Zusammenfassung

  • RFC 1384 sah an der Spitze des X.500-Verzeichnisbaums Länder, internationale Organisationen, einige Ortsangaben und wenig Serverinformation vor. Der Eintrag Internet war für den Dienst übernommen, aber nicht formell registriert.
  • Nur Ländereinträge hatten dort eine anerkannte Registrierungsstelle. Multinationale Unternehmen sollten unter nationalen Zweigen stehen und über Aliasse oder lose Verweise verbunden werden.

Der oberste Ordner eines Archivs wirkt amtlich, noch bevor jemand sein Etikett gelesen hat. Genau darin lag ein Problem für das frühe X.500-Verzeichnis. Peter Barker und Steve Hardcastle-Kille wollten im Leitfaden von Januar 1993 eine durchsuchbare Ordnung schaffen. Sie schrieben zugleich auf, dass nicht jeder Eintrag an der Spitze durch dasselbe Verfahren dorthin gekommen war.

Unmittelbar unter der Wurzel konnten teilnehmende Länder, internationale Organisationen, wenige Orte und notwendige Angaben zu Verzeichnisservern erscheinen. Eine internationale Organisation hatte einen Auftrag über Staatsgrenzen hinweg. Ein kommerzielles Unternehmen mit Niederlassungen in vielen Ländern blieb ein multinationales Unternehmen. Seine Einträge gehörten in Länder- oder Ortszweige. Die Größe der Firma ersetzte keinen international begründeten Platz direkt an der Wurzel.

Denkwürdig war der bereits vorhandene Eintrag Internet. Das RFC nannte ihn den einzigen bis dahin registrierten Eintrag einer internationalen Organisation und schränkte sofort ein: Diese Registrierung war nicht formell, sondern für den Internet Directory Service übernommen worden. Der DNS-Teil des X.500-Verzeichnisbaums sollte unter O=Internet liegen. Es ging um einen Pfad in diesem Verzeichnis, nicht um die Verwaltung der DNS-Root-Zone.

Die Autoren hielten die Lücke nicht geheim. Für Informationen auf der obersten Ebene gab es nur bei Ländern eine anerkannte Registrierungsstelle. Andere Arten von Einträgen konnten Schwierigkeiten bereiten. Im Pilotbetrieb, so ihr Urteil, überwog trotzdem der Nutzen. Das Verzeichnis sollte bereits auffindbare Wege anbieten, bevor für alle diese Wege ein gleich klarer institutioneller Unterbau vorhanden war.

Bei multinationalen Unternehmen zeigte sich die Wirkung der Platzierung besonders deutlich. Der Leitfaden bot drei Modelle: einen zentralen Organisationszweig mit Alias-Einträgen in den Tätigkeitsländern; eigenständige nationale Zweige, die durch Aliasse zusammenhingen; oder getrennte Teile mit weichen seeAlso-Verweisen. Im letzten Modell musste die Benutzeroberfläche erst entscheiden, dem Verweis zu folgen. Ein Suchender sah damit entweder eine Zentrale, mehrere nationale Ansichten oder Fragmente, die sein Programm erst verbinden musste.

Auch der Name am Ordner war eine Entscheidung über Auffindbarkeit. University College London eignete sich nach dem Leitfaden besser als Hauptname als UCL, weil vertraute Initialen in einem offenen Verzeichnis mehrdeutig werden konnten. Die Kurzform durfte als alternativer Suchwert bleiben. Ein flacher, gut durchsuchbarer Baum war den Autoren wichtiger als ein exaktes Abbild jeder internen Firmenhierarchie.

Der Originaltext beschreibt eine informative Pilotenanleitung und keine Bestandsaufnahme aller Installationen. Sein präziser Befund ist die unterschiedliche Grundlage zweier benachbarter Positionen: Internet hatte einen praktischen Platz im obersten Stockwerk; bei Ländern stand eine anerkannte Registrierungsstelle hinter dem Eintrag.