Zusammenfassung

  • ISC wählte Optimus-UI, einen Community-Fork von PrimeNG, als neue Grundlage für Storks Oberfläche.
  • ISC plant einen jährlichen Beitrag an OpenNG, nennt aber weder Betrag noch Laufzeit.

ISCs Entwicklungsbericht für 2025 verzeichnet acht Stork-Versionen und ein großes PrimeNG-Upgrade über 329 Dateien: rund 9.300 Zeilen kamen hinzu, ungefähr ebenso viele entfielen. Die Abhängigkeit steckt damit tief in der Oberfläche des Produkts.

Am 29. Juni 2026 wurde das offene PrimeNG-Repository archiviert, nachdem PrimeTek das Projekt auf ein kommerzielles Modell umgestellt hatte. Stork ist ISCs Weboberfläche zur Verwaltung von Kea und BIND. Netzwerkteams sehen dort Leases, Konfigurationen und DNS-Aktivitäten. Der Status des Repositories machte aus einer Bibliothek eine Produktfrage: Wer hält die UI-Komponenten künftig aktuell?

ISCs Biografie beschreibt Victoria (Vicky) Risk als Produktmanagerin für Open-Source-Produkte und Marketingdirektorin; zuvor leitete sie 15 Jahre lang Produktlinien bei Cisco. In einem früheren Beitrag zu Kea beschrieb Risk die Gegenbewegung: ISC hielt einige Hook-Bibliotheken kommerziell, um Entwicklung zu finanzieren, und öffnete zwölf, als Kea finanziell tragfähig wurde. Den Online-Shop für Hooks nannte sie keinen großen Erfolg, weil Unternehmen Angebote, Rechnungen, Ausschreibungen und Lieferantenregistrierungen verlangten.

Ihre Stork-Veröffentlichung setzt diese Erfahrung fort: Offener Code braucht einen belastbaren Weg, Wartung zu bezahlen.

Am 15. Oktober 2026 zeichnete Risk den Stork-2.6-Beitrag, der ISCs Entscheidung bekanntgab. Drei Wege standen im Raum: importierte PrimeNG-Komponenten selbst pflegen, zu Angular Material wechseln oder die Oberfläche in HTMX neu bauen. ISC wählte Optimus-UI, einen von OpenNG gepflegten PrimeNG-Fork. Risk kündigte dazu einen jährlichen finanziellen Beitrag an, damit ISC die Arbeit der Maintainer nicht kostenlos nutzt.

Dreizehn Tage später führte die RIPE-93-Agenda Risk und ISC-DHCP-Direktor Tomek Mrugalski als Sprecher einer Sitzung über den Übergang auf. Der Abstract nennt den Zeitdruck: LLM-gestützte Codeanalyse beschleunigte die Entdeckung von Schwachstellen; zugleich blieb dem Team wenig Zeit, eine andere aktiv gepflegte Open-Source-Oberfläche einzuführen. Die Wahl der Bibliothek wurde damit auch zu einer Frage, wo künftige Sicherheitskorrekturen entstehen können.

Risk schreibt, ISC plane einen jährlichen Beitrag an OpenNG. Der Beitrag ist budgetiert; zugleich sagt ISC, Stork bringe dem Unternehmen noch keine Einnahmen. Professioneller Stork-Support wird als eigener Posten in Kea-Supportverträgen angeboten. ISC nennt weder Betrag noch Laufzeit des Beitrags. Diese beiden Angaben würden zeigen, welchen Anteil der laufenden Fork-Pflege die Zusage tragen soll.

ISC bezeichnet Stork 2.6 als stabile Version für den Produktionseinsatz. Sie ergänzt Lease-Tracking über mehrere Kea-Server, OIDC-Anmeldung, BIND-9-Zonentransferüberwachung und Unterstützung für das Kea Configuration Backend. Außerdem erprobt ISC wöchentliche Abhängigkeitsupdates, während mehr Schwachstellen gemeldet werden. Für Nutzer gehören der UI-Fork und seine Pflege damit zum selben Produkt wie die neuen Verwaltungsfunktionen.

Risks Beiträge zu Kea und Stork zeigen zwei Richtungen derselben Finanzierung. Keas Einnahmebasis erlaubte ISC, bezahlte Hooks freizugeben; Storks Oberfläche hängt nun von einem Community-Fork ab, den ISC mitfinanzieren will. Entscheidend ist, ob der jährliche Beitrag mit den Releases und Sicherheitskorrekturen Schritt hält, die die Oberfläche braucht.

Quellen