Zusammenfassung

  • Der CIX-Vorstand kündigte an, Routen von Nichtmitgliedern am gemeinsamen Router zu filtern; laufende Anträge erhielten eine Zahlungsfrist, mehrheitlich von Mitgliedern gehaltene Netze eine Ausnahme.
  • Der Vorstand verwies auch auf Skalierungsgrenzen des Routers und empfahl private Verbindungen. Die Mitteilung belegt Beschluss und Zeitplan, nicht das vollständige Ausmaß der Umsetzung.

Am 30. Januar 1994 stellte ein angehender Wiederverkäufer von Netzzugang eine Frage, die größer klang als der Router, um den es ging: Wenn eine CIX-Mitgliedschaft nicht bis zum NSFNET führte, fehlte ihm dann die Hälfte des Internets? Elise Gerich, Teilnehmerin bei NANOG, gab eine engere Antwort. Mitgliedschaft im Commercial Internet eXchange bedeutete Verbindung zu den CIX-Mitgliedern; sie machte nicht automatisch jedes Mitglied zum Transitnetz für alle Nichtmitglieder. Der Austausch zeigte, wie leicht sich die Grenze eines gemeinsamen Routers mit der Grenze des Internets verwechseln ließ.

Bis 1994 war CIX mehr als eine Leitung zwischen drei Anbietern. Der Internet Monthly Report vom Oktober 1992 schätzte, dass etwa 1.140 Netzwerke aus dem Mitgliederumfeld CIX-West nutzten, und veröffentlichte Verkehrswerte für AlterNet, CERFnet, PSINet und SprintLink. Das ist eine zeitgebundene Messung eines bestimmten Austauschpunkts, weder die Gesamtzahl der Mitglieder noch ein Kapazitätstest für 1994. Sie zeigt aber die Größenordnung eines Dienstes, dessen Nutzen davon abhing, Routeninformationen an einem gemeinsamen Punkt auszutauschen.

Die Grundvereinbarung von CIX war einfach: Mitglieder sollten einander nicht nach übertragener Verkehrsmenge abrechnen. Damit war eine andere Frage nicht beantwortet: Wer durfte Routenankündigungen über eine Anlage nutzen, die durch Mitgliedsbeiträge finanziert wurde? Ein Bericht von Gary Wolf in Wired vom November 1994 schrieb, der Jahresbeitrag sei von 10.000 auf 7.500 US-Dollar gesunken, Zahlungen seien zuvor freiwillig gehandhabt worden und der Verband habe im Juli beschlossen, den Verkehr nicht zahlender Netze am CIX-Router zu stoppen. Kleine Anbieter protestierten.

Es ging nicht um den Preis jedes Pakets, sondern darum, ob ein Netz einen gemeinsamen Routenankündigungsdienst ohne Zahlung an den ihn betreibenden Verband nutzen durfte.

Am 1. November verschickte CIX-Präsident Bob Collet im Namen des Vorstands die Umsetzungsmitteilung. Ab dem 15. November sollten Routen von Nichtmitgliedern am Router gefiltert werden. Bei laufenden Mitgliedsanträgen galt eine Frist bis zum Jahresende. Ein Netz, das zu mindestens 51 Prozent einem Mitgliedsanbieter gehörte, musste keine eigene Mitgliedschaft erwerben. Zunächst sollte nach autonomem System gefiltert werden, später nach einzelnen Routen, wenn in einem Mitglieds-AS auch Routen von Nichtmitgliedern lagen. Vor den feineren Filtern wollte der Vorstand die betroffenen AS kontaktieren.

Diese Unterscheidung ist wichtig, denn eine Route ist kein Unternehmen. Ein autonomes System kann Präfixe ankündigen, die zu mehreren Geschäftsbeziehungen gehören. Eine Filterung nur nach AS könnte zu weit reichen; für einzelne Präfixe musste geklärt werden, welches Netz sie nutzte. Die angekündigte Reihenfolge sollte eine Organisationsregel in Routing-Konfiguration übersetzen, ohne jede Route in einem Mitglieds-AS automatisch dem Mitglied zuzuschreiben.

Der Vorstand begründete die Regel mit Fairness gegenüber den Mitgliedern, die für Routenankündigungen zahlten. Zugleich beschrieb er ihre Grenze. Mitglieder mit privaten Verbindungen an MAE-East oder geplanten Anschlüssen an die von der NSF geförderten Network Access Points sowie an die SMDS-Netze von PacBell oder Bell Atlantic lagen außerhalb des CIX-Router-Rahmens. Dort sollte Peering privaten bilateralen Vereinbarungen folgen. Der Vorstand empfahl diese Alternativen wegen der inhärenten Skalierungsgrenzen eines austauschbasierten Netzes mit einem Router.

Am 2. November schlug der Vorstand außerdem vor, die Router-Verwaltung an einen Nichtmitglied-Anbieter zu vergeben und den Router, sofern die Mitglieder zustimmten, bis Ende des ersten Quartals 1995 zugunsten paarweiser Verbindungen über Netze der Sicherungsschicht stillzulegen. Als Gründe nannte er Durchsatz und physische Vielfalt; angesichts anderer nationaler und globaler Verbindungen sei der zusätzliche Nutzen des Zentralrouters gering. Das war ein Vorschlag mit einem Zieltermin, kein Beleg für eine tatsächliche Abschaltung an diesem Tag.

CIX konnte als Verband weiterarbeiten, während sich die physische Verbindung zu anderen Einrichtungen und bilateralen Vereinbarungen verlagerte.

Die Quellen tragen weder die Aussage, CIX habe Nichtmitglieder vom Internet abgeschnitten, noch die Behauptung, der Filter sei bloß symbolisch gewesen. Der Vorstand kündigte eine Regel für Routenankündigungen an seinem eigenen Router an, mit Stufen und Ausnahmen. Wired berichtete, die meisten Netze könnten auch ohne diesen Router weiterhin Daten austauschen, warnte aber davor, dass Mitglieder ihre Verbindungen so verändern könnten, dass der Zugang für Nichtmitglieder schwieriger würde. Erreichbarkeit hing von mehreren Wegen und Vereinbarungen ab, nicht allein von einem Gerät eines Verbands.

Darin liegt der historische Punkt. Ein gemeinsamer Austauschpunkt senkt den Abstimmungsaufwand zwischen vielen Netzen; ohne volumenabhängige Abrechnung bleiben die Verkehrskosten für Mitglieder kalkulierbarer. Trotzdem hat ein Austauschpunkt einen Betreiber, Kosten, Kapazitätsgrenzen und Zugangsregeln. 1994 band CIX den Routenankündigungsdienst an die Mitgliedschaft und empfahl zugleich Wege, die weniger vom Zentralrouter abhingen.

Quellen