Zusammenfassung

  • Der .kids-Registervertrag gibt DotKids Foundation Limited Regeln für kindgerechte Namen und Inhalte sowie die Befugnis, Verstöße mit Sperrung oder Löschung zu ahnden. Ein Forscher berichtete bei RIPE 93 von einem defekten Meldeknopf und einem reparierten Formular, das jeden Domainnamen einzeln verlangte.
  • Eine Untersuchung fand 176 mutmaßliche Verstöße im Wortlaut der Namen. Auf Sperrlisten markierte Namen blieben im Median 34 Tage in der Zone. Die monatliche ICANN-Tabelle zählt Domains und Löschungen, aber keine Fallzeiten.

Am Eingang zur Sicherheit steht ein Formular

Wer .kids betreibt, wählt einen Namen, der Vertrauen verspricht. Der bei ICANN veröffentlichte Registervertrag macht daraus eine konkrete Pflicht: Spezifikation 12 verlangt kindgerechte Grundsätze für Domainnamen und Inhalte. Ein Verstoß kann zur Sperrung oder Löschung führen. DotKids Foundation Limited hat also einen Hebel. Entscheidend ist, wie ein Hinweis bis zu diesem Hebel gelangt.

Die Anti-Missbrauchsrichtlinie des Betreibers nennt eine Meldeadresse und Möglichkeiten zum Ablehnen, Löschen, Übertragen, Sperren oder Halten eines Namens. Phishing und Schadsoftware stehen ausdrücklich darin. Eine öffentlich festgelegte Frist für die Bearbeitung eines Falles steht nicht darin. Zwischen Postfach und Entscheidung bleibt die wichtigste Betriebsstrecke unsichtbar.

Der Vortragstext von RIPE 93 liefert einen Belastungstest. Das Team von Matteo Liberato an der Universität Twente untersuchte von Mai 2022 bis März 2026 ungefähr 1.400 tägliche Momentaufnahmen. Es fand 176 mutmaßliche Verstöße, die schon an der Zeichenfolge des Domainnamens erkennbar waren. Auf externen Sperrlisten markierte Namen blieben im Median 34 Tage in der .kids-Zone. Das misst ihre weitere Sichtbarkeit nach einer externen Markierung. Es misst nicht, wie schnell DotKids auf eine eingegangene Meldung reagierte. Zwischen Markierung, Eingang, Prüfung und Beschluss liegen Schritte, deren Zeitstempel öffentlich fehlen.

Im Protokoll der RIPE-Sicherheitsgruppe wird aus der abstrakten Frage ein kaputter Knopf. Liberato sagte, das Missbrauchsformular habe sich über den Meldeknopf nicht erreichen lassen. Sein Team habe DotKids etwa zwei Wochen vor dem Vortrag informiert; der Betreiber habe schnell geantwortet und den Weg zum Formular wiederhergestellt. Das funktionierende Formular verlangte dann für jede Domain einen eigenen Eintrag mit Bildschirmfoto und Erklärung. Das Team wollte rund 300 Kandidaten melden und bat um eine Sammelstelle oder verarbeitbare Liste. Nach Aussage des Forschers arbeitete DotKids daran. Das Protokoll dokumentiert seine Schilderung, keine Fallakte des Registers und kein abschließendes Ergebnis.

Ein Klickfehler lässt sich beheben. Schwieriger ist die Frage, was ein Register mit 300 begründeten Hinweisen macht, wenn sein Schalter nur ein Päckchen pro Besuch annimmt. Bildschirmfotos und Erläuterungen schützen vor falschen Anschuldigungen. Ein dokumentierter Stapel ließe sich dennoch entgegennehmen, mit Eingangsnummern versehen, auf Dubletten prüfen und einzeln entscheiden. Die Kapazität des Eingangs ist ein Teil der Durchsetzung. Wer sie ignoriert, erklärt die Warteschlange zur Sicherheitsstrategie.

Die Tabelle kennt den Grund nicht

Die Originaldatei von ICANN für März 2026 meldet insgesamt 6.666 Domains und 100 Löschungen außerhalb der Kulanzfrist. Das sind sinnvolle Bestands- und Transaktionszahlen. Die Datei sagt nicht, ob eine Löschung auf Ablauf, Wunsch des Inhabers, Maßnahme des Registrars oder eine Missbrauchsentscheidung zurückgeht. Sie enthält weder Eingangstag einer Beschwerde noch Prüfungs-, Entscheidungs- oder Sperrzeitpunkt. Wer aus den 100 Löschungen 100 Siege für Kinderschutz macht, hat einer Buchhaltungsspalte eine Uniform angezogen.

Das Register braucht Ermessen. Eine externe Sperrliste kann irren, ein verdächtiges Wort kann im Zusammenhang harmlos sein. Gerade deshalb sollte jeder Fall einen Weg hinterlassen: Signal, Eingang, überprüfte Belege, Entscheidung, Maßnahme und letzter Zonenstatus. Monatliche Summen von Ergebnissen und Bearbeitungszeiten könnten veröffentlicht werden, ohne Kinder oder Hinweisgeber offenzulegen. Dann ließe sich ein gut begründeter Freispruch von einer liegen gebliebenen Akte unterscheiden.

Heng Lus Notiz 73 fragt, wer Beteiligung in Befugnis verwandelt. Hier geben Forscher Hinweise, ICANN hält den Vertrag und DotKids entscheidet. Der öffentlich sichtbare Übergang von Hinweis zu Entscheidung fehlt. Das Versprechen auf dem Schild ersetzt keine Eingangsnummer. Die Sperrklausel unterschreibt keinen Bescheid.