Summary

Wer das Internet von möglichst vielen Stellen aus beobachten will, stößt irgendwann an eine ganz irdische Grenze: Geräte müssen irgendwo hin. In seinem Vorschlag von 2017 stellte Kisteleki die Frage, ob eine VM auch dort einen Atlas-Anker tragen könnte, wo ein physisches Gerät schwer unterzubringen ist.

Der Versuch hatte zwei Spuren. Eine führte zu öffentlichen Cloud-Diensten, die andere zu freiwilligen Partnern mit eigenen Netzen. Die VMs sollten Teil des normalen Anker-Netzes werden, von anderen Ankern gemessen werden und selbst Messungen ausführen. Eine Kennzeichnung sollte Forschern die Wahl geben, virtuelle Anker gezielt einzubeziehen oder auszuklammern. Der Standort einer Messung verschwindet schließlich nicht, nur weil die Maschine virtuell ist.

Im Mai 2018 berichtete das Team über eine eigene VM sowie Installationen bei Sander Steffann, Jared Mauch und Amazon. DigitalOcean lieferte den Vergleichspartner: eine VM nahe einem physischen Anker. Die beiden Geräte lagen in verschiedenen Subnetzen, aber netztopologisch dicht beieinander. So ließ sich die Frage nach dem Einfluss der Hardware sinnvoll untersuchen. Kistelekis Ergebnisbericht sah in den analysierten Daten keinen erkennbaren Leistungsunterschied. Er würdigte Iñigo Ortiz de Urbina Cazenave, Michela Galante und Alun Davies; die freiwilligen Betreiber waren für die Versuchsanordnung ebenso nötig.

Stephen Strowes untersuchte die Paarung mit RIPE-Atlas-Messdaten: sieben Tage, ungefähr 300 weitere Anker und sowohl Ping als auch HTTP. Die HTTP-Medianwerte lagen nahe beieinander, bei Ping zeigten sich kleine Abweichungen. Adressfamilie und Netzweg konnten mehr ausmachen als die Bauform des Ankers. Die VM hatte damit einen brauchbaren Test bestanden, dessen Zeitraum und Vergleichspaar bekannt waren.

Der Rest passte in keinen Latenzgraphen. Wer richtet die VM ein? Darf sie im Netz eines Dritten stehen? Wie viele zusätzliche Anker verkraften Speicherung, Verarbeitung und das Kreditsystem? Bleibt ein Betreiber bei der Sache, wenn er nie ein Gerät kaufen musste? Kisteleki schlug vor, zunächst mit vom Host bereitgestellten VMs weiterzugehen, und bat um Rückmeldungen zu Standorten, Grenzen und Pflege.

Im Jahresbericht 2019 des RIPE NCC hatten virtuelle Anker die Reichweite von Atlas bereits erweitert. Aus dem Pilotversuch wurde Betrieb. Das Rack sparte Platz; die Liste der Zuständigkeiten wurde länger.