Zusammenfassung

  • Die ECMA-Generalversammlung billigte ECMA-262 im Juni 1997. TC39 wählte ECMAScript als Namen auf seiner Sitzung im September.
  • Im Protokoll der fünften Sitzung steht, dass JavaScript und LiveScript für den Standardnamen nicht verfügbar waren. Die erste Ausgabe führt JavaScript weiter als Ursprungstechnologie.

Analyse

Der Browser hatte die Funktion schon ausgeliefert

Das Namensproblem kam nach dem Code. Brendan Eich schrieb später, der Prototyp der Engine habe im Mai 1995 zehn Tage gebraucht; den Rest des Jahres habe die Integration in den Browser beansprucht. Am 4. Dezember kündigten Netscape und Sun JavaScript an. Die erste Version steckte bereits in der Beta von Netscape Navigator 2.0. Die Mitteilung beschrieb eine plattformübergreifende Skriptsprache für Anwendungen im Internet und in Unternehmensnetzen. Das Produkt hatte seinen Platz im Browser, bevor ein Normungsgremium ihm einen Titel gab.

Die Reihenfolge trennt zwei Aufgaben. Eine Funktion kann in einem Produkt laufen, während ihr Name zur kommerziellen Sprache eines Unternehmens gehört. Ein gemeinsamer Standard braucht einen Titel, den alle Implementierer verwenden können. Derselbe Code muss also beim Browsernutzer wiedererkennbar sein und zugleich als neutrale Referenz taugen.

Die Ankündigung von 1995 stellte die Einreichung bei Normungsorganisationen bereits in Aussicht. Laut ECMA begann TC39 im November 1996 mit der Arbeit. Der Bericht des Vorsitzenden nennt einen knappen Ablauf: erster Entwurf im Januar 1997, Abstimmung der Generalversammlung im Juni, Annahme des Namens im September. Der Text kam voran; die Bezeichnung blieb offen.

Die erste Ausgabe von ECMA-262 trägt dennoch Juni 1997 auf dem Umschlag und ECMAScript im Titel. ECMA erläuterte später den Ablauf: Die Generalversammlung billigte den technischen Text im Juni; redaktionelle Punkte, darunter der endgültige Name, blieben bis September offen. Der fertige Umschlag zieht beides in eine Zeile. Das Protokoll zeigt die Arbeit darunter.

In der Tagesordnung stand ein Markenproblem

Am 16. und 17. September 1997 widmete TC39 einen Tagesordnungspunkt dem Titel des Standards und dem Namen der Sprache. Das Protokoll ist knapp: JavaScript und LiveScript seien nicht verfügbar. Das Gremium wählte einstimmig ECMAScript. Der Bericht des Vorsitzenden erwähnt den Einfluss von Markenrechten; das Protokoll bittet Netscape um Informationen zu den Bedingungen für die Verwendung des Namens JavaScript.

Die Grenze war konkret. Das Gremium konnte Syntax und Semantik für eine gemeinsame Sprache festlegen. Es konnte nicht unterstellen, ein Produktname stehe für eine neutrale, plattformübergreifende Spezifikation frei zur Verfügung. ECMAScript gab dem Standard einen verwendbaren Titel. JavaScript blieb der Produktname.

Damit löst sich auch der Unterschied zwischen dem Juni-Datum auf der ersten Ausgabe und der Entscheidung im September. Im Juni billigte die Generalversammlung den Standardtext. Im September legte das Gremium den Titel fest. Ein Standard hat mehrere Ziellinien; der Umschlag lässt sie wie eine einzige aussehen.

Der Standardname und der Produktname erfüllten andere Aufgaben

Die Entstehungsgeschichte der ersten Ausgabe nennt JavaScript als eine Ursprungstechnologie des Standards. ECMA schrieb 2017, JavaScript und ECMAScript bezeichneten in der Praxis denselben Standard. Die Namen meinten keine zwei unverbundenen Sprachen. Sie trennten das Normungsdokument von der Identität eines Produkts.

Das hilft Implementierern. Sie können eine neutrale Spezifikation zitieren, ohne den bekanntesten Namen zu besitzen. Entwickler und Leser behalten JavaScript, den Begriff, den sie bereits in der Browser-Beta gesehen hatten. ECMA-262 hält die gemeinsame technische Vereinbarung fest; der Produktname erinnert daran, wo die Funktion zuerst auftauchte.

Der laufende Code kam zuerst. Das Gremium folgte mit einer Beschreibung, die Verhalten über Plattformen hinweg teilbar machte. Dann stieß das Verfahren auf eine Frage, die der Code nicht beantworten konnte: Wer durfte den Namen auf den Standard schreiben? Die Antwort klingt nach einem Kompromiss, weil sie einer unter echten Einschränkungen war. Seitdem trägt dieselbe Sprache zwei Namen, und jeder erledigt eine andere Aufgabe.

Die öffentlichen Unterlagen belegen, dass JavaScript und LiveScript als Standardnamen nicht verfügbar waren und Markenfragen die Wahl beeinflussten. Bedingungen oder Kosten einer möglichen Lizenz nennen sie nicht; ein Lizenzdossier würde zeigen, ob ECMAScript Zwang oder Präferenz war.

Quellen

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