Zusammenfassung
- Google startete Sidewiki am 23. September 2009 in seiner Toolbar für Firefox und Internet Explorer. Eine Leiste nahm Beiträge neben beliebigen Webseiten auf; Google sortierte sie nach eigenen Signalen und konnte sie an weiteren Seiten mit demselben Textausschnitt zeigen.
- Die erste API erlaubte lesenden Zugriff nach Seite oder Autor. Im November kamen der Zugriff auf ganze Domains und RSS hinzu. Im September 2011 kündigte Google die Einstellung an; Autoren sollten einige Monate Zeit für den Download haben.
Die Seite bekam einen Nachbarn
In der Startmitteilung lud Google dazu ein, Informationen neben jeder Webseite zu ergänzen. Die Präposition verrät die Architektur. Der Beitrag musste nicht auf dem Server der besuchten Seite liegen. Er erschien in einer Leiste der Google Toolbar. Ein Besucher mit dieser Toolbar sah eine zusätzliche Diskussion; ein anderer sah die Website, wie sie ihr Betreiber veröffentlicht hatte. Die Adresse war dieselbe, der öffentliche Gesprächsraum ein anderer.
Damit konnte ein Leser eine Erklärung berichtigen oder einem Argument widersprechen, ohne dass der Betreiber ein Forum installierte. Auch der Betreiber konnte sich zu Wort melden. Er verwaltete aber weiterhin nur seinen eigenen Text. Google stellte die zusätzliche Bühne und legte ihre Regeln fest. Diese Aufteilung machte Sidewiki reizvoll: Eine Diskussion war möglich, wo der Verlag der Seite keine vorgesehen hatte.
Google versprach ausdrücklich keine einfache Reihenfolge nach Zeit. Rückmeldungen anderer Leser, frühere Beiträge eines Autors und weitere Signale sollten bestimmen, welche Einträge oben standen. Noch weiter ging die Zuordnung nach Textausschnitten: Eine Anmerkung zu einer Passage konnte auch neben anderen Seiten auftauchen, die dieselbe Passage enthielten. Eine Korrektur konnte einem kopierten Absatz folgen. Gleichzeitig lag die Entscheidung, welche Passage als passend galt und wie sichtbar der Kommentar wurde, bei Google.
Die API öffnete ein Fenster
Die Entwicklermitteilung vom Starttag beschrieb eine Data API, über die Programme Beiträge zu einer bestimmten Webseite oder eines bestimmten Autors abrufen konnten. Sie war anfangs nur lesbar. Ein externer Dienst konnte Einträge untersuchen, aber damit weder die Toolbar ersetzen noch Googles Rangfolge oder die Zuordnung von Beiträgen zu Textstellen übernehmen.
Im Bericht nach fünfzig Tagen kamen Abfragen für alle Einträge einer Domain und ein RSS-Abonnement für neue Beiträge hinzu. Ein Betreiber konnte die Diskussionen neben seinem gesamten Auftritt beobachten. Google nannte zudem einen Willkommensbeitrag der Mayo Clinic als besonderen Eintrag eines Website-Verantwortlichen. Der Betreiber erhielt einen Platz in der Leiste, nicht die Leiste selbst.
Die von Google ausgewählten Beispiele reichten von Programmierhinweisen bis zu einer Petition. Aus ihnen lässt sich keine Nutzerzahl und keine typische Nutzung ableiten. Sie zeigen aber, dass dieselbe Oberfläche Hilfe, Widerspruch und institutionelle Antwort tragen konnte. Die API machte diese Inhalte außerhalb der Toolbar auffindbar. Ihr Platz neben einer konkreten Seite blieb eine Leistung der laufenden Google-Oberfläche.
Ein Textarchiv ist noch keine offene Leiste
Am 2. September 2011 setzte Google Sidewiki auf die Liste der Dienste, die es einstellen wollte, um sich auf breitere soziale Initiativen zu konzentrieren. Die Autoren sollten weitere Informationen und mehrere Monate zum Herunterladen ihrer Inhalte erhalten. Die Mitteilung nennt weder einen genauen letzten Betriebstag noch eine Zahl abgeschlossener Downloads.
Der Download schützt Wörter. Eine Anmerkung zu einem Absatz braucht zusätzlich den Absatz, eine Adresse, eine Regel für die Zuordnung und Leser, die diese zusätzliche Oberfläche öffnen. Eine Textdatei kann den Satz retten, ohne den Moment wiederherzustellen, in dem ein Fremder ihn direkt neben dem besprochenen Satz sah. Der ursprüngliche Seitenbetreiber konnte seine Seite weiter betreiben. Dass Googles Randgespräch weiterging, lag außerhalb seiner Zuständigkeit.
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