Zusammenfassung

  • Auf einer BBN-Sitzung am 10. Januar 1979 stellten ARPANET-Mailentwickler fest, dass lokale Varianten und Teilimplementierungen den gemeinsamen Dienst beschädigten. Leerzeichen in Nutzernamen für Mail zwischen Hosts, mehrere @ in einer Mailbox und die kaum implementierten Adressarten Include und Postal aus RFC 733 wurden ausgeschlossen. Die FTP-Antwortcodes von MAIL/MLFL sollten unverändert bleiben.
  • Duane Adams sollte strittige kleine Änderungen entscheiden; Sprache, Fax und Grafik gehörten in einen neuen strukturierten Maildienst. Jon Postel veröffentlichte die rückblickenden Notizen als RFC 808 erst am 1. März 1982 und führte andauernde Schwierigkeiten auf die fehlende damalige Dokumentation und Spezifikationsänderung zurück.

Viele Computerräume teilen sich ein Förderband für Briefe. Jeder montiert ein praktisches Zusatzteil daran. Was im ersten Raum glattläuft, verklemmt sich im zweiten. Im Januar 1979 besprachen Mailentwickler bei BBN, wie sie das Förderband des ARPANET vor weiteren gut gemeinten Einfällen schützen konnten. Jon Postel beschrieb die Sitzung drei Jahre später in RFC 808. Das Band ist ein Bild; die Dokumentationslücke ist Postels eigene Diagnose. Wichtige Entscheidungen wurden damals weder aufgeschrieben noch in die Spezifikationen übernommen.

Mailprogramme waren nicht als ein einheitliches Forschungsprojekt entstanden. Die vorläufige Liste im Anhang nennt verschiedene Sender, Leser und Dienstprogramme auf verschiedenen Rechnern. In der Sitzung ging es um Hosttabellen, Adressformen, merkwürdige FTP-Antworten und die Frage, ob ein unbekanntes Postfach sofort oder erst später eine Fehlermeldung auslöst. Duane Adams verlangte, den gesamten Nachrichtendienst anzusehen. Eine bequeme lokale Oberfläche konnte dem nächsten System trotzdem ein unlesbares Paket schicken.

Postel nennt zwei verbundene Ursachen: Das Protokoll ließ Varianten zu, während die meisten Systeme nur Teile davon implementierten. Kleine Änderungen an einer Stelle verursachten deshalb unerwartete Ausfälle an anderer. Die Gruppe wollte den bestehenden Dienst rasch stabilisieren. Einige geringfügige Änderungen blieben möglich, über strittige Fälle sollte Adams entscheiden. Eine vollständige Umsetzung aller auf dem Papier vorhandenen RFC-733-Funktionen wurde dem laufenden Betrieb nicht auferlegt.

Die Grenze verlief durch konkrete Zeichen und Codes. Leerzeichen in Nutzernamen zwischen Hosts konnten vorhandene Programme brechen. Mehrere @ in einer Mailbox ebenfalls. Die Adressarten Include und Postal aus RFC 733 waren allgemein nicht implementiert und wurden aus der Zusage des bestehenden Dienstes genommen. An den FTP-Antwortcodes für MAIL/MLFL sollte niemand weiter schrauben. Ein Sender mochte das neue Format mögen; bezahlen musste die Maschine, die es auf dem nächsten Hop nicht verstand.

Die Sitzung verwechselte Stabilität nicht mit Ideenarmut. Teilnehmer beschrieben die dauernden Reparaturen als Flicken auf Flicken und forderten eine Version zwei. Der neue Dienst sollte strukturierte Daten für Sprache, Fax und Grafik behandeln. Jack Haverty verwies auf die MSDTP-Sprache von RFC 713 als mögliche Definitionshilfe. Postel erhielt einen Entwurfsauftrag für Februar 1979; sein späterer Rückblick hält fest, dass daraus im März IEN-85 wurde, später abgelöst von RFC 759 und 767. Für das alte Förderband galt eine engere gemeinsame Zusage, für das neue gab es eine eigene Werkstatt.

Personal Computer deuteten weitere Architekturfragen an. Sie wären nicht ständig eingeschaltet, um Mail anzunehmen; Nutzer könnten ihre Postfächer auf größeren Rechnern halten und später abfragen. NSW-Nutzer gehörten keinem bestimmten Host an, sodass user@host ihre Mailbox nicht gut beschrieb. Bob Thomas schlug vor, NSW als virtuellen Host zu betrachten. Solche Fragen nach Verfügbarkeit und Identität ließen sich nicht auf Dauer als lokale Sonderfälle im alten Dienst verstecken.

Die eigentliche Pointe schlug nach der Sitzung zu. Man hatte fehlende gemeinsame Grenzen als Problem erkannt und selbst eine neue Grenze gezogen. Doch die Entscheidung blieb für entfernte Entwickler unsichtbar. Als Postel 1982 schrieb, nannte er seine Erinnerungen nach drei Jahren zwangsläufig unvollständig und verband die Lücke ausdrücklich mit fortdauernden Mailproblemen. Eine Regel im Gedächtnis der Teilnehmer ist für den Programmierer in einer anderen Einrichtung keine Spezifikation.

RFC 808 zeigt, wie ein Standard kleiner werden kann, damit ein Dienst tatsächlich zusammenarbeitet. Die reichere Mail sollte entstehen; sie musste nicht in Programmen behauptet werden, die noch nicht dazu fähig waren. Auf die Bremse zu treten war eine technische Leistung. Die Nachricht darüber rechtzeitig zu verschicken wäre die zweite gewesen.