Zusammenfassung

  • Eine E-Mail vom 15. November 1996 beschrieb zwei FidoNet-Netze, einen öffentlichen X.25-Datendienst, kommerziellen Online-Zugang und eine Satellitenverbindung, für die noch Mittel gesucht wurden.
  • Spätere Quellen setzen unterschiedliche Schwellen an: Ein GAMTEL-Bericht datiert den Online-Dienst auf 1994/95; eine gemeinsame ISP-Präsentation von 2003 und ein staatlicher Untersuchungsbericht nennen 1998 für das schnelle nationale Internet oder seinen Gateway.
  • Die Unterlagen zeigen überlappende Entwicklungsstufen, kein unstrittiges Startdatum. Dass die vom Medical Research Council geplante 64-kbit/s-Verbindung gebaut wurde, ist nicht belegt.

Ein Netzplan ohne gesicherte Finanzierung

Der aufschlussreichste Satz in einer Beschreibung der Netze Gambias von 1996 handelt nicht von einer Verbindung, die bereits lief. Er handelt von einer, die noch nicht bezahlt werden konnte. Osay Osman Yuuni von den Laboren des Medical Research Council schrieb am 15. November, die Einrichtung plane eine 64-kbit/s-Satellitenverbindung zum Internet, finde aber nur schwer Geld dafür. Zugleich zeigt seine Nachricht eine Netzlandschaft, die sich nicht auf ein einziges Ankunftsjahr reduzieren lässt.

Yuuni nannte zwei FidoNet-Netze. Healthnet verband Beschäftigte im Gesundheitswesen und übermittelte auch Nachrichten für Nichtregierungs- und Bildungseinrichtungen. Geisnet war ein staatliches Netz für Umweltfragen, das mit Hilfe des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen eingerichtet worden war. Die E-Mail beschreibt damit nützliche Kanäle für bestimmte Gruppen, aber kein landesweites öffentliches Internet.

Daneben betrieb die staatliche Telefongesellschaft GAMTEL GAMNET. Yuuni bezeichnete es als öffentliches X.25-Datennetz mit 9.600 Bit pro Sekunde. GAMTEL hatte kürzlich eine CompuServe-Franchise übernommen und konnte Online-Dienste einschließlich Webzugang anbieten. Das war nicht dasselbe wie die Satellitenverbindung, deren Finanzierung das Forschungszentrum noch suchte. Auch GAMTELs geplantes IP-Netz – Glasfaser entlang des Landes, Router in mehreren Städten und öffentliche Zugangskioske – war noch ein Vorhaben; Mittel wurden beantragt.

Das Datum hängt vom gemeinten Dienst ab

Der nationale GAMTEL-Bericht für eine ITU-Veranstaltung 2001 datiert den ersten Internetdienst auf 1994/95 über CompuServe und Delphi. Dieser habe bis 1998 gedauert, als Gambia ein eigenes Backbone erhalten habe. Eine gemeinsame Präsentation gambischer Anbieter auf einem ITU-Seminar 2003 bezeichnete dagegen Ende 1998 als Ankunft des „vollwertigen schnellen Internets“. Sie beschrieb GAMTELs Satelliten-Gateway in Abuko und einen Gateway, der in jenem Jahr Unternehmen und Privatpersonen offenstand. Auch ein späterer staatlicher Untersuchungsausschuss setzt den Beginn des Internets in Gambia auf 1998.

Die Angaben widersprechen sich nicht zwingend: Sie messen kommerzielle Online-Dienste, öffentliche X.25-Daten und später einen nationalen IP-Gateway mit breiterem Zugang. Die E-Mail von 1996 ist eine zeitgenössische Momentaufnahme, keine landesweite Erhebung; die späteren Jahreszahlen sind rückblickend. Zusammen machen sie einen einzigen Geburtstag fragwürdig. 1996 gab es vernetzte Dienste, doch die nationale Satellitenverbindung war weiterhin ein unfinanzierter Plan.

Quellen