Zusammenfassung
- FirstGov verband eine gespendete Suchmaschine mit einem Bundesportal; der Suchindex war aber weder identisch mit den Webseiten der Behörden noch ein amtliches Archiv.
- Ein zeitgenössischer Berkeley-Bericht schrieb der Federal Search Foundation zunächst Eigentum und Pflege der Datenbank zu. Später wechselten die Suchanbieter. Die Quellen belegen eine sich wandelnde Dienstgeschichte, keine durchgehend einheitliche Technik oder Verwahrungskette.
Die Frist schuf einen Zugang, kein neues Archiv
Die Regierung Clinton kündigte FirstGov im Juni 2000 an und setzte Regierung und Industrie eine Frist von 90 Tagen. Am 22. September ging das Portal online. Dahinter stand eine praktische Absicht: Wer einen Studienkredit beantragen, den Ruhestand planen oder einen Campingplatz reservieren wollte, sollte nicht zuerst die zuständige Bundesbehörde erraten müssen.
Das Startblatt von The White House erklärte, FirstGov könne 27 Millionen Webseiten von Bundesbehörden gleichzeitig durchsuchen. Außerdem behauptete es, das System könne eine halbe Milliarde Dokumente in weniger als einer Viertelsekunde durchsuchen und Millionen Suchanfragen täglich bewältigen. Das waren zeitgenössische Regierungsangaben zu Reichweite und Kapazität – keine unabhängige Prüfung und keine gemessene Dauerlast. Ein Berkeley-Bericht vom Oktober nannte andere Bezugsgrößen: mehr als 100 Millionen staatliche Webseiten im weiteren Bestand und rund 30 Millionen Seiten, die Brewer anfangs als erwartete Nachfrage beschrieb.
Die Quellen legen nicht fest, ob diese Zahlen denselben Bestand meinen. Sie lassen sich daher nicht zu einer geprüften Zahl tatsächlich indexierter Seiten beim Start zusammenziehen.
Brewers Arbeit an der zugrunde liegenden Suchtechnik begann früher. Ein Berkeley-Bericht von 1995 beschreibt Inktomi, das Brewer mit dem Doktoranden Paul Gauthier aus einem Projekt mit vernetzten Arbeitsplatzrechnern entwickelte. Der Index enthielt demnach mehr als 1,3 Millionen Dokumente; ein Crawler suchte regelmäßig nach neuen Adressen und parallele Suche verteilte die Arbeit. Der Bericht sagt auch, ein Verbund aus vier Rechnern habe den Zugriff auf den gesamten Index selbst dann erhalten können, wenn drei Rechner ausfielen – allerdings langsamer.
Das ist eine damalige Beschreibung eines konkreten Aufbaus und keine allgemeine Zusage für jede spätere Inktomi-Version.
Der rote Faden ist weniger die Legende eines Einzelgenies als ein Infrastrukturproblem: Ein ständig wachsendes Web verlangt einen laufend erneuerten Index, verteilte Rechenarbeit und die Suche über Seiten mit unterschiedlichen Eigentümern. FirstGov setzte diese Fähigkeit in einer öffentlichen Oberfläche ein. Bürger konnten Behördenübergreifend suchen, ohne zuvor den Aufbau des Bundesstaats kennen zu müssen.
Eine gespendete Suchmaschine übertrug nicht jede Ebene
Das Wort „Spende“ klärt die Betriebsverhältnisse nicht allein. Die Startmeldung von The White House sprach von einer von Brewer entwickelten und gespendeten Suchmaschine. Ein zeitnaher Berkeley-Bericht erklärte dagegen, die Federal Search Foundation – eine von Brewer 2000 gegründete gemeinnützige Organisation – werde die Datenbank zunächst besitzen und pflegen. Nach zwei Jahren sollte die Regierung ein Vorkaufsrecht erhalten. Der Bericht fügte hinzu, Inktomi-Technik werde aktualisierte Kopien von Regierungsseiten in einem erweiterbaren Servernetz vorhalten.
Damit lassen sich mindestens vier Dinge auseinanderhalten: die Seiten der Behörden, die Kopien oder der Index für ihre Auffindbarkeit, die Suchmaschine und das sichtbare Portal. Die Spende einer Suchmaschine beweist weder, dass der Index der Stiftung sofort Bundeseigentum wurde, noch dass dieser Index eine amtliche Akte darstellte. Ebenso wenig belegt sie, dass die Quellseiten in Brewers Verwahrung übergingen. Der Berkeley-Bericht hält nicht fest, wie die Vereinbarung nach den ersten zwei Jahren endete. Die ausgewerteten Quellen klären diesen Ausgang nicht.
Das ist keine Behauptung, FirstGov sei gescheitert. Es ist eine Abgrenzung der Funktion. Ein Index kann verstreute Seiten auffindbar machen und Kopien aktualisieren. Er garantiert nicht, dass die maßgebliche Fassung dauerhaft aufbewahrt wird, erklärt nicht das Fehlen eines Treffers und macht eine Behörde nicht für Inhalte einer anderen verantwortlich. Die Dokumente belegen eine öffentliche Suchschicht, kein vollständiges Bundesarchiv.
Der öffentliche Dienst blieb, die Sucharchitektur wechselte
Die spätere Geschichte zeigt, warum ein Portalname kein Architekturplan ist. 2006 beschrieb die General Services Administration der USA FirstGov Search als Partnerschaft von Microsoft und Vivisimo: Der MSN-Search-Index wurde mit Vivisimos Metasuche kombiniert. Die Mitteilung nannte mehr als 50 Millionen Dokumente von Bundes-, Landes-, Kommunal-, Stammes- und Territorialbehörden und fortlaufend aktualisierte Indizes. Das belegt einen Wechsel bei den öffentlich genannten Anbietern und der Indexierung. Es sagt nichts Abschließendes über den Rechtsstatus der ursprünglichen Stiftungsdatenbank oder jedes Inktomi-Bausteins.
Die heutige USAGov-Seite stellt SearchGov in die Geschichte von USA.gov, die mit Brewers Spende begonnen habe, und sagt, SearchGov sei 2010 für Behörden ausgeweitet worden. Sie meldet mehr als 200 Millionen Suchanfragen pro Jahr auf Tausenden Bundeswebseiten. Diese aktuelle Kennzahl beschreibt den heutigen Dienst nach Angaben von USAGov; sie ist nicht direkt mit den Kapazitätsversprechen von 2000 vergleichbar. Name und Aufgabe können fortbestehen, während Anbieter, Indizes, Finanzierung und Betriebsverantwortung wechseln.
Berkeleys Fakultätsprofil ordnet Brewer Forschung zu skalierbaren Servern, Suchmaschinen, Netzwerkinfrastruktur und staatlichen Anwendungen zu. FirstGov bringt diese Felder zusammen: Eine Technik zum Auffinden großer Webbestände wurde als Zugang zu öffentlichen Informationen angeboten. Das Werk war jedoch nicht das eines Einzelnen. Paul Gauthier und Berkeleys Forschungsumfeld wirkten an Inktomis Entwicklung mit; das Portal erforderte zusätzlich eine politische Frist, die Beteiligung der Behörden und fortdauernden öffentlichen Betrieb.
Auffindbarkeit bedeutet keine Verfügungsgewalt
Ein staatlicher Suchdienst ist daher nicht allein an der Zahl der Suchanfragen zu messen. Entscheidend ist, welche Behördenseiten er indexiert, ob Treffer zu aktuellen Quellen führen, wer den Dienst betreibt und wie Behörden fehlende oder veraltete Ergebnisse korrigieren können. Ein Wechsel von Anbieter, Index, Finanzierung oder Domain ist Anlass, Abdeckung und Aktualisierung zu prüfen – kein Beleg dafür, dass die ursprünglichen Akten verschwunden sind.
Das ist die konkrete Grenze der „einen Tür“ von FirstGov. Ein gemeinsamer Einstieg kann die Suche erleichtern, ohne die zugrunde liegenden Unterlagen zu zentralisieren oder ihre Verwahrung an den Suchanbieter zu übertragen. Er kann eine nützliche öffentliche Oberfläche sein, ohne zur Behörde, zum Register oder zum Archiv zu werden. Brewers Spende machte den Eingang möglich; die spätere Geschichte erinnert daran, dass Betreiber, Indexpflege und Verantwortung für die Quelle bei unterschiedlichen Stellen liegen können.
Quellen
- UC Berkeley-Archiv, „Speedily Searching the Web“ (1995)
- Archiv von The White House, Startblatt zu FirstGov (22. September 2000)
- UC Berkeley-Archiv, „Professor donates database for new federal Web site“ (11. Oktober 2000)
- UC Berkeley EECS, Eric-Brewer-Profil
- GSA-Archiv, Mitteilung zum FirstGov-Search-Preis (18. Juli 2006)
- USAGov, SearchGov
- USAGov, Auftrag und Geschichte
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