Zusammenfassung

  • RFC 1165 vom Juni 1990 schlug NTP über den OSI Remote Operations Service vor. Die Versuchsanordnung beschrieb einen Partner als verbunden, im Verbindungsaufbau, beim Annehmen einer Verbindung oder getrennt.
  • Das bisherige NTP-Erreichbarkeitsregister verfolgte Antworten über acht Übertragungen. Bei einem verbindungsorientierten Dienst zeigte die aufgebaute oder abgerissene Verbindung den Kontakt direkt an; NTP tauschte weiterhin Zeitdaten aus.

Die Uhr kann zwei Fragen hören

Ist der andere Rechner erreichbar? Und was sagen seine Zeitmessungen? Auf einem Dienst mit einzelnen Datagrammen musste NTP die erste Antwort aus vergangenen Reaktionen erschließen. RFC 1165 beschreibt ein Schieberegister für die letzten acht Übertragungen. Bleibt jede Antwort aus, wird der Partner als unerreichbar eingestuft. Acht Klingelversuche, achtmal Stille, dann ein Eintrag im Buch. Die Methode holte aus wenigen Beobachtungen eine brauchbare Entscheidung.

Crowcroft und Onions probierten einen anderen Weg zum selben Partner. Ihr experimenteller RFC definierte Remote Operations und eine ASN.1-Syntax für NTP über einem OSI-Stack. Die Autoren wollten OSI-Anwendungen einen Zeitdienst geben, automatisch prüfbare Spezifikationen und erzeugten Code ausprobieren und verbindungsorientierte Dienste wie X.25 verwenden. Eine Verbindung besitzt einen eigenen Zustand: Sie ist aufgebaut, abgebrochen oder noch im Aufbau. Der Transport kann diese Auskunft geben, bevor NTP acht unbeantwortete Pakete zählt.

Deshalb kamen vier Zustände in die Aufzeichnungen für jeden Partner. Connected bezeichnet eine bestehende Verbindung mit laufendem Austausch von Synchronisationsdaten. Connecting steht für einen Verbindungsversuch. Accepting beschreibt eine eingetroffene Anfrage, deren Transport- und Sitzungsverhandlung noch nicht abgeschlossen ist. Disconnected heißt, dass der Partner nicht kontaktiert werden konnte. Bei großer Entfernung konnte der Aufbau Sekunden dauern. Er lief asynchron, damit ein langsamer Gesprächspartner nicht den Austausch mit den übrigen Uhren blockierte.

Ein A-ASSOCIATE.REQUEST leitete die Assoziation ein; nach der entsprechenden Anzeige beim anderen Teilnehmer folgten regelmäßige Remote-Operationen mit NTP-Parametern. Die Protokollversion oder die Präzision der lokalen Uhr änderten sich während einer Verbindung kaum. Solche Angaben konnten beim Aufbau bekannt werden und bei späteren Aufrufen entfallen. RFC 1165 erwog auch eine Authentisierung beim Verbindungsaufbau, falls sie verwendet würde. Die Zeitdatenfelder blieben an die bestehende NTP-Spezifikation angelehnt. Implementierungen konnten vertraute interne Zustände behalten und für ROS/ASN.1 kodieren.

Eine offene Verbindung liefert Erreichbarkeit; über die Güte der Zeit entscheiden die Messungen auf dieser Verbindung. RFC 1165 betonte die Schwankung der Paketlaufzeit stärker als die reine Netzgeschwindigkeit. Eine langsamere Leitung mit gleichmäßigem Transit konnte für die Synchronisation günstiger sein als eine schnelle mit sprunghaft wechselnder Verzögerung. Die Autoren nannten diese Überlegung „Ketzerei“. Ein hübscher Seitenhieb auf die Vorstellung, mehr Tempo auf dem Datenblatt mache automatisch die bessere Uhr. Entscheidend ist, wie unterschiedlich die einzelnen Zeitproben ankommen.

Der Vorschlag hatte bereits praktische Nachbarn. Mehrere Standorte in Großbritannien betrieben NTP über ROS und X.25 mit einer früheren Fassung der ROS-Spezifikation. Mindestens ein Standort hatte solche Partner im Vereinigten Königreich und daneben UDP-Partner an US-amerikanischen Internetstandorten. Die ersten Erfahrungen schilderte der RFC als vielversprechend; der Umfang der Vergleichstests blieb begrenzt. Der historische Befund ist die Brücke selbst: Ein Zeitdienst konnte zwei Transportwelten bedienen und die Herkunft seiner Erreichbarkeitsanzeige je nach Weg wechseln.

Für den Betrieb wurde damit sichtbar, wer eine Aussage belegen konnte. Acht Antwortmarken erzählen eine jüngere Geschichte der Paketübertragung. Der Zustand einer OSI-Assoziation beschreibt die gegenwärtige Verbindung und hält beim Aufbau gelernte Informationen bereit. NTP-Messwerte sagen etwas über Laufzeit, Versatz und Streuung der Zeitproben. RFC 1165 nahm dem Zeitprotokoll eine Rateaufgabe ab, sobald eine andere Schicht die Antwort bereits in der Hand hielt. Eine Uhr muss nicht auch noch die Telefonzentrale spielen.