Zusammenfassung

  • Noch vor öffentlichem IP-Zugang tauschten Anbieter in Bangladesch E-Mails über internationale Telefonverbindungen und UUCP zeitversetzt aus.
  • VSAT ermöglichte eine dauerhafte Verbindung; ein Bericht von 1999 beschreibt BTTB als einzigen lokalen VSAT-Betreiber, der später selbst Internetdienste anbot.

Die E-Mail nahm den Umweg über das Telefon

Die Aussage, das Internet sei 1996 nach Bangladesch gekommen, bezeichnet einen Wendepunkt, aber nicht den Beginn jeder vernetzten Nutzung. Lokale Anbieter verkauften bereits E-Mail-Zugänge. Ihre Rechner riefen ein System im Ausland an, tauschten Nachrichten über UUCP aus und beendeten die Verbindung wieder. Nutzer konnten international schreiben, doch der Anbieter war dadurch nicht dauerhaft mit dem weltweiten IP-Netz verbunden.

Das Bangladesch-Kapitel des Digital Review of Asia Pacific datiert eine frühe UUCP-Verbindung auf November 1993. Dem Rückblick zufolge stellte Harish Pillay von der Linux User Group in Singapur den Zugang kostenlos bereit; PraDeshta betrieb den regelmäßigen E-Mail-Dienst. Zunächst führte der Weg per internationalem Telefonanruf nach Singapur und von dort über eine Mietleitung zum malaysischen JARING-Netz. Das ist die spätere Erinnerung eines Beteiligten, kein Verbindungsprotokoll aus dem Jahr 1993.

Sie macht jedoch sichtbar, worauf die „Offline“-E-Mail beruhte: Auslandsgespräche, Rechner außerhalb des Landes und ein mehrteiliger internationaler Transportweg.

Ein anderer Weg, dieselbe Abhängigkeit

Ein Bericht von Jan Willem van Nus aus dem Jahr 1999 besagt, dass die Regierung Ende 1995 Anträge für VSAT-Datenleitungen entgegennahm. Die erste VSAT-Grundverbindung sei am 4. Juni 1996 in Betrieb gegangen; danach habe öffentlicher Internetzugang begonnen. E-Mails mussten nun nicht mehr auf den nächsten UUCP-Austausch warten, sondern konnten direkt zugestellt werden.

Die Quellen nennen allerdings unterschiedliche Daten für den Anfang. Auf einer APNIC-Betriebsveranstaltung 2006 sagte der bangladeschische ISP-Unternehmer Sumon Ahmed Sabir, die erste Internetverbindung habe im Mai 1996 über VSAT mit 64 kbit/s bestanden. Prothom Alo zitierte 2023 den früheren Geschäftsführer von Information Services Network, S. M. Iqbal, der den ersten ISN-Kundenanschluss auf den 6. Juni datierte. Gemeint sein könnten erste Erreichbarkeit, technische Inbetriebnahme und erster Kundenbetrieb. Die Quellen klären das nicht.

Die 64 kbit/s waren nicht automatisch die Rate am Kundenanschluss. Iqbal zufolge kaufte ISN zunächst diese vorgelagerte Kapazität; Nutzer hätten anfangs ungefähr 6 kbit/s erhalten. Er bezifferte die monatliche VSAT-Miete auf 10.000 US-Dollar, den Anschlusspreis auf 10.000 Taka und die Nutzung auf 5 Taka pro Minute. Das sind unterschiedliche Kostenpositionen aus einer Jahrzehnte später geführten Rückschau. Als erste Kunden nennt der Bericht einige Unternehmen in Dhaka, keine landesweite Privatkundschaft.

Entscheidend ist die Zuständigkeit für den Anschluss. Van Nus beschrieb das Bangladesh Telegraph and Telephone Board (BTTB) als staatliches Monopol und einzigen lokalen VSAT-Betreiber. BTTB beschaffte Leitungen bei ausländischen Satellitenanbietern und vermietete sie an Abonnenten vor Ort, hauptsächlich an Internetanbieter. Laut Bericht unterschrieben VSAT-Kunden eine Vereinbarung, keine Dienste anzubieten, die mit BTTB konkurrierten. Der Autor schrieb außerdem, BTTB sei inzwischen selbst in den Internetmarkt eingetreten. Der Vertrag, eine Regulierungsentscheidung oder ein Durchsetzungsfall liegt hier nicht vor.

Deshalb lässt sich weder der Beginn der Klausel noch ihre Anwendung gegen einen ISP belegen. Der Bericht dokumentiert aber den damaligen Interessenkonflikt aus Sicht eines Branchenautors: Der Anbieter des unverzichtbaren lokalen Anschlusses wurde zugleich Einzelhandelsanbieter.

Der erste Anschluss war noch kein fertiger Markt

Van Nus zufolge nutzten 1999 alle großen Anbieter VSAT; die meisten hatten nur eine einzige Leitung mit Upstream in Hongkong oder Singapur. Nur zwei Anbieter verfügten über eine zweite Leitung. Der Bericht nennt mehr als 500 Millisekunden Verzögerung über den Satelliten, hohe Kosten und Schwierigkeiten, bei Ausfall einer Einzelverbindung den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch Anträge für Telefonleitungen und VSAT-Datenkreise liefen über BTTB und konnten dauern. Das sind Beobachtungen des Autors aus dem Jahr 1999, keine nationale Messreihe zur Dienstqualität.

Die dauerhafte Verbindung erweiterte die Möglichkeiten: E-Mails mussten nicht mehr auf den nächsten Wählvorgang warten, und Websites konnten Wahlergebnisse oder lokale Informationen veröffentlichen. Der Zugang zum globalen Netz beruhte aber weiterhin auf einem teuren Satellitenweg und einer lokalen Stelle, die den verfügbaren Übergang kontrollierte. Van Nus zählte Ende 1996 nur zwei Anbieter und rund tausend Nutzer. „Verbunden“ bedeutete eine neue technische Fähigkeit, nicht allgemeinen Zugang oder einen offenen Großhandelsmarkt.

Der Engpass verlagerte sich. UUCP-Nutzer waren auf regelmäßige Anrufe bei ausländischen Mailservern angewiesen. IP-Anbieter konnten eine Verbindung offenhalten, blieben jedoch vom Preis der Satellitenkapazität und den lokalen Anschlussbedingungen abhängig. Die Quellen belegen diesen Wechsel der Zugangsform; sie zeigen nicht, dass die Hürden beim Einkauf, Betrieb oder Weiterverkauf internationaler Konnektivität zugleich verschwanden.

Quellen