Summary

  • FLAG bündelte ein langes Europa-Asien-Kabel in einem privat finanzierten Großhandelsunternehmen und schuf damit eine Alternative zu Kabelkonsortien nationaler Telekommunikationsanbieter.
  • Die Konstruktion beseitigte die lokale Betriebshoheit nicht: Benannte Landepartner, meist die führenden internationalen Telefongesellschaften des Landes, betrieben und warteten die Anlagen an Land.

KDD beschrieb FLAG 1996 als geplante, rund 27.000 Kilometer lange Verbindung zwischen Großbritannien und Japan mit Landungen in zwölf Ländern. Die Mitteilung nannte KDD Submarine Cable Systems und AT&T Submarine Systems als Bauunternehmen und hielt fest, dass ein weiterer japanischer Landepunkt hinzukam. Auch ein zeitgenössischer Bericht von Lightwave zeigte ein Projekt im Wandel statt einer bereits fertigen, einheitlichen Strecke: acht Kabelabschnitte, eine Vereinbarung für eine Landung in Shanghai sowie Landquerungen durch Ägypten und Thailand. Das Netz verband Unterwasserabschnitte, Küstenstationen und terrestrische Verbindungen.

Kapital ließ sich leichter über Grenzen hinweg organisieren als die physische Infrastruktur. Eine Fallstudie der ITU von 1998 beschreibt Projektkredite, ein großes Aktionärsdarlehen von Marubeni und eine Refinanzierung beim Übergang FLAGs vom Bau zum Betrieb. Banken übernahmen kein Bauherrenrisiko; spezialisierte Lieferanten errichteten das System. Der erste Verkehr lief am 22. November 1997. Die Fallstudie erwartete zudem hohe Einnahmen von Kunden, die Kapazität vorab gekauft hatten. Diese Prognose belegt keine spätere Auslastung.

Das Betriebsunternehmen konnte die lange Route koordinieren, aber nicht jeden Landepunkt austauschbar machen. Laut ITU-Profil von 1999 hatte jeder Punkt einen benannten Landepartner — gewöhnlich die führende oder einzige internationale Telefongesellschaft des Landes — der die Anlagen an Land betrieb und wartete. FLAGs Netzwerkzentrum in Fujairah überwachte das Gesamtsystem und bearbeitete Vorfälle. Die globale Routensteuerung blieb an der Küste also von örtlichen Anlagen und Betreibern abhängig.

Die Aussage lautet nicht, dass „Privatkapital die Konsortien ersetzte“. Private Finanzierung schuf einen weiteren Weg, internationale Kapazität zu bauen und zu verkaufen. Sie belegt weder, dass FLAG nationale Genehmigungen umging oder lokale Landepartner verdrängte, noch dass Einzelhandelspreise sanken oder alle Menschen entlang der Route Internetzugang erhielten. KDDs angekündigte 10 Gbit/s bezeichneten die Auslegungskapazität; Lightwave berichtete von einer Betriebskonfiguration mit 5,3 Gbit/s. Das sind unterschiedliche Zustände und keine Messung des tatsächlich übertragenen Verkehrs.

Quellen: KDD, September 1996; Ben Harrison, Lightwave, Oktober 1996; ITU, FLAG-Finanzierungsfallstudie, 1998; ITU, „FLAG today“, Februar 1999; UPI, Meldung zum Start, Dezember 1997; UN-Kommission für Wissenschaft und Technologie im Dienste der Entwicklung, Fallstudie von 2001.