Zusammenfassung

  • YU schied 2003 aus der aktiven ISO-Liste aus, .YU blieb aber bis 2010 in der DNS-Wurzel. Der Betrieb des Registers und die Umstellung der Nutzer liefen nach verschiedenen Zeitplänen.
  • Reservierungen passender Namen unter .RS, die befristete Obhut durch RNIDS und getrennte Termine für Dienstaus und Root-Zonen-Änderung schufen den Übergang. Ein neuer Code schrieb gespeicherte Adressen nicht automatisch um.

Der Code ändert sich schneller als die gespeicherte Adresse

.YU wurde 1989 delegiert und zunächst von Ljubljana aus betrieben. Nach dem Zerfall Jugoslawiens Anfang der 1990er-Jahre saßen die Betreiber nicht mehr im Gebiet des früheren Staates. 1994 übernahmen Lehrkräfte der Universität Belgrad die Pflege unter dem Namen YUNET. Das Land, auf das der Code verwies, und der Ort der technischen Verwaltung hatten sich bereits auseinanderentwickelt. Der IANA-Bericht zu .RS und .YU von 2007 hält diese Vorgeschichte fest.

Im Juli 2003 ersetzte die ISO den Code YU für den Staatenbund Serbien und Montenegro durch CS. Der .YU-Betreiber teilte der IANA mit, ein Referendum in Montenegro könne den Bund auflösen. Deshalb drängte die IANA nicht auf einen sofortigen Wechsel zu .CS. Das war keine Entscheidung über Staatlichkeit: Die ISO-Liste lieferte die Code-Grundlage für die DNS-Wurzel, während die IANA nicht festlegte, was als Land gilt. Das Diskussionspapier der ICANN von 2006 stellte außerdem fest, dass kein formell geregeltes Verfahren für den Rückzug eines ccTLD nach dem Ende seines ISO-Status bestand.

Zwei Nachfolger brauchten eine Übergangsphase

Das Referendum vom Mai 2006 unterstützte Montenegros Unabhängigkeit; beide Staaten erklärten sie im Juni. Eine ISO-Revision vom 26. September strich CS und nahm ME für Montenegro und RS für Serbien auf. Die neuen Codes konnten nun delegiert werden, doch .YU bediente weiterhin Nutzer in beiden Ländern.

Am 11. September 2007 billigte der ICANN-Vorstand .RS und übertrug .YU vorläufig an das serbische Nationale Register für Internet-Domainnamen, RNIDS. RNIDS sollte als Übergangsverwalter alle sechs Monate berichten und gemeinsam mit der montenegrinischen Regierung den Wechsel zu .RS und .ME bis zum 30. September 2009 abschließen. Der Beschluss verwies für die Codes auf die ISO und hielt fest, dass ICANN nicht über Staatlichkeit entschied.

Der Plan von 2007 sah vor, Registrierungen in den von montenegrinischen Einrichtungen genutzten Subdomains .CG.YU, .MN.YU und .CG.AC.YU nach .ME zu überführen; die übrigen Namen unter .YU konnten nach .RS wechseln. RNIDS sagte außerdem zu, nach Ende der bevorzugten .RS-Registrierungsphase keine neuen .YU-Namen mehr anzunehmen. Danach sollte die alte Zone nur noch Änderungen oder Löschungen bestehender Einträge ermöglichen. Der Neuzugang wurde also geschlossen, bevor die letzten Namen entfernt wurden.

Für bestehende .YU-Inhaber wurden zunächst entsprechende Namen unter .RS reserviert. In den ersten sechs Monaten des .RS-Betriebs konnten nur diese Inhaber die Reservierung nutzen. Nicht eingelöste Reservierungen verfielen im September 2008, als die allgemeine Registrierung begann. Danach stufte das Register 2.769 .YU-Namen als aktiv ein und löschte die übrigen im März 2009. Zwischen März und Mai beantragten 1.236 Inhaber eine Wiederherstellung. Diese Zahlen gehören zu unterschiedlichen Verfahrensschritten; sie ergeben keine vollständige Bilanz erfolgreicher Übertragungen.

Die alte Adresse steckte längst in anderen Systemen

Im Juni 2009 waren noch 4.266 .YU-Domains delegiert, nach zuvor 32.772; .RS zählte 26.294 Registrierungen. Nur etwa 200 der verbliebenen .YU-Namen hatten keine entsprechende .RS-Domain. Dennoch blieben alte Adressen in Mailinglisten, Anmeldedaten und Passwort-Rücksetzungen, in Software und Mobiltelefonen sowie als Kontaktadresse anderer Top-Level-Domains gespeichert. Google indexierte im Juni 2009 noch 6,2 Millionen .YU-Seiten, nach 69 Millionen im September 2007. Das misst verbleibende Verweise, nicht die Zahl der Menschen ohne Dienst.

Im September 2009 verlängerte der ICANN-Vorstand die Frist auf den 30. März 2010, nachdem RNIDS mehr Zeit zur Fertigstellung beantragt hatte. Der IANA-Bericht nennt verbliebene Nutzungen, beziffert deren Folgen aber nicht. RNIDS schaltete den .YU-Dienst am 30. März um Mitternacht GMT+1 ab. Aus der DNS-Wurzel entfernt wurde die Delegation erst am 1. April mit dem Serienupdate 2010040100. Der Betreiber beendete den Zonendienst, bevor die Wurzel den Verweis löschte.

Der Ablauf entstand ohne fertiges Regelwerk

Das ICANN-Papier von 2006 benannte das fehlende formelle Verfahren. Eine ccNSO-Arbeitsgruppe kam 2011 ebenfalls zu dem Schluss, dass es keinen dokumentierten Rückzugsprozess gab; sie deutete den Fall .YU als aus Einzelfallentscheidungen abgeleitete Praxis: Frist setzen, Übergangsverwalter benennen und Fortschritt prüfen. Diese spätere Analyse war keine bereits 2007 geltende Regel.

Die Akten zeigen eine geteilte Zuständigkeit. Die ISO führte die Codeliste, ICANN und IANA koordinierten Root-Zone und Delegierungen, RNIDS und die montenegrinische Regierung organisierten den Umzug, und externe Dienste verwalteten ihre eigenen gespeicherten Adressen. Die Entfernung aus der Wurzel beendete die übliche Auflösung von .YU, änderte aber keine Mailingliste, kein Konto und kein Lesezeichen. Die offiziellen Berichte zeigen den Ablauf und verbliebene Verweise, nicht den Schaden oder Aufwand pro Nutzer.

Quellen und Reichweite