Zusammenfassung
- DrukNet wurde am 2. Juni 1999 öffentlich eröffnet; die Zeremonie war keine Zählung der erreichbaren Haushalte oder Bezirke.
- Die Abrechnung als Ortsgespräch verringerte einen geografischen Preisaufschlag. Überlastung, Geräte, Telefonanschlüsse und der internationale Zugang blieben getrennte Engpässe.
- Die verfügbaren Zahlen beziehen sich auf verschiedene Jahre und Einheiten. Kunden, Verbindungen, Einwahlleitungen und einzelne Menschen sind nicht dasselbe Maß.
Zuerst musste überhaupt eine Leitung frei sein
In einem kleinen Internetcafé in Thimphu war 2001 die erste Frage nicht unbedingt, welche Seite man öffnen wollte, sondern ob eine Verbindung zu DrukNet zustande kam. Ein Betreiber sagte dem Team von PBS FRONTLINE/World, die 32 Einwahlleitungen seien oft belegt. An anderer Stelle berichtet PBS, rund 600 Abonnenten hätten eine separate internationale Verbindung über Concert im Vereinigten Königreich vollständig ausgelastet. Das sind zwei verschiedene Abschnitte: die Einwahl der Nutzer beim Anbieter und die Verbindung, über die Daten das Land verließen. Aus dem Bericht folgt weder, dass es 32 internationale Leitungen gab, noch dass 600 Personen gleichzeitig online waren.
Diese Trennung zeigt, was ein landesweit einheitlicher Tarif lösen konnte und was nicht. Eine Preisregel konnte den Aufschlag verringern, der durch die Entfernung zwischen einem Ort und dem Zugangspunkt entstand. Sie machte aus keinem überlasteten Netzteil zusätzliche Kapazität. Für eine funktionierende Sitzung brauchte es eine Telefonleitung, einen erreichbaren Ortsvermittler, eine freie Modemverbindung, einen Weg über die internationale Anbindung und schließlich einen Computer sowie Zeit zur Nutzung.
Was die Eröffnung von 1999 belegt
Die Irish Times berichtete, dass die öffentliche Eröffnung am 2. Juni 1999 stattfand. Königin Ashi Dorji Wangmo Wangchuck schickte E-Mails an Studierende im Ausland und diplomatische Vertretungen. Auch PBS nennt dieses Datum. Der Bericht beschreibt zunächst einen Dienst für interne E-Mail und danach den weiter gefassten Zugang zum World Wide Web. Diese Quellen belegen die öffentliche Vorstellung des Dienstes und seine frühe Ausrichtung. Sie datieren weder das erste im Land übertragene Datenpaket noch zählen sie die Orte, Haushalte oder Menschen, die sich an diesem Tag verbinden konnten.
Das Telefonnetz wurde schon vorher ausgebaut. Eine spätere Chronik der BICMA verortet ein nationales Telekommunikationsnetz zu den Verwaltungssitzen der 20 Dzongkhags im Juni 1998. Der Länderbericht der ITU von 2003 beschreibt einen digitalen Mikrowellen-Backbone und kleinere Zubringer. Eine Verbindung bis zum Verwaltungssitz war eine wichtige Voraussetzung, aber kein Beleg dafür, dass jedes Dorf, jeder Haushalt oder jede Schule über Telefon, Computer und eine brauchbare Leitung verfügte.
Was „überall derselbe Preis“ genau bedeutete
Die konkreteste Tarifbeschreibung steht in einem Beitrag der ITU News von 2002. DrukNet habe die Zugangsrufnummern 100 und 101 angeboten; beide seien als Ortsgespräch abgerechnet worden, und die Verbindungskosten seien im ganzen Land gleich gewesen. Der Beitrag bezeichnet DrukNet als einzigen Internetanbieter des Landes und als Tochtergesellschaft von Bhutan Telecom. Die Tarifregel zielte also auf einen bestimmten Kostenpunkt: Allein der entfernte Ausgangsort sollte den Telefonpreis bis zum Anbieter nicht erhöhen.
Daraus folgt nicht, dass jede Internetnutzung gleich viel kostete oder für alle erschwinglich war. Der ITU-Beitrag prüfte nicht jede Telefonrechnung. Er weist auch nicht die Kosten für einen eigenen Computer, die gemeinsame Nutzung eines Terminals, die Fahrt zu einem öffentlichen Zugangspunkt oder einen Festanschluss aus. Zwischen „die Einwahl wird als Ortsgespräch berechnet“ und „jede Person kann das Internet nutzen“ liegt der Unterschied zwischen einer Abrechnungsregel und einem verfügbaren Netz.
Auch die Bestandszahlen müssen vorsichtig gelesen werden. Der ITU-Länderbericht nennt im vierten Betriebsjahr 1.750 Einwahlverbindungen und 26 Mietleitungen. Das sind Verbindungskategorien, keine Zahl einzelner Nutzer; eine Mietleitung ist kein privater Haushalt. Die ITU News veröffentlichte für 2002 die Zahl von 1.236 Verbindungen, während PBS von annähernd tausend DrukNet-Kunden Ende 2001 berichtete. Die Quellen, Stichtage und Einheiten stimmen nicht überein. Zusammen belegen sie, dass ein kleiner Dienst wuchs; eine einheitliche Zeitreihe oder eine nationale Nutzungsquote ergeben sie nicht.
Geräte und Orte gehörten zur Zugangskette
Die ITU News schätzte die Zahl der Computer im Land auf 8.000 bis 10.000, überwiegend in Städten. Der Beitrag zitiert außerdem eine Pilotbefragung in Poststellen: Nur acht Prozent der befragten Computernutzer gaben an, E-Mail zu verwenden. Die Befragung war weder landesweit noch repräsentativ für alle Einwohner. Sie deutet aber darauf hin, dass ein Computer in Reichweite nicht automatisch zu regelmäßiger Internetnutzung führte.
Derselbe Bericht nennt ein Internetcafé, das 1,25 US-Dollar für 20 Minuten berechnete. Das ist ein beobachteter Preis an einem Ort, kein nationaler Tarif. PBS wiederum zitierte ein Tourismusunternehmen, dessen internationale Telefonrechnung nach eigener Aussage durch Internetnutzung um 90 Prozent gesunken sei. Das ist ein Unternehmensbericht über gesparte Auslandsgespräche, kein Nachweis einer vergleichbaren Ersparnis für Haushalte.
Gemeinschaftlicher Zugang wurde schon vor der öffentlichen DrukNet-Eröffnung erprobt. Laut ITU News begann 1998 in Jakar ein Telezentrum; mehr als 450 Menschen hätten eine Computerschulung erhalten. Der Artikel erwähnt zudem einen geplanten Ausbau über Poststellen und Satellitenverbindungen. Dass ein Ausbau geplant war, belegt nicht, dass jeder vorgesehene Ort angeschlossen wurde. Schulung und physischer Zugang sind ebenfalls verschiedene Dinge. „Abdeckung“ muss deshalb auseinandergehalten werden: Netz, Endgerät, Öffnungszeiten, Preis, Weg und Kenntnisse sind jeweils eigene Voraussetzungen.
Was die ersten Jahre hergeben
Für Ende 2001 beschrieb PBS DrukNet mit annähernd tausend Kunden und vermerkte den Einstieg von KDTI aus Japan im September desselben Jahres. Der ITU-Länderbericht ergänzt weitere Momentaufnahmen aus den frühen 2000er Jahren. Zusammen erzählen sie von einem institutionellen Übergang: Aus frühen Verbindungen und einem zunächst eng gefassten Angebot wurde ein Anbieter für Unternehmen, Behörden und einzelne Nutzer. Sie belegen aber weder einen universellen Zugang zum Start noch, dass die Lage in der Hauptstadt für ländliche Orte stand.
Die belastbarste Aussage zur einheitlichen Tarifregel ist begrenzt: Sie verringerte eine Form geografischer Benachteiligung für Menschen, die tatsächlich einwählen konnten. Ihre Grenze ist ebenso konkret. Ein Preis ohne Entfernungsaufschlag kompensiert keinen ausgelasteten Vermittler, keinen belegten Modemanschluss, einen fehlenden Computer oder eine überlastete Auslandsverbindung. DrukNets Geschichte von 1999 bis 2001 ist weniger die eines gescheiterten Versprechens als die eines eng gefassten Versprechens, das in späteren Darstellungen mitunter größer klingt, als die Quellen tragen.
Quellen
- BICMA, Study on History of Telecom System in Bhutan (2021) — spätere Chronik des Telefonnetzes; sie belegt keine flächendeckende Internetverfügbarkeit.
- ITU, TDS National Reports — ITU Telecom World 2003, Abschnitt Bhutan — berichtete Dienst- und Verbindungszahlen; unterschiedliche Stichtage und Einheiten bleiben getrennt.
- ITU News, “Multipurpose community telecentres — connecting people from Timbuktu to Kabul” (2002) — zeitgenössische Angaben zu Tarif, Telezentren und einer Pilotbefragung, keine nationale Tarifprüfung oder Volkszählung.
- PBS FRONTLINE/World, “Bhutan — The Last Place: Gross National Happiness” (2001) — Beobachtungen vor Ort und zugeordnete Interviews zu Zugang und früher Nutzung.
- The Irish Times, “Bhutan opens website” (2. Juni 1999) — Bericht über die öffentliche Eröffnung, kein Nachweis des ersten Pakets oder eines landesweiten Ausbaus.
- National Statistics Bureau of Bhutan, Statistical Yearbook of Bhutan 2019 — die spätere Datierung eines Markenstarts auf 2003 widerspricht dem zeitgenössischen Gebrauch von „DrukNet“ 1999; der Widerspruch bleibt offen.
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