Zusammenfassung

  • EUnet wurde 1982 bei einer Tagung der europäischen Unix-Anwender vorgestellt. Das CWI in Amsterdam bildete den technischen Mittelpunkt; Piet Beertema betreute die UUCP-Software und Infrastruktur.
  • Mail und Usenet-Beiträge konnten zwischen Rechnern weitergereicht werden, bevor jeder Standort über interaktiven IP-Zugang verfügte. Anschlusswege, Kosten und verfügbare Dienste blieben lokal verschieden.

Wer bezahlte den nächsten Abschnitt?

Das Computermuseum der KU Leuven berichtet, dass ein Fachbereich Anfang der 1980er Jahre ein Netz für den E-Mail-Austausch suchte. Der nächste europäische Usenet-Rechner, den die Universität kannte, stand in Amsterdam. Die geschätzte Gebühr für eine internationale Telefonverbindung hielt den Fachbereich lange von Usenet ab. Entscheidend war damit nicht nur, ob das Netz existierte, sondern wer den Weg zum nächsten Rechner bezahlen konnte.

1984 begann die belgische RTT mit dem Aufbau eines X.25-Netzes. In der lokalen Rückschau war dieser Anschluss günstiger und besser kalkulierbar als die Telefonverbindung. Das Philips Research Lab in Brüssel stellte die erste dort dokumentierte belgische Usenet-Verbindung zu mcvax in Amsterdam her und übernahm deren Kosten. EUnet bot ein gemeinsames Ziel für den Nachrichtenaustausch; es machte die örtliche Verbindung nicht kostenlos.

Ein Netzwerk aus Unix-Anwendergruppen

Teus Hagen stellte EUnet 1982 bei einer Tagung der European Unix Users Group in Paris vor. Eine 1998 veröffentlichte NLnet-Rückschau verortet den Mittelpunkt des Netzes beim CWI in Amsterdam und nennt Hagen und Piet Beertema als Initiatoren. Beertema betreute UUCP-Software und Infrastruktur und unterstützte damit eine Generation europäischer Netzbetreiber.

UUCP konnte Nachrichten und Aufträge schrittweise zwischen Unix-Rechnern übertragen. E-Mail und Usenet liefen über solche Host-zu-Host-Übergaben. Ein Standort musste deshalb nicht mit jedem Zielrechner eine dauerhafte interaktive Sitzung führen, um an einem überregionalen Austausch teilzunehmen. Das machte verteilte Erreichbarkeit möglich, sagt aber noch nichts über vollständige Routenkarten, Verbindungszeiten oder den Zugang einzelner Nutzer aus.

Die finnische Chronik zeigt mehrere Wege für unterschiedliche Dienste. 1983 erreichte eine UUCP-Wählverbindung von Tampere über Enea Data in Stockholm das E-Mail-Netz von EUnet. 1984 verband sich die Technische Universität Helsinki mit mcvax; Tampere erhielt Usenet-Nachrichten über Enea, während Helsinki Mail über Amsterdam abwickelte. 1985 entstand in Helsinki ein offizieller EUnet-UUCP-Knoten, der Usenet-Nachrichten direkt von mcvax bezog. Das ist eine nationale Entwicklung, keine vollständige Karte Europas.

Gemeinsamer Nachrichtenaustausch, unterschiedliche Leitungen

RFC 976 normierte 1986 das Mail-Austauschformat der UUCP-Gemeinschaft. Die Empfehlung regelte weder die lokale Speicherung noch die Übertragung in den unteren Schichten. Sie beschreibt rmail für die Übergabe und Weiterleitung über den nächsten Host. RFC 1036 von 1987 behandelt das Usenet-Nachrichtenformat und verlangt einen Weg zwischen benachbarten Systemen; die Beispiele zeigen Nachrichten, die über UUCP an rnews weitergereicht werden.

Diese Standards erklären die Interoperabilität, nicht den Betrieb jedes EUnet-Rechners. Die belgische Chronik sagt, dass eine X.25-Verbindung mit 2.400 Baud 1986 Mail und Nachrichten transportierte, aber keine interaktiven Dienste bot. Im September 1989 versorgte eine 9.600-Baud-X.25-Verbindung rund zwanzig belgische Standorte mit E-Mail und einem Newsfeed. Wegen der hohen Kosten wurde sie im Juli 1990 durch eine Mietleitung ersetzt, auf der zunächst weiterhin UUCP mit 9.600 Baud lief.

Wachstum verschob die Betriebsverantwortung

Mit den nationalen und internationalen Standorten nahm auch der Betriebsaufwand zu. Laut der NLnet-Rückschau von 1998 wurde die finanzielle und operative Verantwortung für NLUUG, einen Berufsverband, zu einem nicht mehr tragbaren Risiko. 1989 gründete NLUUG die Stichting NLnet für den Betrieb des niederländischen Netzes. Diese niederländische Organisation war nicht das gesamte europäische EUnet. Der NLnet-Jahresbericht 1993 hält fest, dass EUnet sich im Januar von EurOpen verselbständigte; NLnet beteiligte sich an der neuen Gesellschaft, um Kontinuität zu unterstützen.

Die Quellen belegen Wachstum und einen Wandel der Organisation. Sie zeigen weder eine vollständige europäische Topologie noch geprüfte Nutzerzahlen, Verfügbarkeit oder eine interaktive Internetverbindung für jeden Standort. EUnet verband Mail und Usenet über unterschiedliche lokale Zugänge. Dabei blieben Nachrichtenformat, Leitung, angebotener Dienst und die dafür verantwortliche Organisation unterscheidbare Teile des Betriebs.

Quellen

Die NLnet-Rückschau von 1998 ist von Teus Hagen, Frances Brazier, Wytze van der Raay und Jos Alsters gezeichnet. Die Biografie von Teus Hagen bezeichnet EUnet als Wählzugang der EUUG. Das Computermuseum der KU Leuven liefert die belgische Chronik; die Finnische Internetgesellschaft dokumentiert den finnischen Verlauf. Der NLnet-Jahresbericht 1993, RFC 976 und RFC 1036 stützen Organisations- und Protokollangaben. Keine dieser Quellen enthält eine vollständige Netzkarte oder Messwerte für die Gesamtleistung von EUnet.