Zusammenfassung
- Alles nach
#wird von der Adresse für den Abruf getrennt und anhand der empfangenen Darstellung im Client ausgewertet. - Benannte HTML-Anker waren der vertraute Anfang; später konnten Fragmente auch Zeilen und Zeichenbereiche in einfachem Text bezeichnen.
Ein Link zur Titelseite eines langen Berichts ist eine höfliche Aufforderung zum Suchen. Ein Link mit # kann den Finger schon auf die entscheidende Stelle legen. Dafür braucht es kein neues Dokument und keine eigene Serveradresse für jeden Absatz. Der Server liefert den Text, der Verfasser des Links wählt die Stelle, der Browser führt den Leser hin.
Bereits RFC 1808 vom Juni 1995 trennt beim Auflösen einer relativen URL das Rautezeichen und den folgenden Fragmentteil ab, bevor die eigentliche Adressanalyse weitergeht. HTML 2.0 in RFC 1866 beschrieb noch im selben Jahr die anschauliche Anwendung: #fragment verweist auf einen Anker im Dokument, damals etwa auf ein A-Element mit passendem NAME. Der Abruf brachte die gesamte Seite. Ihr Anfang musste deswegen noch lange nicht der Anfang der Lektüre sein.
Tim Berners-Lee erläuterte die Arbeitsteilung in einer W3C-Architekturnotiz vom April 1997. Der Server liefert eine Darstellung. Der Client gibt das Fragment an Software weiter, die den jeweiligen Medientyp versteht; der HTTP-Server bekommt den Fragmentteil nicht zu sehen. Selbst das Wort „Fragment“ hielt er für zu eng. Der Suffix kann je nach Format einen Teil, eine Ansicht oder etwas anderes benennen. Das Lesezeichen ist das leichteste Beispiel, keine Grenze des Prinzips.
RFC 3986 von 2005 formulierte daraus eine allgemeine indirekte Referenz: Über eine primäre Ressource wird eine sekundäre bezeichnet. Was der Fragmentbezeichner meint, ergibt sich aus dem Medientyp der erhaltenen Darstellung. Darin steckt eine bemerkenswerte Verteilung redaktioneller Macht. Wer zitiert, darf aus vorhandenem Material gezielt auswählen, auch wenn der Herausgeber nicht für jeden Absatz einen eigenen Endpunkt angelegt hat. Die Quelle bestimmt den Inhalt; der Verweis bestimmt, wohin der Blick zuerst fällt.
Mit HTML-Ankern war die Geschichte längst nicht beendet. RFC 5147 von 2008 legte Fragmentbezeichner für text/plain fest: Positionen und Bereiche nach Zeilen oder Zeichen. Eine einfache Textdatei besitzt keine HTML-Element-IDs. Sie besitzt aber Zeilen und Zeichen, die ein geeignetes Programm zählen kann. Das Rautezeichen bekam damit eine andere Landkarte für ein anderes Gelände.
Die Trennlinie gilt auch in der heutigen HTTP-Semantik, RFC 9110: Ein Fragment gehört nicht zum Ziel-URI, den eine HTTP-Anfrage überträgt. Die Herkunft liefert die Ressource; der Browser deutet die Stelle in der erhaltenen Darstellung. Ändert sich ein Anker oder verschieben sich Zeilen, kann ein alter Tiefenlink ins Leere zeigen. Wer stabile Verweise möchte, sollte Ziele im Dokument pflegen wie Straßenschilder.
Das unscheinbare # gab dem Web eine nützliche Unhöflichkeit. Der Herausgeber kann eine Eingangshalle gestalten. Leser und Zitierende dürfen sich trotzdem direkt vor die Vitrine stellen, wegen der sie gekommen sind.
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