Zusammenfassung

  • 3M zeigte auf der Optoelektronikmesse in Shenzhen Expanded-Beam-Glasfasersteckverbinder und stellte dabei die Wartung in dichten Netzen von KI-Rechenzentren in den Mittelpunkt
  • Ein interner Test umfasste 1.000 Verbindungszyklen, belegt jedoch weder die Lebensdauer im Feldeinsatz noch eine Verringerung des Energieverbrauchs oder des Abfallaufkommens

Die Fakten

3M zeigte seine Expanded-Beam-Glasfasersteckverbinder am 9. September auf der China International Optoelectronic Exposition in Shenzhen. Brancheninterviews auf der Veranstaltung konzentrierten sich darauf, wie die Steckverbinder in dichten Glasfasernetzen von Rechenzentren installiert und gewartet werden könnten.

Statt einen direkten physischen Kontakt der Faserenden zu erfordern, führt die Konstruktion einen aufgeweiteten Lichtstrahl über einen kleinen Spalt. 3M zufolge ist die Verbindung dadurch weniger empfindlich gegenüber kleinen Partikeln, die optische Signale stören können. Das Unternehmen zeigte Ausführungen mit 12 und 16 Fasern sowie Produkte für unterschiedliche Fasertypen.

3M berichtete außerdem über einen internen Test mit 1.000 Verbindungszyklen. Nach Angaben des Unternehmens blieb die Veränderung der Einfügedämpfung des Kanals während des Tests unter 0,1 Dezibel. Die Kennzahl beschreibt, wie stark sich der gemessene Signalverlust während dieser Zyklen veränderte; sie belegt nicht, wie lange der Steckverbinder im laufenden Betrieb eines Rechenzentrums halten wird.

Die Produkte gehören zu einer bereits bestehenden Steckverbinderfamilie; die Technologie wurde also nicht erstmals auf der Messe in Shenzhen vorgestellt. Im Mai gaben 3M und weitere Unternehmen außerdem bekannt, an gemeinsamen Spezifikationen für Expanded-Beam-Steckverbinder zu arbeiten. Diese Initiative soll die Kompatibilität verbessern, bedeutet jedoch nicht, dass Produkte verschiedener Anbieter bereits untereinander austauschbar sind.

Die Bewertung

3M argumentiert mit Vorteilen bei der Wartung und nicht mit höherer Energieeffizienz. Glasfaserverbindungen können im laufenden Rechenzentrumsbetrieb bei Installation, Fehlersuche und Gerätewechseln wiederholt bearbeitet werden. Wenn die Expanded-Beam-Konstruktion weniger anfällig für Verunreinigungen und wiederholtes Neuverbinden ist, könnten Techniker weniger Zeit für die Reinigung und Nacharbeit an diesen Verbindungen aufwenden. Der Test mit 1.000 Zyklen liefert Anhaltspunkte für weitere Prüfungen, zeigt aber nicht, wie sich die Steckverbinder nach längerem Einsatz im laufenden Betrieb einer Anlage verhalten werden.

Ein Kundentest könnte eine klarere Antwort liefern, indem verglichen wird, wie oft unterschiedliche Steckverbinder gereinigt, neu verbunden oder ersetzt werden müssen, damit die Verbindungen ordnungsgemäß funktionieren. Dabei müsste auch die vollständige Übertragungsstrecke und nicht nur der Steckverbinder betrachtet werden, denn eine gute Leistung an einer einzelnen Verbindungsstelle garantiert nicht dasselbe Ergebnis im übrigen Netz.

Für Leserinnen und Leser von BTW hängt die Kaufentscheidung davon ab, ob sich eine einfachere Wartung im normalen Betrieb nachweisen lässt. Auch Kompatibilität und der Zugang zu Ersatzteilen spielen eine Rolle, wenn die Steckverbinder über eine große Zahl von Verbindungen hinweg eingesetzt werden. Die bisherigen Belege sprechen für Haltbarkeit unter den Testbedingungen von 3M, stützen jedoch keine Aussagen über eine längere Lebensdauer der Geräte, einen geringeren Stromverbrauch im Rechenzentrum oder eine gemessene Verringerung des Abfallaufkommens.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten sind Feldergebnisse, die zeigen, wie oft die Steckverbinder im laufenden Rechenzentrumsbetrieb gereinigt, neu verbunden oder ersetzt werden müssen. Veröffentlichte Interoperabilitätsspezifikationen und Tests zwischen Produkten verschiedener Anbieter würden außerdem zeigen, ob die Technologie die langfristige Wartung vereinfachen kann, ohne Betreiber an eine eng begrenzte Auswahl kompatibler Geräte zu binden.