Zusammenfassung

  • RFC 1437 vom 1. April 1993 schlug matter-transport/sentient-life-form als MIME-Typ zum Versand ganzer Menschen vor. Abmessungen, Molekülkodierung, Gateways und Pannen sind sorgfältig ausgearbeitete Bestandteile eines Aprilscherzes.
  • RFC 9694 hielt später fest, dass dieser zusätzliche Top-Level-Medientyp nie registriert wurde. Das Dokument von 1993 diente der Unterhaltung.

Für diesen Anhang reicht kein Postfach

E-Mail hatte gerade gelernt, mehr als schlichte Textzeilen zu befördern. RFC 1341 legte 1992 MIME-Mechanismen dar: Nachrichtenteile konnten als Text in verschiedenen Zeichensätzen, als Bild, Ton oder Video gekennzeichnet und für den Transport passend kodiert werden. Ein Absender gab einem Teil einen Typ; Programme auf dem Weg und beim Empfänger mussten damit umgehen. Nathaniel Borenstein, einer der MIME-Autoren, und Mark Linimon fanden offenbar, dass in dieser Liste ein Eintrag fehlte. Was, wenn der Anhang selbst eine Person wäre?

Die Antwort erschien als RFC 1437 am 1. April 1993. Der neue Haupttyp hieß matter-transport, sein erster Untertyp sentient-life-form. Der Titel versprach eine Erweiterung der MIME-Inhaltstypen auf ein neues Medium. Das klingt nach Abstimmungsvorlage, bis die Anforderungen an Delfine, Klingonen und Politiker zur Sprache kommen. Die Autoren gönnen sich keinen erklärenden Augenzwinkerer. Sie lassen die Form der Spezifikation die Komik tragen.

Die erfundene Syntax ist verblüffend fleißig. In der Content-Type-Zeile stehen Höhe, Breite und Tiefe in Zentimetern sowie die Scanauflösung in Ångström. Im gedachten dreidimensionalen Kasten wird an jeder Stelle ein Molekül durch eine ASCII-Formel beschrieben. Lange Moleküle könnten an den Zeilenumbrüchen alter Mailsysteme scheitern; dafür erwägen die Autoren eine Transferkodierung wie quoted-printable. Eine grobe Pointe hätte gereicht, doch der Text sorgt sich lieber um Proteine am rechten Seitenrand.

Die verwendeten Sorgen waren echt. RFC 1341 reagierte auf die Grenzen älterer ASCII-Mail und auf den Verlust von Information an unterschiedlich ausgestatteten Stationen. Die Kennzeichnung eines Inhalts, seine Kodierung und seine Weitergabe über Gateways sind praktische Aufgaben. RFC 1437 übernimmt diese Schritte und ersetzt die Datei durch einen Körper. Ein fehlerhafter Umbruch wird zum medizinischen Notfall. So macht die Parodie sichtbar, wie lächerlich eine Aussage über technische „Erweiterbarkeit“ klingt, sobald sie die physische Welt ohne weitere Beweise vereinnahmt.

Besonders schön ist die Frage nach X.400-Gateways. Ein Gateway könnte den neuen Typ zurückweisen und eine so kryptische Fehlermeldung erzeugen, dass der Empfänger die Nachricht löscht, ohne den angeblich mitgeschickten Menschen zu bemerken. RFC 1437 empfiehlt weitere Untersuchung in künftigen X.400-Fassungen und verschiebt die Lösung gelassen ins nächste Jahrhundert. Der imaginäre Reisende wartet nicht auf den Zug, sondern auf die nächste Sitzung eines Standardisierungsgremiums.

In den Implementierungshinweisen wird jeder vertraute Fehler persönlich. Bei einer angeblichen Laborprobe soll voller Speicher eine Ratte auf eine Datei ohne Inhalt gekürzt haben. Die Autoren bedauern, keine „scratch rat“ eingehängt zu haben, ein Wortspiel mit temporärem Speicher. Falsche Byte-Reihenfolge lässt Passagiere kopfüber ankommen. Backups wecken beim Management Hoffnung auf virtuelle Unsterblichkeit. Doppelte Zustellung kann Familienmitglieder vermehren. Speicher, Byte-Reihenfolge, Sicherung und Duplikate sind reale Informatikthemen. Die Ratte ist eine Pointe, kein Versuchsbericht.

Auch Sicherheitsfragen werden pflichtbewusst abgehandelt. Ein Straftäter könnte sich selbst über eine Grenze schicken oder auf einem komplizierten Mailweg eine Frist verstreichen lassen. Der Ton bleibt so trocken, als stünde das Problem auf einer regulären Risikoagenda. Zum Schluss erscheinen sogar die Autorenadressen als MIME-Teile; das Dokument stellt seine Verfasser gewissermaßen selbst in den Versand. Der Witz hält vom Titel bis zum Adressblock durch.

Eine viel spätere Quelle klärt die archivalische Nachgeschichte. RFC 9694 vom März 2025 behandelt neue Top-Level-Medientypen und erwähnt, dass RFC 1437 zwar einen zusätzlichen Typ definierte, dieser aber nie registriert wurde. Grund war der ausdrücklich zur Unterhaltung veröffentlichte Aprilscherz. Die RFC-Reihe bewahrte das Dokument; das Register führte keinen Menschenversand als nutzbaren Medientyp.

Gerade diese Trennung macht RFC 1437 zu mehr als einer alten Nerd-Anekdote. Borenstein und Linimon verstanden die mühseligen Details von E-Mail genau genug, um sie an einem unmöglichen Fall durchzuspielen. Die Maschine erhielt in der Geschichte jede nötige Feldbezeichnung, jedes Gateway-Problem und sogar einen Backupplan. Einen Fahrgast erhielt sie nie. Aufbewahrt wurde eine prächtige technische Komödie.