Zusammenfassung

  • RFC 3071 ordnete Domains nach Regeln, Kundschaft und Marktverhalten ein, nicht allein nach der Form ihrer Bezeichnung.
  • ISO-Code, Root-Zone-Delegation, Registerpolitik und die Legitimität einer Regierung sind unterschiedliche Nachweise.

Das Etikett beschreibt nicht den Betrieb

Stellen wir uns zwei Zwei-Zeichen-Domains aus derselben Codeliste vor. Die eine richtet sich vorwiegend an Menschen und Organisationen im zugeordneten Land; die andere bewirbt Registrierungen weltweit und nimmt alle an, die zahlen können. Das ist ein Gedankenbeispiel, keine Einordnung heutiger Domains. Aus den zwei Zeichen und dem Eintrag in der Root-Zone lässt sich die Kundschaft nicht ablesen.

John Klensin beschrieb diese Lücke in RFC 3071, einem informativen Memo vom Februar 2001. Mit dem Wachstum des Webs wurden Domainnamen zu einem kommerziellen Gut. Einige Register für Länderkennungen ließen ausländische Registranten zu oder warben gezielt um sie. Zugleich hielten sich manche früher „generisch“ genannten Domains nicht mehr an den engen Zweck, den ihr Name nahelegte. Die alte binäre Unterscheidung erklärte den Betrieb nicht länger.

Klensin schlug drei funktionale Gruppen vor: echte generische Domains, offen für Registrierungen aus vielen Quellen und breit vermarktet; zweckgebundene Domains mit Qualifikationen, die nicht an Staatsgrenzen gebunden sein mussten; und Länder-Domains, die hauptsächlich Menschen und Organisationen im zugeordneten Land dienten, ohne intensive Auslandswerbung oder große erwartete Auslandseinnahmen. Alle der letzten Gruppe wären ccTLDs, aber nicht jede ccTLD gehörte dazu.

Diese Einteilung lag quer zur Zweibuchstabenregel. Klensin hielt es für sinnvoll, zweistellige Top-Level-Namen auf ISO-3166-1-Codes zu beschränken. Doch die Aufnahme in eine Codeliste belegte nur eine Namensberechtigung. Sie sagte nichts darüber aus, wo Registranten lebten, welches Recht Streitfälle regelte, wie das Register Kunden ansprach oder ob seine Regeln fair durchgesetzt wurden.

Die Belege mussten deshalb auf jeder Ebene getrennt gelesen werden. Die Root-Zone-Datenbank zeigt eine Delegation, Nameserver und Kontakte, aber nicht die Marktstruktur. Eine veröffentlichte Richtlinie beschreibt beabsichtigte Regeln; Registrierungsdaten und Werbung geben Hinweise auf die Praxis, beweisen jedoch keine faire Durchsetzung. RFC 3071 nannte als mögliche Indikatoren die gezielte Werbung im Ausland, den Anteil inländischer Registranten, eine tatsächliche Präsenz des Managers im betreffenden Rechtsraum und die Möglichkeit, dass örtliche Gerichte Urteile gegen Registranten vollstrecken.

Wichtige Bedingungen sollten vor der Registrierung bekannt sein.

RFC 3071 blieb eine individuelle historische Reflexion und ein Vorschlag, keine von ICANN übernommene Taxonomie. Das Memo allein rechtfertigt daher keine Einstufung einer heutigen ccTLD. Ebenso wichtig ist die Zuständigkeitsgrenze: Eine technische Delegation zu verwalten machte IANA oder ICANN nicht befugt, über Staatlichkeit, die Legitimität konkurrierender Regierungen oder innerstaatliche politische Streitigkeiten zu entscheiden. Root-Verwaltung sollte nicht zur internationalen Gerichtsbarkeit werden.

Der bleibende Punkt ist die Trennung von Code, Delegation, Geschäftsmodell, Nutzerkreis, Rechtszuständigkeit und politischer Vertretung. Ein Register kann seinen Markt ändern, während die zwei Zeichen gleich bleiben. Wer wissen will, wem es dient, muss Richtlinien und beobachtetes Verhalten prüfen. Fragen der Souveränität brauchen ein anderes Verfahren mit einem anderen Mandat.

Quellen