Zusammenfassung

  • Arelion zufolge hat ein Feldversuch mit Nokia das nutzbare optische Spektrum auf der 500 Kilometer langen Strecke Amsterdam–London um rund 21 Prozent erweitert.
  • Nicht veröffentlicht wurden zusätzliche Wellenlängen als Kundenkapazität, deren Betriebskosten oder ein Nachweis, dass Kundenverkehr über sie lief.

Für einen Kunden zählt am Ende, welche verlässliche Bandbreite er bestellen kann. Mehr optischer Spielraum auf einer Faser ist ein Zwischenschritt dahin. Arelion erklärte am 8. Oktober, einen Feldversuch in seinem laufenden Netz zwischen Amsterdam und London abgeschlossen zu haben. Zum Aufbau gehörten Nokias offenes Leitungssystem 1830 GX Super C und Super L, dünne CHMQ6-Transpondermodule sowie ICE-X-Kohärenzoptiken mit 400G und 800G ZR+. Laut Arelion wuchs das nutzbare optische Spektrum auf der vorhandenen Faser um etwa 21 Prozent.

Das ist ein Ergebnis der optischen Ebene, aber nicht automatisch 21 Prozent mehr Datenverkehr, zugesagte Bandbreite, Umsatz oder Kundenkapazität. Die WDM-Leitungskapazität hängt auch von der Zahl der Wellenlängen, ihrer Datenrate und spektralen Effizienz sowie von der Leistung der gesamten Strecke ab. Der ITU-Fachbericht zu internationalen optischen Netzen führt diese Größen getrennt auf. ITU-T G.694.1 legt das feste und flexible DWDM-Frequenzraster samt Frequenzslots und Slotbreiten fest.

In ihrer Mitteilung sagt Arelion, die zusätzliche Kapazität könne hochvolumige Dienste wie ihr Managed Optical Fiber Network für Rechenzentren und andere digitale Infrastruktur stützen. Das Unternehmen prüfe außerdem einen skalierbareren und energieeffizienteren Ansatz. Es nennt jedoch weder die aggregierte Leitungskapazität vor und nach dem Versuch noch Zahl und Ratenmix der Kanäle, Fehler- oder Verfügbarkeitswerte, Watt je übertragenem Bit oder einen Starttermin für den kommerziellen Betrieb. „Feldversuch im laufenden Netz“ beschreibt die Umgebung, beweist aber nicht, dass Kundenverkehr die neuen Kanäle nutzte.

Auch Herstellerwerte brauchen eine klare Zuordnung. Nokia wirbt für das 1830 GX mit mehr als 25 Prozent zusätzlicher Kapazität je Faser gegenüber herkömmlichen Extended-C-Band-Systemen. Die Plattformbeschreibung und das Datenblatt für CHMQ6 nennen 400G- und 800G-Modi, Client-Aufteilung und geringeren Energiebedarf. Das sind Produktangaben und Vergleichswerte von Nokia, keine von Arelion veröffentlichten Messungen dieser Strecke.

Ein Bericht von SDxCentral greift die 21 Prozent und die eingesetzte Technik auf, veröffentlicht aber keine eigenen Streckenmessungen.

Für den wirtschaftlichen Nachweis braucht es die ganze Verbindung: Wie viele geschützte Wellenlängen lassen sich aktivieren? Welche Latenz- und Verfügbarkeitszusagen gelten? Wie verändert sich der Preis je ausgeliefertem Bit, wenn Ausrüstung, Strom, Betrieb und Engpässe auf anderen Abschnitten mitgerechnet werden? Ein begrenzender Abschnitt kann den lokalen Spektralgewinn auf dem Ende-zu-Ende-Dienst neutralisieren. Ohne Vertrag bleibt zusätzliche Kapazität eine spätere Option statt Umsatz.

Der Versuch eröffnet eine Investitionsfrage. Mehr Spektrum kann neue Faserbauten hinauszögern und Rechenzentrumsverbindungen erweitern. Wirtschaftlich wird die Reserve erst, wenn sie die gesamte Route übersteht, messbar zugesichert und von Kunden nachgefragt wird. Als nächster Beleg sollte Arelion den optischen Zuwachs mit einem verfügbaren Dienst und dessen Stückkosten verbinden.