Zusammenfassung
- Bertrand Cherrier leitete APNICs Policy SIG, als er 2023 mit prop-153 eine Fünfwochenfrist für Autoren und eine Vierwochenfrist für die Veröffentlichung angenommener Vorschläge auf der Mailingliste festschreiben wollte.
- Sein Entwurf regelte auch verspätete Texte, fehlende Vortragende und Vorschläge ohne Konsens. Eine Debatte konnte stattfinden, während eine Entscheidung bis zur nächsten Sitzung warten musste.
- Prop-153 selbst fand auf APNIC 56 keinen Konsens. Cherrier zog den Vorschlag im Februar 2024 zurück.
Der Sitzungssaal hat einen Türsteher aus Papier
Über einen Vorschlag kann nur entscheiden, wer ihn rechtzeitig auf die Tagesordnung bringt. In dieser banalen Feststellung steckt eine Menge Macht. Bertrand Cherrier war 2023 Vorsitzender der APNIC Policy SIG und schrieb mit prop-153 einen Vorschlag darüber, wann Papiere durch diese Tür gelangen sollten. Der Vorsitzende wollte den eigenen Arbeitskalender genauer beschreiben.
Die zweite Fassung seines Textes begann das Einreichungsfenster um Mitternacht nach Ende des vorherigen Open Policy Meeting. Fünf Wochen vor dem nächsten Treffen sollte es für formelle Vorschläge schließen. Angenommene Texte müssten die Vorsitzenden mindestens vier Wochen vor dem Treffen an die Policy-SIG-Mailingliste schicken. Zwischen Autorenschluss und öffentlicher Liste lag also eine Woche. Der Entwurf band Datum und Uhrzeit an den Ort der bevorstehenden Konferenz. Für Teilnehmer über viele Zeitzonen hinweg ist das eine praktische Zulassungsbedingung.
Cherrier war zugleich Betreiber und Moderator. Seine APRICOT-Bewerbungsbiografie von 2025 nennt ihn Systemadministrator eines ISP in Neukaledonien, Co-Vorsitzenden der SIG seit 2017 und Vorsitzenden seit 2021. Diese dokumentierten Rollen erklären, warum er die Lücke zwischen einem eingereichten Papier und einer tatsächlich diskutierbaren Tagesordnung aus eigener Arbeit kannte.
Zu spät heißt: Reden ja, entscheiden später
Der Entwurf schloss verspätete Autoren nicht vom Gespräch aus. Ihr Text durfte beim Treffen vorgestellt und diskutiert werden. Eine Entscheidung darüber sollte dort ausbleiben; für das nächste Treffen müsste er fristgerecht erneut eingereicht werden. Konnte ein Autor weder vor Ort noch aus der Ferne vortragen, sollten die Vorsitzenden den Vorschlag fallen lassen. Nach gescheitertem Konsens verlangte der Text eine überarbeitete Fassung vor der nächsten Fünfwochenfrist, andernfalls ebenfalls eine Streichung. Das sind Regeln über die Wartezeit bis zur Entscheidung.
APNICs Sekretariat bewertete die erste Fassung als mit der damaligen Praxis vereinbar und bat um verständlichere Sprache für Mitglieder, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Ein schwer lesbarer Zugangstext macht aus einer Frist schnell ein Rätsel. Der Sekretariatshinweis beschrieb den Entwurf; die Entscheidung darüber blieb beim Politikverfahren.
Laut APNIC-Chronik erschien Version eins am 3. August 2023 und Version zwei am 12. September. Auf APNIC 56 am 14. September gab es keinen Konsens; der Entwurf ging zurück auf die Mailingliste. Am 29. Februar 2024 zog Cherrier ihn zurück. Die öffentliche Beschreibung des heutigen Verfahrens nennt weiterhin mindestens vier Wochen vor dem Treffen für die Mailingliste und die Rolle der Vorsitzenden bei der Konsensfeststellung. Der APNIC-60-Bericht dankte Cherrier 2025 als scheidendem Policy-SIG-Vorsitzenden.
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