Zusammenfassung
- RFC 1366 reagierte auf das internationale Wachstum des Internets mit Registries, die lokale Sprachen und Bedingungen besser bedienen sollten.
- Die Internet Registry blieb Wurzel und Standardstelle und behielt alle Klasse-A- und -B-Netze; regionale Delegation war nur für Klasse-C-Blöcke vorgesehen.
- Der dokumentierte Rückhalt mehrerer Fachgruppen war weder eine weltweite Nutzerabstimmung noch eine Übertragung von Adresseigentum an Regionen.
Eine neue Stelle, aber kein neuer Ursprung
Schon RFC 1174 aus dem Jahr 1990 empfahl, die Internet Registry als Hauptregister für Netznummern beizubehalten. Sie sollte Blöcke an qualifizierte Organisationen vergeben und dort weiterarbeiten, wo es noch keine delegierte Stelle gab. RFC 1366 machte daraus zwei Jahre später einen konkreteren Plan: Das Netz war gewachsen und internationaler geworden; die Zuteilung sollte systematischer erfolgen.
Als Grund für regionale Registries nannte das Dokument die Nähe zu Sprache und lokalen Gepflogenheiten. Europa, Mittel- und Südamerika sowie der pazifische Raum seien so weit entwickelt, dass man dort eine Organisation prüfen könne. Dennoch blieb die Internet Registry die Wurzel. Sie sollte Regionen ohne ausgewählte Registry bedienen und bei Bedarf auch direkt für Netzbetreiber erreichbar sein.
Die Delegation hielt sich an Klasse C
Die Statistik für Juni 1992 zählte 49 vergebene Klasse-A-Netze von 126 (38 %), 7.354 Klasse-B-Netze von 16.383 (45 %) und 44.014 Klasse-C-Netze von 2.097.151 (2 %). Die Klassen A, B und C gehören zum classful Nummerierungssystem jener Zeit, nicht zu heutigen CIDR-Präfixen. Weil A und B als knappe Ressourcen galten, behielt die Internet Registry den gesamten Bestand dieser Klassen. Nur der Klasse-C-Raum sollte in acht gleich große Blöcke geteilt werden; jeder umfasste 131.072 Adressen, ungefähr sechs Prozent des Klasse-C-Raums.
Die vorgeschlagene Zuordnung nannte Europa, Nordamerika, den Pazifik und Mittel-/Südamerika. Weitere Blöcke blieben als „Others“ oder für mehrere Regionen offen. Das Schema sollte Zuteilung und Routenaggregation ordnen. Die geografischen Bezeichnungen machten aus den Zahlen keine regionalen Vermögenswerte.
Eine ausgewählte Registry sollte von den Netzwerkbehörden vor Ort anerkannt, außerhalb der Registrierarbeit etabliert und zu stabilem Service fähig sein. Sie musste die Vorgaben von IANA und Internet Registry beachten und die Unterzuteilung abstimmen. Pro geografischem Gebiet sollte es auf dieser Ebene nur eine Registry geben. Damit war die regionale Zuständigkeit ausdrücklich delegiert und an Bedingungen gebunden.
Die Gruppen und der Zeitplan
RFC 1366 ist ein Informationsmemo und kein Internetstandard. Im Abstract steht, dass FEPG, Federal Networking Council, die IEPG-Kovorsitzenden und RIPE die Empfehlungen allgemein unterstützten. Das ist ein begrenzter, benannter Kreis und kein Beleg für eine Abstimmung aller Internetnutzer oder die Annahme durch jedes Netz.
RFC 1367 legte einen vorläufigen Ablauf vor: Ab 31. Oktober 1992 sollten Bewerbungen regionaler Registries angenommen werden; im Februar 1993 sollte der Plan neu geprüft werden; ab April waren Klasse-C-Zuteilungen nach dem Schema vorgesehen. Für Juni erwartete das Memo einen Mechanismus zur Adressaggregation. Es lud zur offenen Diskussion ein und erlaubte eine Anpassung. Die Daten belegen die damalige Planung, nicht den tatsächlichen Abschluss jedes Schritts.
In Europa lief der Organisationsaufbau bereits. RIPE schlug 1990 ein Koordinationszentrum vor, legte im Mai 1991 einen Aktivitätsplan vor und die RIPE NCC nahm im April 1992 den Betrieb auf. RFC 1366 gründete also nicht die erste regionale Registry. Er formulierte einen allgemeinen Zuteilungsplan, während ein regionaler Dienst schon entstand.
Für den Pazifikblock gibt es eine dokumentierte Fortsetzung. Laut der eigenen Geschichte von APNIC wurde auf der APCCIRN-Sitzung 1993 ein Plan für ein regionales NIC angenommen; der Pilot sollte von September 1993 bis Juni 1994 laufen. Im April 1994 delegierte IANA 202/8 und 203/8 an APNIC—dieselben Bereiche, die RFC 1366 in seiner Tabelle dem Pazifik zuordnete. Das belegt einen späteren Weg, nicht die Umsetzung aller Blöcke oder Termine.
Der historische Kern liegt in dieser Trennung: Registrierung konnte regional organisiert werden, während eine zentrale Wurzel und ein gemeinsames Zuteilungsmodell erhalten blieben. Die Region war die Reichweite eines Dienstes, nicht die politische Eigentümerin des eingetragenen Nummernraums.
Quellen
- RFC 1174 — IAB-Empfehlung zur Verteilung der Zuweisung von Internet-Kennungen (1990)
- RFC 1366 — Richtlinien zur Verwaltung des IP-Adressraums (1992)
- RFC 1367 — Zeitplan für die Richtlinien zur IP-Adressraumverwaltung (1992)
- RIPE NCC — The RIPE Registry
- RIPE-039 — Procedures To Set Up The RIPE NCC (1991)
- APNIC — The First 20 Years
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