Zusammenfassung

  • Eine Meldung für mehrere Länder, eine Bestätigung binnen einer Woche: Das sieht der geplante Telekom-Pass vor. Frequenzen und andere nötige Nutzungsrechte liefert er nicht mit.
  • Die Staaten behalten wichtige Kontroll- und Sanktionsrechte. Noch wird verhandelt. Ob der Pass Arbeit spart oder sie nur zwischen Behörden verschiebt, ist deshalb offen.

Ein Netzvorfall trifft nicht zuerst ein Formular. Er kann Gespräche unterbrechen oder den Zugang zum Internet stören. Für Kunden zählt dann, dass der Dienst wieder funktioniert. Für den Betreiber können gleichzeitig Pflichten aus Telekommunikation, Cybersicherheit, Datenschutz und nationaler Krisenvorsorge zusammenkommen.

Dieses Nebeneinander führt Vodafone als Beispiel für die nötige Vereinfachung an. Es geht um einen möglichen schweren Vorfall, nicht um einen hier berichteten Ausfall. Der Einwand des Unternehmens erklärt aber, weshalb weniger Anmeldungen noch nicht automatisch weniger Arbeit im Betrieb bedeuten.

Die Europäische Kommission setzt beim Start an. Ein Anbieter soll seine Tätigkeit für mehrere EU-Länder bei einer einzigen Behörde melden können. Weniger Papierarbeit könnte ihm die Vorbereitung erleichtern. Daraus folgt noch keine Zusage für den Kunden: weder ein früherer Anschluss noch ein niedrigerer Preis ist damit belegt. Zugleich wollen die Länder, in denen Netze und Kunden sind, bei Gefahren weiter eingreifen können. Die gleiche Reform muss also den Markteintritt erleichtern und den Schutz der Menschen erhalten, die diese Dienste nutzen.

Das ist keine bloß theoretische Sorge. Im Ratsbericht vom 2. Juni stehen Einwände gegen zusätzliche Komplexität und Rechtsunsicherheit. Auch die Suche nach einer günstigen Zuständigkeit und die Verteilung der Aufsicht beschäftigen die Staaten. Beim Ministertreffen am 9. Juni fanden die Ziele breite Zustimmung. Der Pass selbst galt als weiter bearbeitungsbedürftig, nicht als fertige Lösung.

Die Woche ist eine Frist für die Behörde

Der Entwurf des Digital Networks Act verlangt mehr als eine schnelle Eingangsbestätigung. Die Behörde soll binnen einer Woche ab Einreichung erklären, welche Bedingungen, Rechte und Pflichten in den vorgesehenen Ländern gelten. Was der Anbieter nicht mehr einzeln zusammentragen soll, müssen die Behörden also gemeinsam verlässlich beantworten.

Der Anbieter wählt dafür ein Land, in dem er tatsächlich tätig werden will. Dessen Behörde schickt die Meldung an das geplante Office for Digital Networks, ODN. Dieses informiert die übrigen betroffenen Länder ohne unangemessene Verzögerung. Kommen später weitere Märkte hinzu, erfahren auch die bisherigen Tätigkeitsländer davon. Die neue Bestätigung erklärt die Bedingungen der zusätzlichen Märkte.

Nach Artikel 10 des an den Rat übermittelten Textes darf die Tätigkeit nach der Bestätigung beginnen, soweit die nötigen Nutzungsrechte vorliegen. Der Pass beschafft aber keine Frequenzen und keine Nummernrechte. Sieben Tage bis zum Brief sind deshalb kein Versprechen, in sieben Tagen Kunden versorgen zu können.

Und etwas vermeintlich Neues gilt längst: Im System der Allgemeingenehmigung braucht ein Anbieter schon heute keine gesonderte behördliche Erlaubnis. Nach der vorgeschriebenen Meldung darf er beginnen; nötige Nutzungsrechte bleiben vorausgesetzt. Das steht in Artikel 12 Absatz 3 des geltenden europäischen Kommunikationskodex. Neu wäre vor allem, die Meldung und die Auskunft über Ländergrenzen hinweg zu organisieren.

Wer kann den Betrieb stoppen?

Der Pass soll nicht nur den Zugang erleichtern. Die Behörde des Meldelandes könnte Verstöße ahnden und bei schweren Verstößen das Tätigkeitsrecht in den erfassten Ländern entziehen. Soweit nötig, müsste sie die betroffenen Behörden konsultieren. Für einen Betreiber wäre das erheblich mehr als Ärger mit einem Formular.

Die Aufsicht im Land, in dem der Dienst tatsächlich angeboten wird, bleibt ebenfalls handlungsfähig. Sie könnte innerhalb ihrer Zuständigkeit Sanktionen verhängen, wenn ein Verstoß die nationale Sicherheit oder das öffentliche Interesse dort schwer beeinträchtigen könnte. Die nationalen Befugnisse zur Durchsetzung geltenden Rechts bleiben daneben bestehen. Für die Kunden ist das die andere Seite des Passes: Ihr Land verliert nicht schon deshalb seine Eingriffsmöglichkeiten, weil der Anbieter die Meldung anderswo abgegeben hat.

Auch die Pflichten am Netz verschwinden nicht. Notfallkommunikation und Schutz vor Cyberangriffen sind für Nutzer keine bloßen Verwaltungsschritte. Je nach Tätigkeit umfasst Artikel 9 diese Aufgaben ebenso wie Krisenvorsorge und rechtmäßigen Datenzugang. Hinzu kommen Netzintegrität und Zusammenschaltung; für Frequenzen und Nummern gelten eigene Bedingungen. Nummernunabhängige interpersonelle Kommunikationsdienste sind von diesem Regime ausgenommen.

Jeder Staat soll eine Kontaktstelle mit aktuellen Angaben zu seinen Regeln und Verfahren bereitstellen und diese Informationen mit ODN austauschen. BEREC hätte nach Inkrafttreten sechs Monate für Leitlinien zu den Bedingungen und zum Meldeformular. Noch läuft diese Uhr nicht: Der am 19. Oktober geprüfte Parlamentseintrag wartet auf eine Ausschussentscheidung.

Kostenlos wäre das Verfahren nicht zwingend. Artikel 12 begrenzt die abrechenbaren Verwaltungskosten und verlangt eine objektive, transparente und verhältnismäßige Verteilung. Bestimmte kleine Tätigkeiten können ausgenommen werden. Kosten und Einnahmen wären jährlich offenzulegen und Unterschiede auszugleichen.

ODN soll zudem ein öffentliches Melderegister führen. Die Behörden müssten es mindestens alle zwei Monate aktualisieren. Ein Eintrag belegt die Meldung, weder ein funktionierendes Netz noch erfüllte Pflichten. Meldungen vor dem vorgesehenen Übergangsstichtag, sechs Monate nach Inkrafttreten, müssten nicht wiederholt werden. Bestehende Dienste könnten zum Pass wechseln; neue Vorhaben würden das neue Verfahren nutzen. Ein Kalenderdatum lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Die Kommission beschreibt erwartete Vorteile, keine gemessenen Einsparungen. Einen anderen Maßstab bietet Lu Heng in Note 64: wenige gemeinsame technische Regeln, lokale Entscheidungen und freiwillige Übernahme für die Internetkoordination. Das ist ein Vergleich, kein EU-Recht und kein Ausstieg aus gesetzlichen Pflichten. Er schärft aber die Frage, an der sich der Pass messen lassen muss: Welche Arbeit fällt tatsächlich weg, und welche landet nur auf einem anderen Schreibtisch?