Zusammenfassung

  • Ein Test von DOCOMO, PLDT und Smart an zwei Standorten auf den Philippinen erhöhte die gemeldete Solarstromnutzung von 38 % auf 61 % – ein Anstieg um 23 Prozentpunkte
  • Die wettergestützte Steuerung verändert, wie die Batteriekapazität zwischen der Solarstromnutzung und der Reserve für Stromausfälle aufgeteilt wird, ohne eine entsprechende Senkung der Stromrechnungen oder der Ausfallzeiten zu belegen

Die Fakten

NTT DOCOMO teilte am 9. September mit, ein Test mit PLDT und Smart Communications an zwei Mobilfunkbasisstationen auf den Philippinen habe den gemeldeten Kennwert für die Solarstromnutzung von 38 % auf 61 % erhöht, also um 23 Prozentpunkte. Die Standorte lagen nahe Metro Manila beziehungsweise in Cebu und wiesen unterschiedliche Stromversorgungsbedingungen auf.

Das System kombiniert Solarstromerzeugung, Lithium-Ionen-Batterien und die Energiemanagementplattform von DOCOMO. Mithilfe von Wetter- und Strombedarfsprognosen steuert es, wie viel Batteriekapazität für reguläre Lade- und Entladevorgänge verfügbar ist und wie viel als Reserve für Stromausfälle vorgehalten wird. DOCOMO zufolge wurde der Steuerungsalgorithmus für die Klima- und Stromversorgungsbedingungen auf den Philippinen neu konzipiert.

DOCOMO demonstrierte den Ansatz erstmals 2016 in Japan. Das frühere System hatte 80 % der Batteriekapazität als Reserve vorgehalten, um rund 24 Stunden Notstromversorgung zu ermöglichen, bevor eine variable Kapazitätsaufteilung auf Grundlage von Wetterprognosen eingeführt wurde. Diese Zahlen beziehen sich auf den Einsatz in Japan und sind keine Spezifikationen für den Test auf den Philippinen. Die jüngste Mitteilung meldet eine verbesserte Solarstromnutzung, belegt jedoch keine entsprechende Senkung der Stromrechnungen oder Verringerung der Ausfallzeiten für Kunden.

Die Bewertung

Der Test zeigt, dass sich die Batteriekapazität an einem Mobilfunkstandort anders steuern lässt, ohne dass dafür zwangsläufig zusätzliche Speicherkapazität nötig ist. Dauerhaft für Notfälle reservierte Kapazität steht nicht für das reguläre Laden mit Solarstrom zur Verfügung. Eine Änderung des Reserveanteils kann daher unter geeigneten Bedingungen einen größeren Teil der vorhandenen Batteriekapazität nutzbar machen.

Die Kehrseite ist, dass die Batterie bei einem Ausfall des Stromnetzes weiterhin genügend Notstromreserve bereitstellen muss. Eine Wetterprognose kann bei der Entscheidung helfen, wann Kapazität für die tägliche Nutzung freigegeben und wann mehr als Reserve vorgehalten werden sollte; sie kann jedoch nicht garantieren, wann ein Ausfall eintritt. Ein höherer Wert für die Solarstromnutzung ist daher vor allem dann aussagekräftig, wenn zugleich ausgewiesen wird, wie lange die Notstromversorgung am Standort aufrechterhalten wird.

Für Netzplaner wird damit die Betriebsstrategie Teil der Anlagenbewertung. Bei einem fairen Vergleich würde die für den Kommunikationsbetrieb erforderliche Reserve konstant gehalten; anschließend würden Solarstromnutzung, Netzstromverbrauch, Batteriezyklen und das Betriebsverhalten bei Ausfällen unter jeder Steuerungsmethode gemessen. Das würde zeigen, ob die gemeldete Verbesserung darauf beruht, dass der vorhandene Speicher effektiver genutzt wird, ohne die am Standort erwartete Resilienz zu beeinträchtigen.

Worauf zu achten ist

Achten Sie auf Ergebnisse, die neben der Solarstromnutzung auch die Mindestdauer der Notstromversorgung, Prognosefehler und das Betriebsverhalten während tatsächlicher Unterbrechungen der Netzstromversorgung ausweisen. Ergebnisse weiterer Standorte auf den Philippinen mit unterschiedlichen Netz- und Wetterbedingungen würden zeigen, unter welchen Bedingungen eine flexible Aufteilung der Batteriekapazität die Solarstromnutzung verbessern kann, ohne die erforderliche Reserve für den Kommunikationsbetrieb zu verringern.