Summary

  • Googles Suchanleitung von 2001 empfahl den „cached“-Link als Momentaufnahme einer Seite, die auch bei unerreichbarem Original abrufbar war. Neben dem Treffer erhielt der Leser damit einen zweiten, von Google betriebenen Zugang.
  • Die Anleitungen von 2007 und 2010 trennten Originalseite, Treffer, Auszug und gespeicherte Kopie. 2024 entfernte Google den öffentlichen Link zur Kopie und stellte den Suchoperator cache: ein; der ursprüngliche Treffer konnte weiter bestehen.

Ein Link führt ins Leere, weil die Website gerade nicht erreichbar ist. Googles Suchanleitung von 2001 hatte für diesen Fall einen praktischen Tipp: Unter dem Treffer ließ sich über „cached“ eine gespeicherte Fassung der Seite öffnen. Suchbegriffe waren darin markiert. Was nach einer kleinen Komfortfunktion aussah, verschob eine wichtige Aufgabe. Nicht der Herausgeber, sondern die Suchfirma stellte im Notfall den lesbaren Text bereit.

Zu einer URL gehörten nun drei Zustände. Auf dem Server des Herausgebers lag die aktuelle Seite. Googles Index zeigte Titel und Auszug. Der Cache-Link führte zu einer früheren Aufnahme. Diese Zustände bewegten sich nicht gleichzeitig. Bei einem Ausfall half die Kopie. Nach einer Korrektur konnte dieselbe Kopie den gestrichenen Satz weiter anzeigen. Ein Leser konnte bei identischer Adresse etwas anderes lesen als das, was der Herausgeber inzwischen bereitstellte.

Googles Entfernungsanleitung von 2007 behandelte die Kopie als eigenen Gegenstand. Ein Seitenbetreiber konnte noarchive im HTML setzen und die beschleunigte Entfernung der Cache-Fassung beantragen. War die Seite bereits geändert, konnte er die alte Fassung entfernen lassen, nachdem Google den Unterschied zur aktuellen Seite geprüft hatte. Eine neue Cache-Kopie durfte nach sechs Monaten oder dem nächsten Abruf wieder erscheinen. Die Kopie zu entfernen hieß nicht, den Treffer samt URL aus dem Index zu streichen.

Die praktische Machtverteilung lag in der Reihenfolge der Schritte. Der Betreiber änderte seine Seite und gab dem Crawler eine Anweisung. Google prüfte und änderte seine eigene Anzeige. Erst danach sah der Leser die neue Lage. Die Kontrolle über den Originaltext war keine Sofortsteuerung für die bereits veröffentlichte Aufnahme auf einem anderen Server.

In einer Erklärung von 2010 zu veralteten sensiblen Angaben beschrieb Google den Zwischenzustand noch genauer. Alter Auszug und alte Cache-Seite konnten bis zum erneuten Crawlen sichtbar bleiben. Verifizierte Betreiber konnten eine schnellere Entfernung beantragen; Titel und URL konnten trotzdem im Ergebnis stehen. Google nannte in demselben Text den Vorteil der Kopie bei Ausfall des Originalservers. Die Rettung für den Leser und der unerwünschte Rest für den Herausgeber waren ein und dieselbe Datei.

2024 änderte Google die Suche auf der Leserseite. In den Fragen und Antworten vom April sagte ein Vertreter, der Link zur Cache-Fassung werde aus den Ergebnissen entfernt; Indexeintrag und Auszug könnten bleiben. Das offizielle Änderungsprotokoll datiert zwei weitere Schritte: Am 24. September funktionierte der Operator cache: nicht mehr. Am 2. Oktober wanderte noarchive in die historische Dokumentation, weil der Cache-Link in den Suchergebnissen nicht mehr verfügbar war.

Das Protokoll beschreibt die öffentliche Oberfläche und zählt keine internen Kopien bei Google. Für den Leser einer ausgefallenen Website ist das Ergebnis eindeutig: Der 2001 empfohlene Weg aus dem Suchtreffer heraus war weg. Google wies darauf hin, dass andere Dienste noarchive weiterhin beachten könnten. Ein Betreiber musste die Markierung also nicht allein wegen der Änderung in Googles Suche entfernen.

Die URL konnte noch im Ergebnis stehen. Nur Googles zweite Tür öffnete sich nicht mehr. Die Website gehörte dem Herausgeber; der Ersatzschlüssel war stets Eigentum der Suchfirma.

Originalquellen