• Kolumbien hat die Glasfaserausschreibung für Amazonas und Putumayo im Umfang von 1,14 Bio. COP aufgehoben, nachdem die geschätzten Kosten gegenüber dem ursprünglichen Haushalt für 2025 um 67,1 % gestiegen waren
  • Die Regierung muss nun entscheiden, wie ein Netz, das rund 100.000 Haushalte anbinden sollte, neu konzipiert oder ersetzt werden kann

Der Sachverhalt

Das Ministerio de Tecnologías de la Información y las Comunicaciones (MinTIC) hat ein geplantes Glasfasernetz in den Departamentos Amazonas und Putumayo aufgehoben, nachdem die geschätzten Kosten von 683 Mrd. COP auf rund 1,14 Bio. COP gestiegen waren. Nach Angaben des Ministeriums ergab die Prüfung finanzielle Unsicherheiten sowie technische Risiken, Umweltrisiken und Risiken hinsichtlich der tatsächlichen Netzabdeckung.

Das Projekt sollte über mehr als 1.600 km Glasfaser auf Fluss- und Landrouten rund 100.000 Haushalte und 227.000 Menschen anbinden. Geplant waren Verbindungen zum nationalen Backbone Kolumbiens und zur InfoVías-Infrastruktur Brasiliens. Die Finanzierung von Bau, Betrieb und Wartung war bis 2035 genehmigt worden; zudem wurden am 4. August künftige Ausgaben bewilligt, bevor die Ausschreibung später im selben Monat aufgehoben wurde. Das Ministerium hat bislang weder ein Ersatzprojekt angekündigt noch mitgeteilt, ob ein überarbeitetes Netz die geplante Verbindung mit Brasilien beibehalten würde.

Die Analyse

Die Aufhebung verändert die nächsten Aufgaben von MinTIC. Das Ministerium wählt nun nicht mehr einen Auftragnehmer für den Bau des Netzes aus. Zunächst muss es entscheiden, ob die geplante Route, die technische Auslegung und das Budget weiterhin sinnvoll sind. Angesichts des Anstiegs der geschätzten Kosten um 67,1 % und der neu festgestellten technischen Risiken, Umweltrisiken und Abdeckungsrisiken kann der ursprüngliche Plan nicht einfach unverändert erneut ausgeschrieben werden.

MinTIC muss nun die Projektplanung überprüfen, bevor das Vergabeverfahren wieder aufgenommen werden kann. Dazu gehört die Entscheidung, welche Teile des ursprünglichen Konzepts beibehalten werden sollen, darunter die Kombination aus Glasfasertrassen entlang von Flüssen und über Land sowie die geplante Verbindung mit Brasilien. Anschließend muss diese Auslegung mit einem Budget in Einklang gebracht werden, das die Regierung zu finanzieren bereit ist. Das Ziel einer besseren Konnektivität in Amazonas und Putumayo bleibt unverändert, doch die Regierung benötigt weiterhin einen Plan, den sie tatsächlich für umsetzbar hält.

Für die Leserinnen und Leser von BTW wäre das nächste Fortschrittssignal ein überarbeitetes Projekt, das wieder vergabereif ist. Dafür braucht es eine klare Route, ein klares Budget und einen klaren Umsetzungsplan – nicht lediglich eine weitere Finanzierungsankündigung. Bis MinTIC diese Einzelheiten veröffentlicht, bleibt das Projekt ein Konnektivitätsziel und ist noch keine baureife Infrastruktur.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten sind ein Ersatzplan für das Netz, ein überarbeitetes Budget und ein neuer Zeitplan für die Vergabe von MinTIC. Aus jedem neuen Entwurf sollte hervorgehen, wie die Regierung die technischen Risiken, Umweltrisiken und Abdeckungsrisiken angehen will, die zur Aufhebung geführt haben. Ob die geplante Verbindung mit Brasilien beibehalten wird, zeigt außerdem, wie viel von der ursprünglichen Netzplanung bestehen bleibt.