Zusammenfassung
- APNIC führt Version 6 von prop-164 zur Diskussion beim APNIC 62 Open Policy Meeting; zum Berichtszeitpunkt gab es weder Konsens noch Umsetzung.
- Der Entwurf senkt die IPv6-Mindestzuteilung auf
/40, richtet Größen an Vier-Bit-Grenzen aus und reserviert Raum für späteres Wachstum. - Genauere nachgelagerte Einträge sind ein plausibles Ziel, doch Reservierung, Rückgabe und das Verhältnis zu prop-170 müssen messbar bleiben.
Eine Organisation kann weniger als ein /32 benötigen und dennoch die an Kunden oder interne Bereiche delegierten Präfixe dokumentieren müssen. Hier setzt prop-164 an. Nach Darstellung der Antragsteller können Inhaber längerer Präfixe solche nachgelagerten Zuteilungen unter den geltenden Regeln nicht vornehmen und zugleich korrekt in Whois oder RDAP erfassen, ohne ein /32 zu beantragen.
APNIC verzeichnet Version 6 mit Veröffentlichungsdatum 2. September 2026 und führt sie zur Diskussion bei APNIC 62. Die auf der offiziellen Seite sichtbare Folgenabschätzung gilt für Version 5 und wurde am 18. August veröffentlicht. Beides sind Schritte eines offenen Verfahrens, keine Belege für Konsens, Annahme oder Umsetzung.
Der aktuelle Text ersetzt die Mindestgröße /32 durch /40. Auch der IPv6-Block für Kontoinhaber mit bestehender IPv4-Zuteilung würde nach dem genannten Kriterium von /32 auf /40 sinken. Delegiert ein LIR an einen direkt verbundenen ISP, müsste es die Angaben in Whois eintragen.
Damit werden Größe und Datenqualität verbunden. Ein kleinerer Anfangsblock könnte es ermöglichen, nur den Bedarf zu erhalten und nachgelagerte Delegationen dennoch als Zuteilungen zu registrieren. Das ist das stärkste öffentliche Argument: bessere Registerdaten, ohne jedes berechtigte Netz zum heutigen Mindestblock zu zwingen.
In Vier-Bit-Schritten
Prop-164 erlaubt keine beliebigen Größen. Erst- und Folgezuteilungen sollen an der nächstkürzeren Vier-Bit-Grenze liegen. Im Beispiel wird aus einem belegten Bedarf für /42 ein /40, ohne zusätzliche Begründung für die Differenz.
Nibble-Grenzen erleichtern die hexadezimale Lesbarkeit, können aber einen größeren Block als den exakt berechneten Bedarf erzeugen. Prop-170 behält /32 bei und regelt bedingte Ausrichtung größerer LIR-Zuteilungen; prop-164 ändert die Mindestgröße selbst und verbindet sie mit Reservierungs- und Verkleinerungsregeln. Die Vorlagen überschneiden sich, sind aber nicht gleich.
Inhaber eines /32 oder kürzeren Präfixes könnten auf /36 oder /40 verkleinern, den ersten Block dieser Größe behalten und den Rest zurückgeben. Inhaber von /40 bis /33 könnten ohne neue Begründung auf /32 wachsen, sofern sie die genannten Kriterien erfüllen.
Reversibilität wird damit zentral. Ein kleiner Startblock ist nur sinnvoll, wenn späteres Wachstum verlässlich ist. Eine Rückgabe ist nur glaubwürdig, wenn das Register ausweist, was zurückgegeben und was reserviert wurde und was bei fehlendem Nachbarraum geschieht.
Die Reservierung ist das eigentliche Hauptbuch
Für Anträge länger als /28 sieht Version 6 eine sparse Zuteilung innerhalb eines /28 vor; die Differenz würde für denselben Inhaber reserviert. Fehlt ein geeignetes /28, würde APNIC die beantragte Größe aus dem größten zusammenhängenden Raum zuteilen, ohne Reservierung. Erschöpft APNIC seinen verfügbaren IPv6-Bestand und erhält keinen Nachschub, würden Reservierungen in den freien Bestand zurückkehren.
Das schafft drei Zustände: delegiert, reserviert aber nicht delegiert und frei. Nur der erste steht unter Kontrolle des Inhabers. Der zweite ist eine bedingte Registerzusage. Der dritte bleibt für andere verfügbar.
Wenn die behauptete Wirkung genauere Registerdaten sind, muss die Reservierung demselben Maßstab genügen. APNIC kann aggregiert berichten, ohne vertrauliche Pläne offenzulegen: Zuteilungen unter /32, reserviertes Volumen, Erweiterungen innerhalb von Reservierungen, fehlende Kontiguität, Verkleinerungen und Freigaben.
Ohne solche Werte könnte der sichtbare Whois-Datensatz besser werden, während wesentliche Entscheidungen in ein unsichtbares Reservierungsbuch wandern. Mit ihnen ließe sich prüfen, ob unnötig delegierter Raum sinkt, Wachstum möglich bleibt und vergleichbare Fälle gleich behandelt werden.
Versionsgrenzen müssen sichtbar bleiben
Die Folgenabschätzung betrifft Version 5. Sie nennt System- und Verfahrensänderungen für Zuteilungen unter /32, Rückgaben, Größenänderungen, Nibble-Grenzen und explizite Reservierungen. Sie fragt auch nach dem Fall eines fehlenden /28 und nach der Notwendigkeit expliziter Reservierungen neben der bestehenden Sparse-Praxis.
Die Abschätzung bat um Klärung, ob Inhaber auf /36 oder /40 oder nur auf /40 verkleinern dürfen. Version 6 nennt beide Möglichkeiten und scheint diese enge Textfrage zu beantworten. APNIC kennzeichnet die Abschätzung für Version 5 aber nicht als vollständige Neubewertung von Version 6.
Das Sekretariat fand kein wesentliches Rechtsproblem und schätzte die Umsetzung bei Konsens auf rund neun Monate, vorbehaltlich redaktioneller Kommentare. Es erklärte auch, prop-164 und prop-170 müssten bei gemeinsamem Konsens abgestimmt werden. Welche Regel für welchen Antrag gilt, muss der endgültige öffentliche Text klären.
Die Antragsteller nennen keine bekannten Nachteile oder Auswirkungen auf Ressourceninhaber. Das ist ihre Einschätzung, kein unabhängiger Nachweis, dass Registeränderungen, NIR-Konsistenz, Rückgaben oder Reservierungen kostenlos sind.
Was unbekannt bleibt
Unbekannt ist, ob die Community Konsens erreicht oder den Entwurf ändert, wie viele Inhaber /36 oder /40 beantragen, wie viel Raum wie lange reserviert würde, ob APNIC und NIRs konsistent entscheiden und wie der Endtext die Überschneidung mit prop-170 löst. Das sind offene Fragen, keine festgestellten Wirkungen.
Quellen
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