Summary

  • Die Mitteilung vom 9. Juli 2012 kündigte an, Beiträge aus der laufenden Datenbank zu entfernen, die mit neuen Mitwirkendenbedingungen und der Open Database Licence unvereinbar waren. Der Projektanteil lag nach eigener Schätzung unter einem Prozent; ein letzter Planet-Datensatz vor dem Eingriff erschien noch unter CC-BY-SA.
  • Am 26. Juli meldete das Projekt den Abschluss des automatisierten weltweiten Durchlaufs. Mehr als 99 Prozent der Daten blieben erhalten, während Löschungen etwa in Polen und Australien geballt auftraten. Die Live-Datenbank war bereits verändert, die Lizenz noch nicht.
  • Das Protokoll des Stiftungsrats vom 5. September dokumentiert die einstimmige Zustimmung nach Prüfung des Datenzustands. Die ODbL trat am 12. September um 9 Uhr britischer Zeit in Kraft. Die neue XML-Gesamtkopie Planet war erst am 14. September verfügbar.

Der Lizenztext brauchte einen Eingriff in die Maschine

Eine Straße in OpenStreetMap ist zugleich Objekt in einer Datenbank, Eintrag in einer Änderungsgeschichte, Antwort einer API und Teil eines Weltarchivs auf fremden Rechnern. Der Wechsel von CC-BY-SA zu ODbL betraf alle diese Zustände. Bei Beiträgen, deren Urheber den neuen Bedingungen nicht zustimmten, musste das Projekt entscheiden, was die laufende Karte noch ausgeben durfte. Ein neues Etikett am Download-Link hätte an den gespeicherten Objekten nichts geändert.

Im April 2012 berichtete das Projekt, dass der sogenannte Redaktions-Bot noch nicht alle Systemtests bestand. Geplant waren zunächst ein Testserver, dann ein begrenztes Gebiet der Live-Datenbank – wahrscheinlich Irland – und erst nach erfolgreichem Test der Rest. Das Programm sollte den Datensatz bearbeiten, von dem Renderer, Routenplaner und Mapper bereits abhängig waren. Ein Fehler in dieser Operation hätte die Karte selbst getroffen.

Die Ankündigung vom 9. Juli legte die Reihenfolge fest: Irland, Großbritannien, Westeuropa, Nordamerika, Australien und schließlich die übrigen Gebiete. Der 11. Juli war ein geplanter Beginn unter Vorbehalt letzter Vorbereitungen. Die API sollte während der Arbeit erreichbar bleiben. Entfernte Beiträge würden weder über die API noch über die Ansichtsseiten der Website abrufbar sein. Damit erhielt die Frage nach der Zustimmung von Mitwirkenden eine konkrete Antwort an der technischen Schnittstelle.

Ein Prozent Weltkarte kann eine ganze Verbindung enthalten

Der Anteil unvereinbarer Beiträge lag laut Projekt unter einem Prozent. Vor dem Eingriff wurde eine letzte CC-BY-SA-Planet-Datei erzeugt. Sie konservierte eine vollständige Veröffentlichung aus der alten Phase. Die Datenbank, auf der neue Bearbeitungen ankamen, entwickelte sich dagegen auf den ODbL-Zustand zu. Wer die alte Komplettdatei besaß, hielt einen anderen Ausgangspunkt in der Hand als jemand, der später die Live-API abfragte.

Der Bericht vom 26. Juli meldete, dass der weltweite automatisierte Hauptdurchlauf am Vortag fertig geworden war. Mehr als 99 Prozent der Daten blieben erhalten. Gleichzeitig nannte das Projekt Polen und Australien als Gebiete mit konzentrierten Löschungen. Für eine Route zählt die Verbindung zwischen zwei Segmenten, nicht der weltweite Mittelwert. In betroffenen Gegenden musste die Gemeinschaft fehlende Einzelheiten erneut kartieren.

Ein Satz im Bericht trennt die beiden Phasen sauber: Die laufende Datenbank war weitgehend bereit für die ODbL, doch die Lizenz hatte noch nicht gewechselt. Im Juli entfernte das Projekt Material aus dem aktuellen Dienst, um die spätere Veröffentlichung zu ermöglichen. Der Stiftungsrat würde erst Wochen danach über die rechtlichen Bedingungen entscheiden. Die Veränderung der Karte war somit eine Voraussetzung des Beschlusses und zugleich ein eigener Eingriff mit unmittelbarer Wirkung.

Der Rat stimmte über einen geprüften Zustand ab

Laut Sitzungsprotokoll vom 5. September legte die Lizenz-Arbeitsgruppe dem Rat eine Empfehlung vor. Die Daten-Arbeitsgruppe habe die Redaktionsläufe abgeschlossen und halte die veröffentlichte Live-Datenbank für bereinigt; Meldungen nach dem Hauptlauf seien untersucht worden. Daraufhin beschloss der Rat einstimmig die Umstellung auf ODbL 1.0. Er erwartete die erste vollständig darunter veröffentlichte Planet-Datei am 12. September und plante keine Phase mit zwei parallelen Lizenzen.

Die Arbeitsteilung ist aufschlussreich. Der Rat konnte die Bedingungen der Veröffentlichung beschließen. Der Bot konnte den Datensatz verändern. Arbeitsgruppen konnten feststellen, ob die Operation das gewünschte Ergebnis geliefert hatte. Keine dieser Stellen konnte eine alte Kopie auf den Rechnern fremder Kartenanbieter automatisch ersetzen.

Deshalb richtete sich die Mitteilung vom 11. September an Datennutzer. API und inkrementelle Änderungsdateien sollten auf ODbL wechseln. Betreiber eigener Systeme sollten ihre alten Daten löschen, den neuen Planet laden und erst danach neue Änderungen einspielen. Eine alte Gesamtkopie und neue Änderungsdateien hätten Veröffentlichungszustände zweier Lizenzphasen in einem System vermischt.

Die API war pünktlich, die Weltdatei wartete

OpenStreetMap meldete den Wechsel am 12. September um 9 Uhr britischer Zeit. Einen Tag zuvor hatte das Projekt die neue Planet-Datei ungefähr dreißig Stunden nach dem Schnitt erwartet. Die XML-Erstellung dauerte länger. Ein Nachtrag zur Wechselmeldung datiert ihre Verfügbarkeit auf Freitag, den 14. September, gegen 18:30 Uhr UTC. Betreiber einer eigenen Gesamtkopie mussten also nach dem rechtlichen und technischen API-Wechsel noch auf ihren neuen Ausgangsdatensatz warten.

Der Vorgang hatte drei Uhren: Im Juli wurde der laufende Datensatz verändert; im September gab der Rat die neue Lizenz frei und schaltete die API um; anschließend kam die große Datei für Dritte. Wer nur das Datum der neuen Lizenz nennt, unterschlägt die eigentliche Betriebsarbeit. OpenStreetMap konnte seine Regeln ändern, weil Menschen und Software vorher die Karte unter diesen Regeln veröffentlichbar gemacht hatten.