Zusammenfassung
- ICANN meldete für die gTLD-Runde 2026 mehr als 1.600 Hauptanträge; mehr als 1.100 enthielten Anträge für Ersatzzeichenfolgen. Die endgültige Zahl lasse sich erst nach Eingang der Bewertungsgebühren bestätigen.
- Der 19. August ist keine einheitliche Schlussfrist. Maßgeblich ist 23:59 UTC an diesem Tag oder sieben Tage nach Versand der Rechnung — je nachdem, welcher Zeitpunkt später liegt.
Die erste Zahl der neuen gTLD-Runde beschreibt eine Warteschlange, noch keinen abschließend finanzierten Prüfbestand. Als ICANN das 15-wöchige Einreichungsfenster am 12. August schloss, lagen mehr als 1.600 Hauptanträge vor. Über 1.100 davon umfassten auch einen Antrag für eine Ersatzzeichenfolge. Die Mehrheit ging in den letzten Tagen ein.
ICANN setzte deshalb selbst eine Grenze um die Schlagzeile: Die endgültige Antragszahl kann erst bestätigt werden, wenn die Bewertungsgebühren eingegangen sind. Zwischen dem Datensatz „eingereicht“ und dem Datensatz „bezahlt“ liegt ein erheblicher Kapitaleinsatz sowie ein Abgleich über mehrere Systeme.
Die reguläre Gebühr beträgt 227.000 US-Dollar je Antrag. Sie deckt die verpflichtenden Bewertungen und weitere Programmleistungen; bedingte Prüfungen können zusätzliche Kosten auslösen. Qualifizierte Teilnehmer des Applicant Support Program erhalten 75 bis 85 Prozent Nachlass, für Varianten gelten Sonderregeln. Eine Multiplikation der 1.600 mit 227.000 wäre daher keine belastbare Aussage über Einnahmen oder investiertes Kapital.
Auch die Frist wurde differenziert. Seit ICANNs Anpassung vom 7. August muss der volle Betrag bis zum späteren von zwei Zeitpunkten eingehen: 19. August, 23:59 UTC, oder 23:59 UTC sieben Tage nach Rechnungsversand. Wurde eine Rechnung am 14. August verschickt, endet die Frist im offiziellen Beispiel am 21. August.
Die Ausnahme folgt dem tatsächlichen Verwaltungsablauf. Eine Einreichung erzeugt nicht sofort eine Rechnung. ICANN führt zunächst eine Sorgfaltsprüfung durch, erstellt danach die Rechnung, versendet sie an den Abrechnungskontakt und benachrichtigt den Antragsteller im TLD Application Management System TAMS. Eine späte Rechnung soll dem Antragsteller nicht einen Teil seiner sieben Tage nehmen.
Entscheidend ist der Eingang, nicht die Überweisungsanweisung. ICANN vermerkt das Empfangsdatum und aktualisiert TAMS nach der Verarbeitung. Erst bei vollständiger Begleichung erscheint der Status Paid. Bank-, Transaktions- und Wechselgebühren trägt der Antragsteller; bei ICANN muss der volle US-Dollar-Betrag eintreffen. Möglich sind Überweisung, ACH, internationales SWIFT oder eine andere genehmigte Methode, nicht aber Bargeld, Scheck oder Kreditkarte.
Der Applicant Guidebook verbindet diese Bedingung mit einer Folge. Wird innerhalb des geltenden Fensters nicht bezahlt, wird der Antrag im Allgemeinen nicht weiterbearbeitet und storniert. Die Regel für späte Rechnungen verschiebt die individuell geltende Uhr, nicht die Zahlungspflicht.
Ein bezahlter Antrag ist zugleich noch kein erfolgreicher Antrag. Gebührenprüfung und Administrative Check folgen, ebenso die Vorbereitung identischer Zeichenfolgen für mögliche Konfliktgruppen. Öffentliche Stellungnahmen, Einwände, Antragsteller- und Antragsbewertung, Konfliktlösung, Vertrag und eine mögliche Delegierung in der Root-Zone bleiben getrennte Schritte.
Für den Administrative Check veranschlagt der Leitfaden etwa acht Wochen, abhängig vom Volumen. ICANN erklärte am 13. August, der Reveal Day solle ohne außergewöhnliche Umstände spätestens neun Wochen nach Schließung stattfinden. Mitte September will die Organisation den Termin und die folgenden Meilensteine nennen.
Am Reveal Day sollen die öffentlichen Teile der Anträge sichtbar werden, die den Check bestanden haben — einschließlich beantragter Zeichenfolgen und möglicher Konflikte. Vorher ist weder der bezahlte Bestand noch die Verteilung auf Antragsteller und Strings öffentlich. Die Zahl von mehr als 1.600 ist damit eine Obergrenze für Planung, keine Prognose künftiger TLDs.
Für Registry-Service-Anbieter, Marken, Berater und Kapitalgeber ist diese Trennung praktisch. Die Einreichung zeigt Absicht, der abgeglichene Zahlungseingang zeigt die Bereitschaft, eine hohe Eintrittsschwelle zu tragen, und erst die Bewertung prüft den Fall. Der nächste belastbare Mengennachweis ist ICANNs Abschlusszahl nach dem Zahlungsabgleich.
Quellen
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