Zusammenfassung

  • Die im Dezember 1977 genannten 85 Städte bezeichneten mögliche lokale Zugänge zu Telenet, keine aktiven Nutzer in jeder Stadt und keine vernetzten Haushalte.
  • Das Unternehmen baute sein Netz mit gemieteten Leitungen anderer Anbieter aus, obwohl die Verluste mehr als 8 Millionen Dollar betrugen und neues Kapital für weitere Standorte nötig war.

Analyse

Eine geografische Reichweite sagt noch nicht, wer ein Netz nutzte. William H. Jones schrieb am 22. Dezember 1977, Telenet verbinde 85 Städte in Nordamerika und ermögliche damit rund 80 Prozent der US-Bevölkerung einen lokalen Zugang. Die meisten Abonnenten seien Unternehmen oder Behörden gewesen, die Terminals mit Rechnern innerhalb der eigenen Organisation verbanden. Der Bericht nannte Hochschulen, einen Versicherer und eine Bank als Beispiele. Die Zahl erfasste weder Abonnenten noch private Anschlüsse, Datenverkehr oder Menschen, die den Dienst tatsächlich nutzten. (The Washington Post, 22. Dezember 1977)

Telenet investierte in Paketvermittler und Schnittstellen zu Terminals und Hostrechnern. Für die Übertragung zwischen den eigenen Zentren mietete das Unternehmen Hochgeschwindigkeitsleitungen etablierter Anbieter. Der Firmenbericht von 1974 beschrieb einen Mehrwertanbieter, der gemietete Verbindungen mit Vermittlung, Geschwindigkeits- und Codeumsetzung, Diagnose und Abrechnung kombinierte. Als Unternehmenspublikation enthielt er Werbung und Pläne; die Rollenverteilung wird dennoch deutlich: Telenet betrieb das Datennetz, besaß aber den größten Teil der Fernübertragung nicht selbst. (Telenet Report, Sommer 1974)

Auch die Finanzierung folgte diesem Modell. The Washington Post meldete Einnahmen von 126.799 Dollar im Jahr 1975 und 1,9 Millionen Dollar in den ersten sieben Monaten des Jahres 1977. Die Zeiträume sind unterschiedlich lang und erlauben keinen direkten Wachstumsvergleich. Zugleich bezifferte die Zeitung die Verluste seit Gründung auf mehr als 8 Millionen Dollar. Der Börsengang umfasste 625.000 Aktien zu je 9 Dollar, nachdem zunächst 16 bis 20 Dollar angepeilt worden waren. Die Geschäftsführung erwartete erst 1979 genügend Einnahmen für einen Gewinn und wollte mit dem Verkaufserlös 1978 weitere Standorte erschließen.

Das waren eine damalige Prognose und ein Finanzierungsplan, kein bestätigtes Ergebnis.

Auch die Zahl der Städte ist nicht geklärt. Eine technische Notiz des NIST aus dem Jahr 1980, die sich auf Telenets Prospekt von 1977 stützte, nannte 81 Städte und verlangte eine direkte Überprüfung der Angaben. Sie erklärt nicht, wie diese Zahl zu den 85 nordamerikanischen Städten im Post-Bericht passt. Beide Werte bleiben zugeschriebene Momentaufnahmen, keine geprüfte Gesamtzahl. (NIST Technical Note 1104)

Im April 1978 zählte Telenet-Verwaltungsratschef Lawrence Roberts 187 Netzknoten, 79 Vermittler und lokalen Telefondienst in 156 US-Städten. Im Dezember meldete The Post Betrieb in 170 US-Städten und 22 weiteren Ländern, aber auch anhaltende Verluste. Ein von GTE vorgeschlagener Kauf musste noch genehmigt werden. Das Netz wuchs; die verfügbaren Berichte belegen nicht, dass Telenet als eigenständiges Unternehmen profitabel geworden war. (Roberts, “The Evolution of Packet Switching,” 1978; The Washington Post, 11. Dezember 1978)

Quellen