, “Critique of the KCOM PIA Offer”

[5] KCOM, Stellungnahme zur Konsultation

[6] Ofcom-Konsultationsseite · Ofcom, Plan of Work 2026/27