Zusammenfassung
- FRIDAs Aufruf 2026 hatte zwei Themen und vergab ausschließlich Zuschüsse; 2025 gab es vier Themen sowie Anträge für Zuschüsse und Auszeichnungen.
- Die 2026 ausgewählten Projekte entfallen überwiegend auf Internetstabilität und -sicherheit, obwohl die KI-Kategorie etwas mehr Bewerbungen erhielt. Die veröffentlichten Angaben erklären weder diese Differenz noch die Verengung des Aufrufs.
Erst änderte sich die Einladung, dann die Auswahl
FRIDA erhielt 2026 insgesamt 57 Bewerbungen. Dreißig entfielen auf „Künstliche Intelligenz für Internet und Netzwerke“, 27 auf „Internetstabilität und -sicherheit“. Die Liste der ausgewählten Projekte weist eine andere Verteilung auf: Sechs der acht Projekte stehen unter Stabilität und Sicherheit, zwei unter KI.
Diese Abweichung lässt sich erkennen. Sie erklärt aber nicht, wie die Jury die einzelnen Vorschläge bewertet hat. Dafür muss man zuerst betrachten, was der Aufruf den Bewerbern überhaupt anbot.
Die Bewerbungsübersicht für 2025 nannte vier Themen: Internetstabilität und -sicherheit; Internetzugang und Konnektivität; offenes und freies Internet; sowie KI für Internet und Netzwerke. Insgesamt wurden 184 Bewerbungen ausgewiesen, davon 160 für Zuschüsse und 24 für Auszeichnungen. 2026 beschrieb FRIDA einen Aufruf ausschließlich für Zuschüsse und nur noch zwei Themen: Stabilität und Sicherheit sowie KI für Internet und Netzwerke. Zugang und Konnektivität sowie offenes und freies Internet standen in dieser Runde nicht auf der Themenliste.
Das beschreibt den veröffentlichten Aufruf. Es belegt nicht, dass FRIDA oder LACNIC Zugang, Offenheit oder digitale Rechte auf anderen Wegen nicht mehr unterstützen. Die geprüften Unterlagen erklären auch nicht, warum zwei Themen und der Auszeichnungsweg 2026 fehlten. Der Rückgang von 184 Bewerbungen 2025 auf 57 im Jahr 2026 ist kein reines Maß für die Nachfrage: Themenangebot und Förderinstrument änderten sich gleichzeitig.
Ein Förderaufruf ist Teil institutioneller Gestaltung. Seine Themen zeigen Forschenden, Netzbetreibern und zivilgesellschaftlichen Organisationen, welche Probleme in den Förderrahmen passen. Die Förderwege signalisieren, ob ein neues Vorhaben finanziert oder bereits begonnene Arbeit anerkannt werden soll. Wenn sich beides in einem Jahr ändert, lässt sich aus der Gesamtzahl der Bewerbungen nicht ablesen, ob das Interesse sank oder ob sich der Kreis der angesprochenen Vorhaben verschob.
Ein erklärungsbedürftiger Unterschied, kein Urteil
Die Angaben für 2026 erlauben eine einfache Rechnung. In Stabilität und Sicherheit wurden sechs von 27 Bewerbungen ausgewählt, rund 22 Prozent. Bei KI waren es zwei von 30, etwa sieben Prozent. Insgesamt wurden acht von 57 Bewerbungen ausgewählt, ungefähr 14 Prozent.
Diese Quoten sind aus den veröffentlichten Gesamtzahlen für Bewerbungen und Auswahl errechnet; FRIDA bezeichnet sie nicht als offizielle Erfolgsquoten. Sie zeigen, dass die ausgewählten Projekte die Verteilung der Bewerbungen nicht spiegeln. Sie zeigen nicht, weshalb. Die öffentlichen Seiten enthalten weder Bewertungsbereiche je Thema noch Angaben dazu, wie viele Vorschläge die erste Sichtung überstanden, noch beantragte und bewilligte Summen je Kategorie oder eine schriftliche Begründung der Verteilung.
Die Teilnahmebedingungen beschreiben ein zweistufiges Verfahren. Zunächst prüft eine interne Stelle die allgemeinen Voraussetzungen. Vorausgewählte Bewerber reichen anschließend einen vollständigen Antrag für die technische Begutachtung ein. Zu den Kriterien erster Ordnung zählen Relevanz und Anwendbarkeit, Wirkung und Ergebnisse sowie Kontinuität und Übertragbarkeit. Innovation, Geschlechterperspektive und die Ausrichtung an den Zielen für nachhaltige Entwicklung gelten als Kriterien zweiter Ordnung. Ein externer Beirat mit regionalen Fachleuten begleitet den jährlichen Aufruf.
Diese Kriterien können aus guten Gründen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen: weil Vorschläge unterschiedlich gut passen, ihre Methoden verschieden belastbar sind oder das Programm eine bestimmte Portfoliozusammensetzung anstrebt. Aus den veröffentlichten Unterlagen lässt sich nicht erkennen, welche Erklärung zutrifft. Ein Verhältnis von 22 zu sieben Prozent ist Anlass, nach dem fehlenden Kontext zu fragen, aber kein Beleg für eine Absicht der Jury.
Die Zusammensetzung der Bewerber liefert Kontext, aber keine Erklärung. FRIDA zufolge kamen 49,1 Prozent der antragstellenden Organisationen aus dem akademischen Bereich, 31,6 Prozent aus der Zivilgesellschaft, 15,8 Prozent aus der Privatwirtschaft und 3,5 Prozent aus der technischen Gemeinschaft. Keine staatliche Stelle bewarb sich. 46 Prozent traten gemeinsam mit Partnerorganisationen an. Die Seite gliedert diese Werte weder nach Thema noch nach Verfahrensstufe auf; sie erklären daher die endgültige Auswahl nicht.
Ausgewählt heißt noch nicht umgesetzt
Die Projektbeschreibungen für 2026 formulieren Vorhaben. Ein Projekt will BGP-Ankündigungen aktiv verändern, um Filter zu prüfen; ein anderes plant ein regionales Beobachtungssystem für Routinganomalien und die Verbreitung von RPKI. Im KI-Bereich stehen föderiertes Lernen auf preisgünstigen Routern und ein lokal ausgeführtes Modell zur WAN-Steuerung auf der Liste. Das sind konkrete technische Ziele. Die Auswahl belegt aber weder einen bereits eingerichteten Dienst noch eine messbare Verbesserung regionaler Netze.
Die Regeln von 2026 sehen Zuschüsse von bis zu 20.000 US-Dollar, technische Begleitung und eine maximale Laufzeit von zwölf Monaten vor. Der Höchstbetrag ist nicht der Zuschuss für jedes Projekt. Die öffentlichen Beschreibungen nennen weder Einzelbudgets noch Liefertermine. FRIDA verlangt, dass geförderte Entwicklungen und Forschungsergebnisse unter einer geeigneten offenen Lizenz zugänglich werden; vor Projektende soll außerdem ein veröffentlichbarer Open-Access-Abschlussbericht vorliegen. Prüfen lässt sich das später, wenn die Auswahlliste mit Berichten, Repositorien und datierten Umsetzungsständen verbunden wird.
FRIDA besteht seit 2004 und wird heute ausschließlich von LACNIC koordiniert und finanziert. Die jährlichen Aufrufe sind öffentlich und werden von einem externen Gremium begleitet. Das Programm könnte daher den gesamten Förderzyklus nachvollziehbar machen: Was wurde eingeladen, wie kamen Bewerbungen weiter, was wurde ausgewählt und was wurde tatsächlich geliefert? Die Seiten von 2026 zeigen die Einladung und das Ergebnis klarer als die Zwischenschritte und die spätere Umsetzung.
Die vorsichtige Schlussfolgerung ist begrenzt. FRIDA hat seinen öffentlichen Aufruf verengt und mehr Projekte für Stabilität und Sicherheit ausgewählt, obwohl KI etwas mehr Bewerbungen erhielt. Die Seiten erklären keine der beiden Entscheidungen. Ein datierter Hinweis auf Änderungen an den Themen und eine Tabelle mit Bewerbungen und Auswahl je Kategorie würden künftigen Antragstellern helfen, die Prioritäten des Programms zu verstehen.
Quellen
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