Zusammenfassung

  • RFC 10066 erlaubt mehrere Weiterleitungspfade in einem PCEP-LSP. Recheneinheit und Client handeln vorher aus, wie viele Pfade sie bewältigen; für die Berechnung gilt die kleinere wirksame Grenze.
  • Der Client darf ein übergroßes Angebot ablehnen, einen operativen Zustand melden, der die Rechenkapazität des Controllers übersteigt, und einen Pfad mit Gewicht null behalten, während der Verkehr abfließt. Vorschlag, Ablehnung und Zustand brauchen getrennte Belege.

Auf der Karte ist noch Platz. Im Router vielleicht nicht.

Einen weiteren Strich auf dem Bildschirm zu ziehen kostet wenig. Den entsprechenden Pfad in einem Netzgerät zu installieren, kostet Ressourcen. RFC 10066 vom Oktober 2026 erweitert PCEP um mehrere Weiterleitungspfade unter einem Label-Switched Path. Für Segment-Routing-Policies kann ein Candidate Path mehrere Segmentlisten tragen. Die SR-Policy-Architektur kannte diese Gestalt schon; RFC 9862 nahm die Signalisierung mehrerer Listen innerhalb eines Kandidaten ausdrücklich aus. Die Landkarte war fertig, bevor der Umschlag groß genug wurde.

Der neue Umschlag hat eine zulässige Füllmenge. Das Path Computation Element, PCE, und sein Client, PCC, handeln Mehrpfad-Unterstützung und die maximale Pfadzahl aus. Das PCE darf bei einer Berechnung die kleinere der beiden wirksamen Grenzen nicht überschreiten. Schickt es mehr Pfade, als der PCC angekündigt hat, antwortet der Client mit PCErr Typ 19, Wert 36. Der Controller kann einen Vorschlag machen; das Gerät, das ihn installieren soll, nennt die Grenze.

Eine Grenze lässt sich für die Sitzung setzen und für ein einzelnes LSP überschreiben. Ohne vorher erfolgreich ausgehandelte Mehrpfad-Fähigkeit ist ein später eintreffendes PATH-ATTRIB-Objekt ein Fehler. Der Unterschied zwischen Wunsch und gemeldeter Kapazität wird im Protokoll sichtbar. Ob die Zahl im OPEN-Objekt tatsächlich zu Hardware, Software, Ressourcen und betrieblicher Politik passt, muss der Betreiber prüfen. Eine Fähigkeitsmeldung ist noch kein Auszug aus der installierten Forwarding-Tabelle.

In Gegenrichtung gilt eine aufschlussreiche Asymmetrie. Ein PCC kann per PCRpt mehr bestehende Pfade melden, als das PCE selbst berechnen könnte. RFC 10066 verlangt vom PCE, diesen Bericht als operativen Zustand zu akzeptieren. Der Client bittet um keine zusätzlichen Wege, er beschreibt den Bestand. Ein Controller, der alle Nachrichten verwirft, die über seine eigene Vorstellungskraft hinausgehen, sorgt vor allem für ein beruhigend leeres Dashboard.

Gewicht null lässt die Anweisung stehen

Das optionale MULTIPATH-WEIGHT-TLV trägt für jeden Pfad ein vorzeichenloses 32-Bit-Gewicht. Fehlt es, gilt eins. Beim gewichteten Lastenausgleich ergibt sich der Flussanteil aus dem Verhältnis des Einzelgewichts zur Summe. Null ist ein besonders nützlicher Wert: Eine SR-Policy-Segmentliste kann den Verkehr verlieren und ihre Weiterleitungsanweisungen behalten. Haben alle Listen Gewicht null, wird der Candidate Path nach den SR-Policy-Regeln ungültig. Eine Straße kann gesperrt bleiben, während sie auf der Karte noch eingezeichnet ist.

Für Wartung ist das ein Unterschied mit Folgen. Pfad löschen, Gewicht auf null setzen, Gewicht nur verringern oder Pfad nach einem Ausfall verlieren: vier Ereignisse mit unterschiedlichen Rückwegen. „Multipath aktiv“ unterschlägt die Entscheidung, die den Verkehr verschob. Pfad-ID, alte und neue Gewichte, Installationszustand und gemessene Flüsse erzählen sie nach. Der RFC definiert die Nachricht; die tatsächliche Lastverteilung muss das Datennetz zeigen.

RFC 10066 vertagt außerdem METRIC-Werte je Einzelpfad auf weitere Erweiterungen. Das vorhandene METRIC-Objekt kann das gesamte LSP beschreiben, aber nicht jedem Segmentlisteneintrag dieselbe Latenz und Verlustrate zuschreiben. RFC 10067 behandelt eine andere Frage: Zwei unidirektionale SR-LSPs werden so verbunden, dass die Enden den Rückweg kennen. Hinter einem „Dienst“ können mehrere Wege, zwei Richtungen und verschiedene Arten von Belegen stehen. Ein grüner Strich auf dem Bildschirm ist eine hübsche Zusammenfassung; manchmal ist er zu hübsch.

Die Rollenverteilung ist der eigentliche Governance-Teil. Das PCE berechnet und schlägt vor, der PCC meldet eine Grenze und den Istzustand, der Betreiber bestimmt die Regeln für Änderungen und die Kriterien für gelungene Redundanz. Heng Lus Notiz 73 trennt Mitwirkung von Entscheidungsrecht. Die Organisation, die die Folgen einer Verkehrsverschiebung trägt, hat die Entscheidung zu verantworten. Der sauberste Controller-Plan übernimmt diese Last nicht.