Zusammenfassung

  • Martin Pels und Aleksi Suhonen verfassten RIPE-Vorschlag 2014-04. Er entfernte die Pflicht zu einer vorherigen IPv6-Allokation für das einmalige IPv4-/22 aus dem letzten /8.
  • Am 4. März 2015 wurde der Vorschlag angenommen; am 19. März meldete das RIPE NCC die Umsetzung. Die übrigen Voraussetzungen blieben bestehen.

IPv6 im Betrieb, falscher Beleg im Ordner

Eine Organisation hatte bereits eine Provider-Independent-Zuweisung für IPv6, kurz PI. Als Local Internet Registry wollte sie ihr damals einmaliges IPv4-/22 aus dem letzten Adressvorrat des RIPE NCC beantragen. Das Formular verlangte jedoch eine IPv6-Allokation. Die PI-Zuweisung erfüllte diese Bedingung nicht. Um an IPv4 zu kommen, hätte die Organisation eine andere IPv6-Zuteilung beantragen und ihre vorhandene PI-Zuweisung zurückgeben müssen. Der Antrag fing an, die Netzplanung zu dirigieren.

Genau dieses Beispiel steht in RIPE-Vorschlag 2014-04 von Aleksi Suhonen und Martin Pels, der dort als Mitarbeiter von AMS-IX geführt wurde. Die alte Bedingung sollte IPv6 voranbringen. Die Autoren unterschieden zwischen dem Besitz einer Allokation und tatsächlicher Einführung. Der erste Schritt hinterlässt einen Registereintrag. Der zweite verlangt funktionierende Dienste und Verkehr über IPv6.

Pels stellte eine frühere Fassung in der Address Policy Working Group vor. Das Protokoll von RIPE 68 zeigt, wie rasch die Debatte um die richtige Art von IPv6-Bestand kreiste. Eine eng formulierte Ausnahme hätte eine neue Liste zulässiger Bescheinigungen geschaffen. Laut Vorschlagsakte gelang für die älteren Formulierungen kein Konsens. Die Schlussfassung strich die Voraussetzung vollständig.

Bei RIPE 69 beschrieb ein Teilnehmer die bisherige Pflicht als „vier weitere Klicks“ für einen IPv6-Antrag. Das war eine Wortmeldung, keine gemessene Bearbeitungszeit. Größer war die Sorge um das Signal: Wer IPv6 aus der IPv4-Regel entfernte, konnte missverstanden werden. Das RIPE NCC erwartete weniger IPv6-Allokationsanträge und möglicherweise mehr Erklärungsarbeit. Im Vorschlag steht zudem die Möglichkeit eines etwas schnelleren IPv4-Verbrauchs. Diese Prognosen gehören zur damaligen Abwägung; sie messen keine spätere Einführung.

In einer Nachricht vom Dezember 2014 schrieb Pels, das RIPE NCC könne Antragsteller für ein /22 weiterhin auf IPv6 hinweisen. Dafür müsse niemand erst eine Pflichtallokation entgegennehmen. Ein hilfreiches Gespräch am Schalter braucht keinen erzwungenen Beleg.

Die Vorschlagsakte datiert die Annahme auf den 4. März 2015. Die Umsetzungsmitteilung des RIPE NCC vom 19. März bestätigt: Mitglieder konnten das damalige einmalige /22 ohne vorherige IPv6-Allokation beantragen. Der Satz beschreibt die damalige Verfahrenslage; für heutige IPv4-Bestände gelten aktuelle Unterlagen.

Originalquellen