Summary

  • Der Fidonet-Knoten der Universität Malawi protokollierte Anrufe und Nachrichten und glich die Daten mit Telefonrechnungen ab, um monatliche und kumulierte Kosten je Kilobyte internationaler E-Mail zu berechnen.
  • Die Zahlen beschreiben einen Store-and-Forward-Dienst und seine Telefonverbindungen. Sie sind weder eine Prüfung des nationalen Telefonnetzes noch ein vollständiger Internetanschluss oder eine Statistik zu Internetnutzern im Land.

Analyse

Das Netz führte auch Buch

Paulos Nyirenda schlug 1992 einen praktischen Versuch vor: Könnten Computer und gewöhnliche Telefonleitungen die Kommunikation zwischen den weit verstreuten Colleges der Universität Malawi und den Forschungsstellen verbessern? Und wie teuer wäre das verglichen mit Reisen, Fax und Sprachanrufen? Das erste Budget betrug 5.123 Kwacha, nach seiner Schätzung etwa 1.000 US-Dollar. Es ging nicht um ein kleines nationales Backbone, sondern um ein alltägliches Problem: Informationen erreichten verstreute Einrichtungen schlecht, während Telefonate teuer und Leitungen unzuverlässig waren.

Im September 1993 bekam das Chancellor College in Zomba eine direkte Telefonleitung. Der Knoten nutzte Fidonet auf einem geliehenen 386er und ein 2.400-Baud-Modem. Nachrichten und Dateien wurden offline vorbereitet, komprimiert und während einer Telefonverbindung übertragen. Internationale E-Mail wartete am Knoten auf den nächsten Sendezeitpunkt.

Die erste internationale Route war mühsam. Malawis Fidonet-Adresse hing am Netz der Universität von Sambia; die Verbindung zu dessen Knoten war schwierig und die Leitungsqualität schlecht. Im November 1993 wechselte das Team laut Nyirenda zum Africa Zone Gate an der Rhodes University in Südafrika. Danach hätten sich Erfolgsquote und Qualität der Verbindung verbessert. Das ist der Bericht des Betreibers über eine Route, keine landesweite Leitungsprüfung.

Der Knoten machte auch seinen Betrieb messbar. Die Software erzeugte tägliche, anrufweise und nachrichtenweise Protokolle. Ein Tracker hielt Herkunft, Ziel, Datum und Umfang der Nachrichten fest. Das Team glich die Daten mit Telefonrechnungen ab und analysierte sie mit selbst entwickelten Werkzeugen. Die veröffentlichte Messreihe umfasst Oktober 1993 bis März 1994 und vor allem das Volumen internationaler E-Mail.

Nyirenda teilte die Telefonkosten durch das übertragene Volumen. Die gemeldeten Monatskosten sanken von 4,68 Kwacha je Kilobyte im Oktober auf 0,88 im März. Im kumulierten Rechenweg ging der Wert von 4,68 auf 1,10 zurück. Das sind die Angaben des Kapitels für diesen Knoten und Zeitraum, nicht die Gesamtkosten aller Dienste, der Preis für Internettransit oder ein geprüftes nationales Tarifmaß.

Die Protokolle machten auch die Finanzierung diskutierbar. Der Knoten empfahl eine Gebühr von einem Kwacha pro Kilobyte internationaler E-Mail. Nyirenda schrieb 1996, dieser Satz gelte weiterhin. Die Nutzer hätten eine Abrechnung je Nachricht einer Pauschale vorgezogen. Das war eine auf gemessenem Verkehr beruhende Dienstentscheidung, kein Beleg für gleiche Zahlungsfähigkeit aller Organisationen.

Die Abgrenzung zum vollständigen Internet ist wichtig. Im Mai 1995 meldete Nyirenda mehr als 120 angeschlossene Computer oder Organisationen und etwa 600 Nutzer; ein vollständiger Internetdienst hing jedoch noch von der Finanzierung ab. Im Mai 1996 lief das Netz weiterhin hauptsächlich nach dem Store-and-Forward-Prinzip. Ein Traceroute von 1997 aus Großbritannien zu einem MalawiNet-Server über eine E1-Satellitenverbindung markiert eine spätere Stufe, keinen flächendeckenden öffentlichen Zugang.

Der überraschende Ertrag des frühen Netzes war also nicht allein E-Mail. Ein Dienst für kostengünstigen Nachrichtentransport erzeugte zugleich Betriebsdaten: erfolgreiche Anrufe, internationales Volumen und die zugehörige Rechnung. Diese Daten konnten die Planung und Abrechnung des Knotens beeinflussen. Sie belegen weder eine Änderung des nationalen Telefondienstes noch, dass das ganze Land verbunden war.

Quellen