Zusammenfassung

  • RFC 1012 verzeichnete im Juni 1987 die Nummern 1 bis 999 mit Autoren, Titeln, Institutionen und Daten. Im offiziellen Text tragen 66 gewöhnliche Nummern den Vermerk „Never Issued“.
  • RFC 4 ist dort auf den 24. März 1969 datiert, RFC 1 auf den 7. April; RFC 31 trägt Februar 1968. Dazu kommen die Einschübe RFC 17a und RFC 42a. Die Bibliografie liefert genaue Fundstellen für eine Untersuchung der ursprünglichen Dokumente.

Wer vor einem Aktenschrank mit Schildern von 1 bis 999 steht, erwartet 999 gefüllte Fächer. Joyce Reynolds und Jon Postel waren in ihrer RFC-1012-Bibliografie weniger großzügig mit der Mathematik. 66 gewöhnliche Nummern sind mit „Never Issued“ beschriftet. Fach 14 bleibt leer, Fach 26 ebenso. Von 257 bis 262 gibt es sechs leere Fächer hintereinander. Die Autoren haben diese Stellen nicht zusammengezogen. Sie haben sie vermerkt und damit eine Versuchung vermieden, der Jubiläumschroniken gern erliegen: fehlende Stücke als saubere Reihe auszugeben.

Die im Juni 1987 erschienene Arbeit nennt sich ein Nachschlagewerk für die Internetgemeinde. Sie fasst RFC-Nummern 1 bis 999 aus den Jahren 1969 bis 1987 bibliografisch zusammen und füllt 64 gedruckte Seiten. Ein Eintrag nennt gewöhnlich Autor, Titel, Institution und Datum. Frühere Einträge bewahren oft noch die Kennung des Network Information Center. So lässt sich eine Nummer zu einem konkreten Text zurückverfolgen und ein Text zu den Leuten, die ihn geschrieben haben. Mit zunehmender Zahl von Papieren wurde das Finden selbst zur technischen Gemeinschaftsaufgabe.

Schon die ersten Einträge zeigen, dass eine Nummernfolge keine Zeitleiste ist. RFC 1, Steve Crockers „Host Software“, steht mit dem 7. April 1969 im Verzeichnis. RFC 4, Elmer Shapiros „Network Timetable“, trägt den 24. März desselben Jahres. RFC 31 von Daniel Bobrow und William Sutherland, „Binary Message Forms in Computer Networks“, ist sogar auf Februar 1968 datiert. Das sind die in der Bibliografie gedruckten Angaben. Wer erklären will, wann die Arbeiten verfasst, nummeriert und verbreitet wurden, braucht die Originale und die Ausgabeunterlagen. Ein Regalplatz hilft beim Suchen; er hat keine eingebaute Uhr.

Zwei Plätze tragen Buchstaben. Robert Kahns Antwort auf Fragen zu RFC 17 erscheint als RFC 17a. Enrico Anconas Arbeit über die Benutzersicht des TSP-Systems steht als RFC 42a. Das Verzeichnis hielt also auch Ergänzungen einer laufenden Diskussion fest. Zusammen mit den 66 leeren Nummern widerlegen sie den schnellen Schluss, hinter den Zahlen 1 bis 999 stünden 999 gleichartig veröffentlichte Papiere. Die Reihe war eine Ordnungshilfe für Arbeit, kein Automat, der bei jeder Zahl ein Dokument ausspuckte.

Die besetzten Fächer zeigen, wie breit diese Arbeit war. Auf den ersten Seiten stehen Hostsoftware, Schnittstellen, Dokumentationsregeln, Netzzeitpläne, Besprechungen und Verteilerlisten. Die Gemeinschaft musste nicht nur Formate für Maschinen festlegen. Sie musste auch wissen, wer eine Notiz erhalten hatte und wo die letzte Antwort zu finden war. Jeanne B. Norths RFC 84 vom Dezember 1970 heißt „List of NWG/RFC's 1-80“. Noch vor der ersten Hundertermarke legte jemand ein Verzeichnis an; das große Verzeichnis von 1987 nahm dieses kleinere Verzeichnis in sich auf.

Später finden sich andere Spuren fortlaufender Pflege. Jon Postels RFC 750 „Assigned Numbers“ ist auf den 26. November 1978 datiert. Dave Smallbergs RFCs 832 bis 839 heißen achtmal „Who Talks TCP?“ und reichen von Dezember 1982 bis Januar 1983. Die Titel und Daten zeigen eine wiederkehrende Beobachtungsfrage. Welche Antworten die Erhebungen jeweils lieferten, steht in den acht Originaltexten. Die Bibliografie liefert den Weg dorthin. RFC 999 wiederum ist Ann Westines und Jon Postels Zusammenfassung der Nummern 900 bis 999, datiert auf April 1987. Die große Liste endet bei einer kleineren Liste.

Papierarbeit kann sich selbst referenzieren und trotzdem ausgesprochen nützlich sein.

UCLA/NMC, SRI, BBN, MIT Project MAC und das Network Information Center erscheinen unter den frühen Herkunftsorten. Ihre Namen zeigen, dass die Geschichte einer vernetzten Technik auf viele Schreibtische verteilt war. Ein Titel wie „Who Talks TCP?“ verweist auf den Versuch, den Zustand der Netze zu beobachten; ein Treffenprotokoll bewahrt eine Diskussion; eine Verteilerliste hält fest, wie die nächste Runde überhaupt erreicht werden konnte. Ein Archiv mit Personen und Institutionen ist ein Gegenmittel zur bequemen Formulierung, „das Internet“ habe etwas einfach beschlossen.

Der Wert des Verzeichnisses hat eine genaue Grenze. Ein bibliografischer Eintrag belegt, dass ein bestimmter Titel unter einer Nummer mit den angegebenen Daten verzeichnet wurde. Er sagt noch nicht, ob eine Spezifikation in Rechnern lief oder ob zwei Implementierungen miteinander arbeiteten. Dafür muss man den Text lesen und Betriebs- oder Versuchsdaten suchen. Die Nummer beschleunigt diese Suche. Sie ersetzt die Belege nicht. Gerade weil Reynolds und Postel ihre Angaben überprüfbar machten, kann man ihre Liste als Ausgangspunkt für weitere Fragen nutzen.

Auch aus „Never Issued“ sollte man keine ganze Biografie für ein leeres Fach zaubern. Das Verzeichnis erklärt bei diesen Stellen weder eine Reservierung noch ein verlorenes Manuskript. Zur Geschichte einer einzelnen Nummer bräuchte man zeitgenössische Korrespondenz oder Verwaltungsunterlagen. Die letzte so markierte gewöhnliche Nummer ist 853. Diese Feststellung ist knapp und stark: Sie nennt die Lücke und ihren Ort. Alles Weitere lässt sich nur mit zusätzlichem Material behaupten.

Eine 64-seitige Bibliografie knapp vor dem tausendsten RFC ist ein hübscher Schluss für eine Epoche, in der technische Gespräche immer mehr Dokumente hervorbrachten. Zwischen Hostsoftware und Protokollumstellungen gab es auch die Arbeit, diese Gespräche auffindbar zu halten. Reynolds und Postel ließen ihre 66 leeren Stühle stehen, statt Besucher darüber zu legen. Dadurch wurde aus der Liste ein belastbarer Zeuge mit Ecken und Kanten.

Der Witz liegt in den freien Plätzen. Die Leistung liegt in den Schildern auf den übrigen: Hier schrieb jemand, von dort kam der Text, an diesem Datum wurde er verzeichnet. Von so einem Regal aus kann die Forschung weitergehen.