Zusammenfassung

  • Von 22 Regulierungsbehörden, die BEREC zu vorgeschriebenen Zugangsprodukten befragte, berichteten neun über deren tatsächliche Nutzung; fünf nannten eigene Verfahren zur Wirkungskontrolle.
  • Die lückenhafte Datenlage beweist kein europaweites Versagen. Sie macht deutlich, dass Bauleistung, Vorleistungszugang und tatsächlich verkaufte Anschlüsse getrennt erfasst werden müssen.

Wer öffentliche Mittel für Glasfaser in einem wirtschaftlich unattraktiven Gebiet erhält, kann zunächst den Bau nachweisen. Schwieriger ist die nächste Frage: Kann ein alternativer Anbieter die Übergabestelle erreichen, einen Vorleistungsdienst einkaufen und daraus ein Endkundenangebot machen? Die Zahl der erreichten Adressen beantwortet das nicht.

Genau dort setzt der Entwurf BoR (26) 139 des Body of European Regulators for Electronic Communications (BEREC) an. Das Gremium hat ihn nach seiner Sitzung am 1. und 2. Oktober zur Konsultation gestellt; Stellungnahmen sind bis zum 13. November möglich. Der europäische Rahmen verlangt für staatlich geförderte Breitbandnetze einen fairen und diskriminierungsfreien Vorleistungszugang. Eine veröffentlichte Referenzofferte belegt jedoch nur die formale Verfügbarkeit, nicht den Kauf durch einen Wettbewerber.

Sichtbar ist nur ein Teil des Marktes

22 nationale Regulierungsbehörden beschrieben, welche Vorleistungsprodukte Förderempfänger anbieten müssen. Neun lieferten auch Informationen zur tatsächlichen Nutzung. Fünf berichteten von eigenen Mechanismen, mit denen sie die Wirksamkeit der Beihilfe verfolgen. BEREC warnt, dass fehlende Daten nicht gleichbedeutend mit fehlender Nutzung sind: Informationen können bei Ministerien oder Förderstellen liegen, und der Regulierer kann für einen Dienst Daten besitzen, für andere jedoch nicht.

Auch bei den vorhandenen Zahlen hängt das Ergebnis vom Produkt ab. Von acht Behörden mit Bitstream-Daten meldeten vier geringe und vier erhebliche Nutzung. Leerrohr- und Mastzugang wurden in den meisten berichtenden Ländern gar nicht oder wenig genutzt; Frankreich meldete eine erhebliche Nutzung. Die Angaben sind länder- und produktspezifisch und dürfen nicht als EU-weite Misserfolgsquote gelesen werden. Für neu gebaute Netze kann es außerdem eine Anlaufzeit geben, bevor Vorleistungskunden hinzukommen.

Polens POPC-Programm macht den Unterschied zwischen Reichweite und Anschluss sichtbar. Nach BERECs Wiedergabe der polnischen Berichte hatten 2025 52,5 Prozent der von der Beihilfe erfassten Adressen keinen Endkundendienst. 32,5 Prozent wurden über kofinanzierte Infrastruktur versorgt, weitere 15 Prozent über andere Netze. Ein Haushalt kann also versorgt sein, ohne die geförderte Leitung zu nutzen; ein erfasstes Objekt kann zugleich noch ohne Dienst bleiben.

Nutzung hängt auch von der Übergabestelle ab

Ein Produkt kann im Vertrag stehen und wirtschaftlich unerreichbar bleiben. Die Größe der Fördergebiete, die Zahl der Begünstigten, die Netzarchitektur, der Preis und die Kosten bis zur Übergabestelle bestimmen, ob ein alternativer Anbieter seine Investitionen rechtfertigen kann. Sehr kleine Gebiete können Nachfrage aufteilen und die Zuführung verteuern. Eine Preisvorgabe löst dieses Geografieproblem nicht automatisch.

BERECs Vergleichstabelle hat zudem unterschiedliche Bezugsgrößen: Wohnungen, Haushalte, Bevölkerung, Adresspunkte und Anschlüsse. Ohne Einheit und Zeitraum lässt sich eine Anschlussquote nicht sinnvoll vergleichen.

Ein Gegenbeispiel verhindert vorschnelle Schlüsse. Die spanische CNMC schätzte für 2020 eine um etwa zehn Prozentpunkte höhere Glasfaserpenetration in geförderten Gemeinden als im Vergleichsszenario. Der Marktanteil des größten Betreibers lag insgesamt sieben Punkte niedriger. Die CNMC sagt ausdrücklich, dass ihre Methode nur einen durchschnittlichen Vergleichseffekt ermittelt und nicht die marginale Wirkung einzelner Förderbeträge. Das Ergebnis ist ein begrenzter Hinweis auf mögliche Wirkung, kein Beleg für jeden Förderfall.

BEREC verlangt nicht, jeder geförderten Leitung dieselbe Produktpalette aufzuerlegen. Die Produkte sollten zur Topologie und zum möglichen Bedarf passen. Die eigentliche Leerstelle ist die spätere Bilanz: Wer hat gekauft, wie viele Anschlüsse wurden aktiv und über welche Infrastruktur kam der Dienst?

Quellen