Zusammenfassung

  • Adobe stellte Support und Sicherheitskorrekturen für Flash Player am 31. Dezember 2020 ein. Die Sperre für Flash-Inhalte im Player begann am 12. Januar 2021.
  • Safari 14 unterstützte Flash schon vorher nicht mehr. Firefox 85 sollte am 26. Januar folgen; Microsoft trennte die Entfernung aus Edge von der späteren Entfernung einer Windows-Komponente.

Die Datei war noch da

Ein Betreiber konnte seine alte Flash-Datei auf dem Server sehen. Die Seite hatte weiterhin eine Adresse. Für den Leser genügte beides nicht: Sein Browser musste das Plug-in laden, und der Player musste die Datei ausführen. Am 12. Januar 2021 verweigerte Adobes Player diese letzte Arbeit im gewöhnlichen Einsatz. Das Werk blieb gespeichert; die öffentlich nutzbare Aufführung brach an einer Stelle ab, über die der Betreiber nicht verfügte.

Adobe hatte die Richtung im Juli 2017 angekündigt. Ende 2020 wollte das Unternehmen Flash Player nicht mehr aktualisieren oder verbreiten. Urheber sollten vorhandene Inhalte auf offene Formate umstellen. HTML5, WebGL und WebAssembly boten inzwischen viele Funktionen, für die früher ein Plug-in nötig gewesen war. Sie bauten jedoch kein bestehendes Spiel, Lernmodul oder Formular von selbst neu. Zwischen der neuen technischen Möglichkeit und einer tatsächlich migrierten Anwendung lagen Entwicklungsarbeit, Tests und Geld.

Die End-of-Life-Information von Adobe, aktualisiert am 13. Januar 2021, nennt zwei Stichtage. Nach dem 31. Dezember 2020 lieferte Adobe keine Updates und Sicherheitspatches mehr. Ab 12. Januar 2021 blockierte es Flash-Inhalte im Player. Die Downloadseiten für Flash Player entfernte das Unternehmen ebenfalls. Als Grund für die Sperre nannte Adobe den Schutz der Systeme nach dem Wartungsende. Wer alle drei Vorgänge „Abschaltung“ nennt, übersieht den Unterschied zwischen einem nicht mehr reparierten Programm, einem nicht mehr angebotenen Download und einem Programm, das seinen Inhalt nicht mehr abspielt.

Der Browser konnte früher aussteigen. In den Safari-14-Hinweisen von WebKit vom Juni 2020 stand bereits, dass Adobe Flash nicht mehr unterstützt werde. Adobe datiert die Veröffentlichung von Safari 14 für macOS auf September 2020. Für diese Nutzer war der Zugang damit Monate vor Adobes Supportende geschlossen. Der Seitenbetreiber konnte den Browser nicht zwingen, einen entfernten Plug-in-Platz wiederherzustellen.

Bei Firefox lief die Reihenfolge anders. Mozilla erklärte im November 2020, Firefox 84 werde die letzte Version mit Flash-Unterstützung sein. Firefox 85 sollte am 26. Januar 2021 ohne sie erscheinen; eine Einstellung zum Wiedereinschalten werde es nicht geben. Mozilla wies zugleich darauf hin, dass Adobes Plug-in nach dem 12. Januar keine Flash-Inhalte mehr laden werde. Für einige Tage konnte also der Browser das Plug-in noch grundsätzlich aufnehmen, während das Plug-in die eigentliche Wiedergabe verweigerte. Der Versionsstand des Browsers allein beantwortete die Frage nach einem funktionierenden Angebot nicht.

Microsoft führte noch eine weitere Trennung ein. Seine Lifecycle-Mitteilung sah die vollständige Entfernung aus dem neuen Edge für Januar 2021 vor. Eine Aktualisierung vom April meldete, Flash sei in Microsoft-Browsern deaktiviert; die Flash-Player-Komponente in Windows sollte im Juli per Windows Update dauerhaft entfernt werden. Browserfunktion und Betriebssystemkomponente waren zwei Eingriffspunkte. Beide hatten Einfluss auf die Nutzung, aber keiner war identisch mit Adobes Wiedergabesperre.

Für bestimmte verwaltete Anwendungen gab es begrenzte Wege weiter. Adobes Administrationshandbuch behandelt Flash Player in kontrollierten Umgebungen. Eine Mitteilung vom April 2021 verwies auf kommerzielle Lizenz- und Supportangebote für Unternehmen und auf eine gesonderte Vertriebsregelung für Festlandchina. Damit kehrte Flash nicht als allgemeines Merkmal moderner Browser zurück. Die Ausnahme zeigt lediglich, dass „alle Flash-Anwendungen stoppten am 12. Januar“ genauso ungenau wäre wie die Behauptung, gespeicherte Dateien könnten ohne Laufzeitumgebung genutzt werden.

Die öffentlichen Unterlagen zählen nicht, wie viele Websites oder Anwendungen an diesem Tag noch Flash Player benötigten. Eine zeitgenössische Stichprobe mit Prüfung der tatsächlichen Laufzeitabhängigkeit könnte die Reichweite bestimmen. Die Zuständigkeiten sind bereits gut belegt: Adobe kontrollierte den Player, Browserhersteller kontrollierten dessen Einbindung, und Microsoft konnte eine Windows-Komponente entfernen. Ein Autor besaß die Datei. Für die Aufführung brauchte er mehr als Besitz.

Quellen